Uni-Glossar: Privatdozent/in
Wer an einer deutschen Universität „PD“ vor dem Namen trägt, hat einen langen akademischen Weg hinter sich – und trotzdem nicht automatisch eine feste Stelle. Klingt paradox? Das ist es irgendwie auch. Wer Privatdozentin oder -dozent werden möchte, muss nach der Promotion eine zweite umfangreiche wissenschaftliche Qualifikation erwerben: die Habilitation. Damit weist jemand nach, dass er oder sie ein Fach eigenständig und in seiner ganzen Breite in Forschung und Lehre vertreten kann. Als Belohnung erhält man die sogenannte Venia Legendi, die offizielle Lehrbefugnis. Damit darf man selbstständig lehren, Prüfungen abnehmen, Doktoranden und Masterstudierende betreuen sowie als Gutachter für wissenschaftliche Arbeiten agieren. In der akademischen Welt gilt die Habilitation als wichtiger Karriereschritt und dient oft als Sprungbrett zur Professur.
An der Universität Münster sind nach offiziellen Zahlen 54 Privatdozentinnen und -dozenten tätig (ohne Medizin). Sie sind den jeweiligen Fachbereichen zugeordnet und fester Bestandteil der akademischen Gemeinschaft. Bei herausragenden Leistungen können sie einen Ruf für eine Professur auf Lebenszeit erhalten oder zu außerplanmäßigen Professorinnen und Professoren ernannt werden. Wichtig dabei ist: Der PD ist ein akademischer Titel und kein Beschäftigungsverhältnis. Und er muss gepflegt werden – wer die Lehrbefugnis behalten möchte, muss regelmäßig Lehrveranstaltungen anbieten.
Die Tradition reicht in Münster weit zurück. Bereits im Jahr 1800 habilitierte sich Johann Christoph Schlüter (1767–1841) an der hiesigen Universität – allerdings nicht mit einer schriftlichen Arbeit, wie es heute üblich ist, sondern schlicht mit einem Vortrag. Ein Jahr später wurde er zum Professor ernannt. Ob er damals als Privatdozent benannt wurde, ist unklar. Der Begriff kam zwar im frühen 19. Jahrhundert auf, etablierte sich als Bezeichnung für diese akademische Stellung aber erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Seitdem ist er seit fast 200 Jahren fester Bestandteil des Hochschulkosmos.
Autorin: Kathrin Kottke
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 3, 6. Mai 2026.