Schätze aus Natur und Kultur bewahren
Ein westfälisches „Bridgerton“ …?
Bevor die Werke beispielsweise von Johann Friedrich Klöffler nach über 200 Jahren wieder zu hören sind, ist viel Arbeit erforderlich: vom Entziffern der Autographen und einer Edition in moderne Notenschrift für das Proben der Stücke bis hin zur Suche nach weiteren Archivalien. Denn das Forschungsinteresse der Beteiligten aus der Musikwissenschaft, Bürgerinnen und Bürgern sowie Studierenden reicht über schöne Klänge weit hinaus. Anhand alter Bücher, Verträge und Briefe erschließt das Team den geschichtlichen Hintergrund der Stücke.
„Bridgerton“-Atmosphäre kommt auf, wenn Dr. Daniel Glowotz vom musikwissenschaftlichen Institut aus historischen Dokumenten zu einer Hochzeit als Anlass für eine der untersuchten Kompositionen zitiert. Sie enthalten für heutige Ohren ungewöhnliche Anreden, sind teils auf Französisch verfasst und mit Tinte und Feder geschrieben. Bei adligen Eheschließungen sei es selten um Gefühle gegangen, sondern meistens um Politik und Geld. Der Steinfurter Hof habe bei der Brautschau zudem darauf geachtet, dass die Kandidatin Cembalo spielen konnte. „Für Juliane Wilhelmine zu Bentheim-Steinfurt wurde sogar ein Hammerklavier ,à la mode‘ in Auftrag gegeben, wie aus einem Brief hervorgeht“, erläutert Daniel Glowotz. Das Forschungsteam machte sich selbst ein Bild davon, wo dieses Instrument einst zu hören war: im Steinfurter „Bagno“. Der von Julianes Schwiegervater Graf Carl erbaute Konzertsaal ist bis heute in Betrieb.
Mit dem Wissen der Vielen dem Klimawandel trotzen
Im Dezember macht sie sich erneut auf den Weg zur Feldforschung. „Ich werde lange unterwegs sein“, lacht die junge Frau, die für eine Besprechung mit ihrer Professorin aus Lissabon per Bildschirm ins Geo-1-Gebäude der Universität Münster zugeschaltet ist. „Nach einem 15 bis 20 Stunden langen Flug folgen sechs Stunden mit dem Bus, dann setze ich mit dem Boot auf eine andere Insel über, wo mich erneut sechs Stunden Busfahrt erwarten“, zählt Selani Thomas auf. „Schließlich wird mich jemand aus dem Dorf mit dem Auto abholen.“
Im Gepäck hat die Masterabsolventin großformatige Karten und Luftbilder der Region, für die sogenannte partizipative Kartierung: In Workshops markieren Bewohnerinnen und Bewohner vom Grundschulalter aufwärts darauf mit Stiften ihr Wissen. Das können geografische Details sein, etwa häufig genutzte Wege, aber auch Absprachen der Community zu gemeinsamen Ressourcen. Es geht darum, wie die Menschen Veränderungen wahrnehmen und ihren Alltag regeln. „Das Projekt soll der Hanunoo-Mangyan-Gemeinschaft in den politischen Debatten Argumente für die Verbesserung ihrer Situation liefern“, erläutert Angela Schwering. Es diene aber auch dazu, voneinander zu lernen. „Die indigene Landwirtschaft ist weniger darauf aus, das Maximum aus der Natur herauszuholen. Die Menschen arbeiten vielmehr mit den Ressourcen und möchten sie bewahren.“
Terminhinweis:
Die Universitätsstiftung Münster und die Universitätsabteilung Wissens- und Technologietransfer laden unter dem Titel „mitmachen – mitdenken – mitforschen“ zu einem Nachmittag für bürgerschaftliches Engagement in Wissenschaft und Forschung ein. Die Veranstaltung beginnt am 21. April (Dienstag) um 17 Uhr in der Studiobühne (Domplatz 23). Höhepunkt ist die Ehrung der Siegerprojekte des Citizen-Science-Wettbewerbs 2025 der Universitätsstiftung Münster. Die Keynote der Feierstunde greift ein aktuelles Thema auf: Prof. Dr. Michael Quante vom Philosophischen Seminar spricht über „Wissenschaft in Gesellschaft – aber sicher!?“ Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist online möglich.
Autorin: Brigitte Heeke
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 2, 1. April 2026.