Auszeichnung für herausragendes Engagement in Lehre, Gleichstellung und Studium
Beim Neujahrsemfang im münsterschen Schloss verfolgten rund 400 Gäste die Verleihung der Rektoratspreise, die in diesem Jahr für herausragende Lehre, besondere Gleichstellungsprojekte und außergewöhnliches studentisches Engagement vergeben wurden. Dr. Marie Ghanbari erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Lehrpreis für das Sportpatenprojekt, die münstersche Ortsgruppe der „Feminist Law Clinic“ den mit 7.500 Euro dotierten Studierendenpreis. Den mit 20.000 Euro dotierten Gleichstellungspreis teilten sich das „SUN – Office Network“ und das Projekt BEAM des Teams „Women+ in Information Systems“. Auf dieser Seite stellen wir die Preisträgerinnen vor.
Lehrpreis:
Gute Lehre endet nicht mit der Vermittlung von Wissen
Das Sportpatenprojekt hat eine bereits 14-jährige Geschichte und in dieser Zeit eine beeindruckende Entwicklung genommen. Es entstand am Arbeitsbereich Sportpsychologie am Institut für Sportwissenschaft. Dort legte Dr. Marie Ghanbari mit ihrer Staatsexamensarbeit den Grundstein für das Konzept. Die Idee: Studierende werden zu Mentorinnen und Mentoren ausgebildet, die jeweils ein Schulkind im 1-zu-1-Verhältnis durch wöchentliche sportliche Aktivitäten in ihrer körperlichen und psychosozialen Entwicklung unterstützen. Die Verantwortlichen des Arbeitsbereichs waren von diesem Ansatz so überzeugt, dass sie das Projekt in die Lehrpraxis integrierten.
Für Marie Ghanbari ist das Projekt eine Herzenssache. „Die Auszeichnung berührt mich sehr. Sie ist Anerkennung für eine Lehre, die Wissenschaft, Praxis und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet. Diesen Weg gehen wir seit vielen Jahren mit großer Überzeugung und Leidenschaft.“ Für die Sportpsychologin endet gute Lehre nicht mit der Vermittlung von Wissen, sondern soll Menschen bewegen, Beziehungen schaffen und reale Wirkung entfalten. „Besonders bedeutsam ist, dass Empathie, Verantwortung und Persönlichkeitsentwicklung als zentrale Bildungsziele sichtbar anerkannt werden.“
Autorin: Hanna Dieckmann
Studierendenpreis:
Einsatz für eine feministische Rechtspraxis
Jura kann für Laien nicht nur unübersichtlich sein, sondern auch jederzeit relevant werden, etwa wenn ihnen Unrecht widerfährt. Um möglichst einfach Hilfe zu bieten, haben Studierende der Uni Münster Ende 2024 die Ortsgruppe der in Köln ansässigen „Feminist Law Clinic“ (FLC) gegründet. Ihr Engagement in Beratung, Organisation und Kommunikation würdigte das Rektorat nun mit dem Studierendenpreis. „Wir haben uns um den Preis beworben, weil wir wichtige Arbeit leisten und zeigen wollten, dass wir da sind“, sagt Charlotte Nocker, die zu den Ausgezeichneten gehört.
Unterstützung erhalten die Ehrenamtlichen von Volljuristinnen und -juristen, um die Ratsuchenden bestmöglich zu unterstützen. In der Ortsgruppe Münster engagieren sich vor allem Jurastudierende, die sich dadurch gleichzeitig fortbilden können – besonders in alltäglichen Rechtsgebieten, die aktuell nicht Teil des rechtswissenschaftlichen Studiums sind, etwa das Sexualstrafrecht. „Institutionell muss sich etwas ändern“, betont die münstersche Organisatorin Florentine Dreßler. Die FLC betreibt darum auch Aufklärungsarbeit und erzeugt Sichtbarkeit – für die Rechtsgebiete und die gesellschaftlichen Probleme wie Gewalt und Diskriminierung. Mitwirken können dabei nicht nur angehende Juristinnen und Juristen, sondern Studierende aller Fächer sowie hochschulexterne Personen.
Autor: André Bednarz
Gleichstellungspreis:
Mehr Sichtbarkeit für eine zentrale Berufsgruppe
Sie organisieren Arbeitsprozesse, gewährleisten den reibungslosen Betrieb und fungieren häufig als erste Anlaufstelle für Studierende sowie Forscherinnen und Forscher. Trotzdem bleibt die Arbeit der Sekretariatsbeschäftigten in Technik und Verwaltung häufig im Hintergrund. Mit dem „Administrative Professionals Day“ rückt das Netzwerk „SUN – Office Network“ diese wichtige Berufsgruppe an der Universität Münster gezielt ins Blickfeld.
Zugleich verfolgt das Projekt langfristige Ziele. Mithilfe von Workshops, Mentoring-Programmen und Fortbildungsangeboten soll die berufliche Entwicklung unterstützt werden. „Wertschätzung entsteht nicht nur durch Worte, sondern auch durch faire Entwicklungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten“, betont Daniela Bornträger, die seit zwei Jahren im SUN-Netzwerk aktiv ist. Gerade in einem überwiegend von Frauen geprägten Berufsfeld sei dies auch eine Frage der Gleichstellung.
Neben der individuellen Stärkung der Beschäftigten profitiert auch die Universität insgesamt. „Gut vernetzte und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern Wissen, Kontinuität und Qualität. Das macht die Universität als Arbeitgeberin attraktiv“, erklärt Maria Kock, die ebenfalls Mitglied im Netzwerk ist. Mit der Weiterführung des Administrative Professionals Day und begleitenden Angeboten soll daher nicht nur Anerkennung gefördert, sondern auch eine langfristige Bindung geschaffen werden. Das Projekt zeigt: Wertschätzung beginnt mit Sichtbarkeit und wirkt weit über einen Aktionstag hinaus.
Autorin: Kathrin Kottke
Gleichstellungspreis:
Gemeinsam bleiben, wachsen, weitergehen
Die Wirtschaftsinformatik gilt als Zukunftsfach, doch Umfragen zufolge fühlen sich viele Studentinnen in diesem Bereich allein. An der Universität Münster brechen überdurchschnittlich viele Frauen ihr Bachelorstudium in diesem Bereich ab. Genau hier setzt das Projekt BEAM (Belonging, Empowerment, Access & Mentorship) an. Ziel ist es, Studentinnen frühzeitig zu stärken, zu vernetzen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen, damit sie im Studium bleiben.
Kern des Projekts sind Mentoring- und Vernetzungsformate. Durch gemeinsame Veranstaltungsbesuche, informelle Treffen, Workshops und Podiumsdiskussionen werden Erstsemester mit fortgeschrittenen Studentinnen, Wissenschaftlerinnen und Frauen aus der Praxis zusammengebracht. „Sichtbare Vorbilder sind enorm wichtig“, betont Fumi Kurihara. „Viele Studentinnen fragen sich: ‚Gehört jemand wie ich hierher?‘ BEAM soll zeigen: Ja, absolut.“
Das Angebot wird durch Präsentationsworkshops ergänzt. In einem sicheren und unterstützenden Rahmen können Studentinnen dort Selbstvertrauen für mündliche Prüfungen und Vorträge entwickeln. Ein digitaler und ein analoger „Kummerkasten“ sowie Umfragen helfen zudem, Probleme früh zu erkennen. „Wir wollen nicht über Studentinnen sprechen, sondern mit ihnen“, sagt Fumi Kurihara. BEAM versteht sich als lernendes Projekt und als Einladung, Wirtschaftsinformatik gemeinsam vielfältiger zu gestalten.
Autorin: Kathrin Kottke
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 1, 4. Februar 2026.