|
Münster (upm/jh).
Porträt von Stephanie Coßmann, die auf einem Sofa sitzt und ihren Gesprächspartner anlächelt. Dieser ist jedoch nicht im Bild zu sehen.<address>© Symrise</address>
Dr. Stephanie Coßmann verantwortet im Symrise-Vorstand die Bereiche Personal, Recht und Nachhaltigkeit und hat immer ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen.
© Symrise

Eine welt- und wortgewandte Juristin

Alumna Stephanie Coßmann ist Mitglied im Vorstand des DAX-Unternehmens Symrise

Auf der Karriereleiter hat es Dr. Stephanie Coßmann bis an die Spitze geschafft. Mit 46 Jahren stieg sie in den Vorstand des Chemiekonzerns Lanxess in Köln auf, nachdem sie dort bereits die Personal- und Rechtsabteilung geleitet hatte. Inzwischen ist sie Mitglied im Vorstand der Symrise AG im südniedersächsischen Holzminden – und damit eine der wenigen Frauen in den Führungsetagen der 40 DAX-Unternehmen. Geplant hatte sie diese Karriere nicht, allenfalls erhofft. Die Grundlagen legte sie an der Universität Münster. „Ich war immer offen für Neues und habe Chancen genutzt, die sich ergeben haben“, sagt sie.

Ihr Büro liegt im vierten Stock des Hauptgebäudes von Symrise, einem global führenden Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen mit rund 12.000 Beschäftigten und 92 Standorten weltweit. Der Schreibtisch ist akkurat aufgeräumt, große Fenster dominieren den Raum. Von dort fällt der Blick auf das Werksgelände. In der Ferne ragt die Silhouette des Weserberglands empor. Stephanie Coßmann kennt die Kleinstadt mit Weltkonzern, bei dem sie seit drei Jahren arbeitet, aus Erzählungen der Eltern. Ihr Vater war bei ihrer Geburt als Bundeswehrsoldat in Holzminden stationiert, bevor die Familie nach vielen Stationen in Dülmen landete. Ihr Abitur machte sie in der Nähe von Hannover. „Ich habe gelernt, mich gut und schnell auf neue Umstände einzustellen. Das hat mir auch im Berufsleben geholfen“, erinnert sie sich.

Auch an anderer Stelle habe ihr Vater entscheidenden Einfluss gehabt: Er riet ihr, „etwas Vernünftiges“ zu studieren – sie entschied sich für Jura. „Die Fakultät in Münster hatte einen ausgezeichneten Ruf und war damals bereits international ausgerichtet. Sprachen, fremde Kulturen und ausländische Lebensarten haben mich schon immer fasziniert. Außerdem passte Jura gut zu meinem Gerechtigkeitsfimmel“, erzählt die gebürtige Hannoveranerin und lacht. Sechs Jahre, von 1992 bis 1998, verbrachte sie an der Universität, unterbrochen von einem Auslandsaufenthalt in Paris, später kamen noch Lyon und Singapur hinzu. Sie lernte Spanisch und Russisch am Sprachenzentrum (Englisch und Französisch beherrscht sie ebenfalls fließend), arbeitete zunächst als studentische und später als wissenschaftliche Hilfskraft in einem internationalen Projekt.

„Das Jurastudium ist hart. Man schafft es nur mit guten Freunden, die Freud und Leid mit einem teilen“, ist die 52-Jährige überzeugt. Noch immer habe sie engen Kontakt zu ihren Studienfreunden und sei regelmäßig, aber „leider zu selten“, im Münsterland zu Besuch. Die zentrale Lage der Institutsgebäude, die münstersche Fahrradkultur, der Wochenmarkt, die Partys an den Bootshäusern an der Werse und das „JuWi-Fest“ – an all das erinnere sie sich gerne zurück. Bis heute profitiere sie von Fähigkeiten, die sie sich im Studium angeeignet habe, etwa sich komplexe Sachverhalte zu erschließen, Strategien zu entwickeln und sich in harten Zeiten zu motivieren. Ihre Sprachkenntnisse hätten sich als wichtige Türöffner bewährt.

Einen Studienortswechsel zog Stephanie Coßmann nie ernsthaft in Betracht – in Münster „passte einfach alles“. Nach dem Staatsexamen promovierte sie bei Prof. Dr. Reiner Schulze im Zivilrecht und absolvierte parallel dazu das Referendariat in Essen; während dieser Zeit arbeitete sie sowohl in einer Kanzlei als auch am Lehrstuhl ihres Doktorvaters. Anschließend sammelte sie Erfahrungen als Rechtsanwältin, bevor sie 2004 während der Gründungsphase des Unternehmens zur Lanxess AG wechselte. „Als Führungskraft kann ich den Weg meines Unternehmens seither aktiv mitgestalten, das ist eine tolle Erfahrung.“

Dass sie in ihrer Position vor allem von Männern umgeben ist, sei für sie nie ein Thema gewesen, wenngleich sie die Förderung von Frauen für unabdingbar hält. „Mein Umfeld hat mir immer Vertrauen und Rückendeckung gegeben“, betont sie. Sie entschied sich nicht zwischen Karriere und Familie, sondern für beides, und scheute sich nicht vor Verantwortung. Ihr Erfolgsrezept: „Fleiß, Disziplin und Flexibilität“. Sofern keine Dienstreisen anstehen, arbeitet sie drei Tage pro Woche im Büro in Holzminden, den Rest erledigt sie am heimischen Schreibtisch in Mettmann. „Trotz der hohen Arbeitsbelastung kann ich auf diese Weise für meine Kinder da sein. Homeoffice ist ein Privileg und eine der größten Errungenschaften.“

Gibt es überhaupt einen Arbeitsalltag, wenn man ein Unternehmen von Weltrang führt? „Die Tage sind durchgeplant und von Sitzungen, Besprechungen und Terminen geprägt. Zeit für inhaltliche Arbeit ist eher in den Abendstunden oder am Wochenende“, berichtet Stephanie Coßmann. Neben geschäftsbezogenen Themen liegen ihr Nachhaltigkeit und die Förderung von Beschäftigten am Herzen, dabei insbesondere die Gleichstellung der Geschlechter und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – auch aufgrund eigener Erfahrungen. Passenderweise verantwortet sie als Arbeitsdirektorin bei Symrise die Bereiche Personal, Recht und Nachhaltigkeit. Ihr ist es wichtig, nah an der Belegschaft zu sein. Das Bild der unnahbaren Chefetage ist ihr fremd. „Der Kontakt und der Austausch mit Menschen ist prägend für meine Arbeit. Ich schätze das sehr. Nur wenn Sie die Belange der Beschäftigten kennen, können Sie ein Team motivieren und die richtigen Entscheidungen treffen“, ist sie überzeugt.

Energie für ihre Arbeit, die eine 40-Stunden-Woche deutlich übersteigt, schöpft sie vor allem bei ihrer Familie und Freunden, bei der Gartenarbeit, aber auch bei langen Spaziergängen mit ihrem Hund, der mit ihr nach Holzminden pendelt. Gelegentlich verabredet sie sich dabei mit neuen oder jungen Beschäftigten. Welche Tipps gibt sie ihnen mit auf den Weg? „Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt rasant. Eine starke Persönlichkeit und Charaktereigenschaften wie Flexibilität, Neugier und Offenheit sind deshalb mindestens genauso wichtig wie das Handwerkszeug, das man im Studium oder in der Ausbildung lernt.“

Autorin: Julia Harth

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 1, 4. Februar 2026.

Links zu dieser Meldung