Wenn jede Mahlzeit ein Kampf ist
Essstörungen gehören in Deutschland zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Jugendlichen, das Problem betrifft allerdings alle Altersgruppen und sozialen Schichten. Die positive Nachricht: Mittlerweile kann mehr als jede zweite Essstörung mit Hilfe von Psychotherapie erfolgreich behandelt werden, erklärt Prof. Dr. Timo Brockmeyer vom Institut für Psychologie der Universität Münster, der seit September Präsident der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen ist.
Im Podcast der Universität Münster stellt er neben den Ursachen und der Behandlung die drei häufigsten Formen von Essstörungen vor: Anorexie (umgangssprachlich Magersucht), Bulimie und unkontrollierte Essanfälle. Unter anderem seien mediale Einflüsse wie Fernsehwerbungen ein Antreiber für Essstörungen. „Es reichen drei Minuten Konfrontation mit Bildern von schlanken, sportlichen Menschen, um das Selbstwertgefühl und die Körperzufriedenheit zu beeinträchtigen“, erläutert Timo Brockmeyer. Außerdem ließe sich auch der Einfluss der Corona-Jahre in den Zahlen ablesen. „Noch immer ist die Häufigkeit von Essstörungen im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie erhöht.“
Liege der Verdacht einer Essstörung nahe, sollten Angehörige die betroffene Person vorsichtig und empathisch darauf ansprechen, empfiehlt Timo Brockmeyer. „Man sollte sie nicht unter Druck setzen, ihr etwas vorschreiben oder sie unterbewusst erpressen, da in dem Fall die Gefahr einer Abwehrreaktion besteht.“ Diese verschärfe das Problem.
Der Psychologe weist darauf hin, dass die Forschung zu diesem Thema noch viele Lücken aufweist. „Wir wissen kaum, welche konkreten Elemente in der Behandlung wirken.“ Vor allem sei es wichtig, die Prävention von Essstörungen zu fördern, bevor sie sich klinisch manifestiere. Außerdem müsse, wie es bei anderen psychischen Störungen wie der Depression bereits der Fall sei, mehr informiert und aufgeklärt werden. „Mit der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen habe ich nicht nur das Ziel, die Forschung zu fördern und Wissenschaftler zu vernetzen, sondern auch die Diagnostik, Prävention und Behandlung von Essstörungen zu verbessern.“
Umdenken – der Podcast der Universität Münster
Im Podcast der Universität Münster kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Sie berichten über ihre Forschungsschwerpunkte, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre persönliche Motivation. Alle Folgen sind auf Spotify, Deezer, Apple Podcasts und unter folgendem Link zu hören: https://www.uni-muenster.de/kommunikation/podcast/index.html