Von Madrid und Baku nach Münster – der Mathematik wegen
Rund 4.500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Madrid und Baku, den Heimatstädten von Natalia Sampedro Loro und Anar Abdullayev. Doch trotz ihrer Distanz haben die beiden Studierenden einiges gemeinsam: Sie sind 23 Jahre alt, spielten in ihrer Kindheit viel Schach und studieren im dritten Semester des englischsprachigen Mathematik-Masterstudiengangs an der Universität Münster. Und das so engagiert und erfolgreich, dass sie nun ein Jahr ein monatliches Stipendium von 1.000 Euro von der Berliner „Wübben Stiftung Wissenschaft“ erhalten.
Ihre Liebe zur Mathematik begann früh. Mathe-Aufgaben in der Schule waren für Natalia Sampedro Loro wie spannende Spiele. In Anar Abdullayevs Familie waren durch die Lehrberufe seiner Eltern mathematische Formeln stets präsent und weckten seine Neugier. „Wenn die Mathematik dich einmal gepackt hat, lässt sie dich nicht mehr los“, sagt er.
Während des Bachelorstudiums – sie in Madrid, er in Ankara – entdeckten sie ihr Interesse für bestimmte Bereiche der Mathematik. „Die Logik ist das Gebiet, das am meisten in die Tiefe geht, das finde ich spannend“, sagt die Spanierin. Auf der Suche nach einem Masterstudium an einer Hochschule mit einer starken Logik-Forschungsgruppe landete sie in Münster.
Anar Abdullayev interessiert sich für das Zusammenspiel zwischen mathematischer Theorie und Anwendungen auf reale naturwissenschaftliche Phänomene mithilfe von mathematischer Modellierung und computergestützten numerischen Methoden. Er erhielt von mehreren europäischen Universitäten Zusagen für einen Masterstudienplatz. An Münster reizte ihn unter anderem die Forschung der Arbeitsgruppe für numerische Analysis und die Zusage eines Stipendiums, finanziert durch den Exzellenzcluster Mathematik Münster.
In den ersten Wochen vermisste Natalia Sampedro Loro ihre Familie sehr, besonders ihre Zwillingsschwester. „Aber über meine WG und die internationale Community des Masterstudiengangs habe ich schnell Freunde gefunden“, sagt sie. Sie genießt auf langen Spaziergängen Münsters Natur und arbeitet neben dem Studium an der Uni als Tutorin. „Dabei geht ihr Engagement weit über das Übliche hinaus. Sie verfasst beispielsweise ausführliche Musterlösungen für die Bachelorstudierenden“, betont Prof. Dr. Franziska Jahnke, die die Studentin für die Wübben-Förderung vorgeschlagen hatte. Zudem zeige sie den Master-Seminaren in freien Vorträgen ein beeindruckend tiefes Verständnis der Materie.
Anar Abdullayev, der sich auch in seiner Freizeit gerne mit Mathematik und Programmieren beschäftigt, war von Prof. Dr. Angela Stevens für das Stipendium nominiert worden. Er sei ihr aufgefallen, weil er mehr Vorlesungen als nötig besuchte, sehr durchdachte wissenschaftliche Fragen stellte, sich neue mathematische Techniken schnell erarbeitete sowie gute und sehr gute Noten erzielte. „Er ist mathematisch sehr selbstständig und unabhängig“, sagt die Professorin. Nach seinem Masterstudium möchte der Aserbaidschaner promovieren und in der Forschung bleiben. Natalia Sampedro Loro kann sich diesen Weg ebenfalls vorstellen – wenn möglich weiterhin in Münster. Auch wenn die beiden es in der Stadt oft viel zu still finden, verglichen mit dem Trubel in ihren Heimatstädten.
Autorin: Victoria Liesche
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 8, 10. Dezember 2025.