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Frank Bartschat ist seit rund 40 Jahrenmit der Universität Münster verbunden.<address>© Uni MS - Kathrin Kottke</address>
Frank Bartschat ist seit rund 40 Jahrenmit der Universität Münster verbunden.
© Uni MS - Kathrin Kottke

Auf ein Stück Mohnkuchen

... mit Frank Bartschat, Dozent am Institut für Sportwissenschaft

Wenn Frank Bartschat am Rand der Laufbahn in der Leichtathletikhalle am Horstmarer Landweg steht, beobachtet er seine Studierenden genau. Ein paar Schritte Anlauf, ein kurzer Sprung, ein missglückter Versuch. Sofort gibt er einen Hinweis: „Versuch mal, den letzten Schritt etwas aktiver zu setzen.“ Oft reichen solch kleine Tipps, und plötzlich stimmt der Bewegungsablauf. Ein Student überquert die Hürde danach deutlich flüssiger als zuvor. Für solche Momente steht Frank Bartschat seit Jahrzehnten in der Halle – als Trainer und Dozent in der Lehramtsausbildung am Institut für Sportwissenschaft.

Seit rund 40 Jahren ist Frank Bartschat mit der Universität Münster verbunden. Seine berufliche Laufbahn begann allerdings nicht im Sport. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Fotografen und Grafiker und arbeitete lange in der Werbebranche, bevor er an den Fachbereich Geowissenschaften wechselte. Dort fotografierte und gestaltete er wissenschaftliche Inhalte, während der Sport parallel dazu immer eine wichtige Rolle spielte. Als junger Mann war er ein erfolgreicher Leichtathlet, seine Stärken waren der Hoch- und Weitsprung.

Parallel dazu betreute er in seiner Freizeit mehrere Athletinnen und Athleten, absolvierte zahlreiche Fortbildungen und entwickelte seine Expertise Schritt für Schritt weiter. 2010 nahm er eine hauptamtliche Trainerstelle am Institut für Sportwissenschaft an und übernahm zusätzlich Lehrtätigkeiten. „Die Leichtathletik wuchs zu diesem Zeitpunkt an der Universität sehr stark“, erinnert er sich. Dass dieser ungewöhnliche Weg möglich wurde, verdankt er auch der Unterstützung des damaligen Dekans Prof. Dr. Bernd Strauß, der Möglichkeiten fand, den Quereinsteiger einzubinden.

Heute bringt Frank Bartschat diese Praxisnähe in seine Seminare ein. In der Regel belegen 20 bis 30 Studierende sein Leichtathletik-Seminar als einem zentralen Bestandteil des Sportstudiums. Die angehenden Lehrkräfte lernen nicht nur zu sprinten, zu springen oder zu werfen. Sie bereiten sich vor allem darauf vor, diese Bewegungen an Kinder und Jugendliche zu vermitteln. Tiefstart, Flop-Technik im Hochsprung, Kugelstoßen oder Hürdenlauf: Die technischen Grundlagen gehören ebenso dazu wie die Methodik, Trainingslehre und Regelkunde. Besonders wichtig ist ihm, dass die Studierenden die Bewegungen verstehen und in kleine Lernschritte zerlegen können. „Du musst kein Spitzensportler sein“, sagt er, „aber du musst wissen, wie du es Schülerinnen und Schülern beibringst, ohne dass sie den Spaß verlieren.“

Seine Erfahrung aus dem Spitzensport macht den Unterricht lebendig. Seit 2022 arbeitet er hauptberuflich als Trainer beim Bundesstützpunkt des Vereins Bayer 04 Leverkusen, einem der erfolgreichsten Leichtathletikzentren Deutschlands. Er betreut dort zahlreiche nationale und internationale Athletinnen und Athleten und begleitet sie zu Meisterschaften und internationalen Wettkämpfen. Seine Erfahrung aus diesem Umfeld fließt immer wieder in seine Seminare ein – etwa, wenn er von den Vorbereitungen auf Europameisterschaften erzählt.

Gleichzeitig beobachtet der gebürtige Münsteraner Veränderungen bei den Studierenden. Manche seien unsicherer im Auftreten vor Gruppen oder weniger sportlich erfahren als früher. Gerade deshalb versucht er, sie zu motivieren. Oft seien kleine technische Verbesserungen der Schlüssel: Wenn ein Student nach einem Hinweis plötzlich weiterkommt oder sauber über eine Hürde läuft, wächst die Begeisterung fast automatisch.

Für den 64-Jährigen ist Freizeit ein rares Gut geworden. Trainingseinheiten, Wettkämpfe und Seminare bestimmen seinen Kalender. Wenn sich doch einmal ein Zeitfenster öffnet, zieht es ihn zum Wandern in die Berge – zuletzt an den Schliersee in Bayern. Die Natur, die körperliche Anstrengung und die Ruhe seien für ihn der perfekte Ausgleich. „So kriege ich den Kopf wieder frei.“

Frank Bartschat will das Pendeln zwischen Spitzensport und Hörsaal noch einige Jahre fortsetzen. Ende 2028 steht sein Renteneintritt an. Er sei bereits gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, danach weiterhin als Dozent tätig zu bleiben. Eine Aussicht, die er sehr begrüßt.

Autorin: Kathrin Kottke

 

Mit einem Stück Mohnkuchen im Gepäck besuchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit für jede Ausgabe Universitätsbeschäftigte, um mit ihnen über Besonderheiten ihres Arbeitsplatzes zu sprechen.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 3, 6. Mai 2026.

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