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Münster (upm/ch).
Im „Uni-Glossar“ erläutern die Redakteurinnen und Redakteure der Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Begriffe aus der Hochschulwelt.<address>© Uni MS - Linus Peikenkamp</address>
Im „Uni-Glossar“ erläutern die Redakteurinnen und Redakteure der Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Begriffe aus der Hochschulwelt.
© Uni MS - Linus Peikenkamp

Uni-Glossar: die akademische Viertelstunde

Begriffe aus dem Hochschulkosmos kurz erklärt – Serie der Unizeitung wissen|leben

Wer an einer Universität arbeitet, nimmt es mit der Pünktlichkeit nicht so genau: So in etwa lautet ein altes Vorurteil. Es geht auf die akademische Viertelstunde zurück. Dieses besondere Zeitmaß bedeutet, dass sich der Beginn von universitären Veranstaltungen um eine Viertelstunde nach hinten schiebt. Die Tradition entstand, um allen Beteiligten genügend Zeit zu geben, zwischen den Veranstaltungsorten zu wechseln. Auch an der Universität Münster fangen viele Lehrveranstaltungen 15 Minuten nach der vollen Stunde an. Dann wird die Zeitangabe mit „c. t.“ ergänzt. Die Abkürzung steht für den lateinischen Begriff „cum tempore”, im Deutschen: „mit Zeit“. Ist der Vorlesungsstart mit 10 Uhr c. t. angegeben, bedeutet das: Es geht erst um 10.15 Uhr los. Heißt es dagegen „10 Uhr s. t.“ (sine tempore, ohne Zeit), fängt die Vorlesung pünktlich um 10 Uhr an.

Außerhalb der Hochschule sind die Abkürzungen nicht geläufig. Die Zentrale Studienberatung (ZSB) der Universität Münster gibt daher zum Beispiel in ihrem Vorlesungsverzeichnis für Studieninteressierte (StudiVV) stets den Veranstaltungsbeginn in Stunden und Minuten an, also „10.15 Uhr“ statt „10 Uhr c. t.“. So möchte das Team der ZSB Irritationen vermeiden.

„Erstis“ lernen die Abkürzungen mit Studienbeginn kennen. So enthält die Ersti-Info der Fachschaft Mathematik und Informatik beispielsweise den Rat: „Den Unterschied zwischen c. t. und s. t. zu kennen, kann euch zu frühes Aufstehen und peinliches Zuspätkommen ersparen.“ Größere Probleme durch zeitliche Verwirrungen im Unibetrieb sind nicht bekannt. Dennoch: Manch einer stellt sich die Frage, ob die Angabe c. t./s. t. noch zeitgemäß ist. Ein gestandener BWL-Professor scherzte kürzlich, er sei sich auch nach mehr als 30 Semestern nicht immer sicher, ob die eigenen Vorlesungen mit oder ohne Zeit anfangen.

Autorin: Christina Hoppenbrock

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 7, 5. November 2025.

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