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Münster (upm).
Im Universitätsarchiv studierten Jörg Verhoeven (l.) und Prof. Dr. Aloys Prinz Unterlagen, die sie an die Anfänge ihrer Arbeit an der Universität Münster erinnerten.<address>© WWU - Peter Leßmann</address>
Im Universitätsarchiv studierten Jörg Verhoeven (l.) und Prof. Dr. Aloys Prinz Unterlagen, die sie an die Anfänge ihrer Arbeit an der Universität Münster erinnerten.
© WWU - Peter Leßmann

Rad fahren, Tango tanzen, schwimmen

Jörg Verhoeven und Aloys Prinz stehen kurz vor dem Ruhestand – ein Gespräch über Erinnerungen und Pläne

Nach zwei Jahrzehnten an der WWU verabschieden sich der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Aloys Prinz und Jörg Verhoeven, Leiter des Hochschulsports (HSP) Münster, in den Ruhestand. Norbert Robers und André Bednarz haben die beiden Fast-Pensionäre ins Universitätsarchiv eingeladen, um mit ihnen über ihre Zeit an der WWU zu diskutieren. Mehrere Archivalien, die die Leiterin des WWU-Archivs, Dr. Sabine Happ, aufgespürt hatte, ließen die beiden in Erinnerungen schwelgen.

 

Zu Beginn bitten wir die beiden Gesprächspartner darum, zu schildern, wie sie zur WWU gekommen sind ...

Verhoeven: Als ich 2001 als stellvertretender Leiter für den Bereich Wettkampf und Eventmanagement anfing, bestand das HSP-Team aus sechs hauptamtlich Beschäftigten. Da es mit meinem Traumjob Lehrer aufgrund der schlechten Stellensituation nichts wurde, hatte ich zunächst fünf Jahre als Geschäftsführer des TuS Hiltrup und weitere fünf Jahre als Präventionsfachkraft bei einer Krankenkasse gearbeitet. Diese Erfahrungen waren sehr nützlich. Ich erkannte aber schnell, dass der alleinige Fokus auf Wettkämpfe nicht die Zukunft des HSP sein konnte, denn viele Studierende hatten und haben andere Bedürfnisse. Deshalb fokussierten wir uns mehr und mehr auf den Breiten- und Gesundheitssport, auf Entspannung und den Erhalt der Leistungsfähigkeit. Damit ging seitdem ein großes HSP-Wachstum einher: Die Einnahmen stiegen von 200.000 auf 1,5 Millionen Euro, die Angebote von 100 auf 150 Kurse, die Zahl der Teilnehmer vervierfachte sich auf aktuell 25.000 pro Woche.

Prinz: Nach meinem Studium und der Promotion bewarb ich mich auf einen Job außerhalb der Universität. Doch mein Doktorvater bot mir eine Habilitationsstelle an – so blieb ich in Berlin. Nach der Habilitation bewarb ich mich auf eine Abteilungsleiterstelle zur Arbeitsmarktpolitik im Berliner Senat. Ohne Erfolg. Glücklicherweise erreichte mich zu dieser Zeit ein Ruf der Universität Mainz, den ich annahm. So wurde ich vollends zum Wissenschaftler, was die glücklichste aller Fügungen in meinem Berufsleben war.

Mehr als 20 Jahre an der WWU: Was waren die größten Veränderungen während Ihrer Zeit an der Universität?

Prinz: Die Umstellung vom Diplom- auf das Bachelor- und Mastersystem. Gerade in unserem Fach hatte sich gezeigt, dass die Diplomstudierenden häufig nicht für die wissenschaftliche Laufbahn geeignet waren, aber lange an der Uni gehalten wurden. Mit der Bologna-Reform änderten sich die Strukturen, heutzutage gibt es schon im Studium eine starke Spezialisierung. Eine Stellenausschreibung, wie es sie für meine Professur gab, ist heute undenkbar. Für Finanzwissenschaft, Sozialpolitik, Gesundheitsökonomie gäbe es drei einzelne Lehrstühle. Ich erachte die Spezialisierung als gut, doch braucht es nach wie vor auch solche Leute, die wie ich breit aufgestellt sind.

Verhoeven: Die Studierenden wollen eine klare Aufteilung: tagsüber studieren, Freizeit am Abend. Entsprechend sind unsere Abendkurse am beliebtesten. Auch haben sich die Vorlieben für Sportarten und das Miteinander verändert. Früher gab es beispielsweise reine Männerhandballgruppen, in denen es richtig zur Sache ging. Inzwischen möchten viele eher einen gepflegten Ball spielen, auch in gemischten Gruppen. Gewinnen steht nicht mehr im Vordergrund, vielmehr geht es um Ausgleich, Gesundheit, Kommunikation und soziales Wohlbefinden. Wir haben unser Angebot entsprechend angepasst.

Prinz: Ich nehme wahr, dass die Studierenden heute mehr Stress empfinden als früher. Die Tage sind durchgetaktet, es bleibt wenig Zeit für Pausen, Veränderungen im Ablauf sind kaum möglich. Das forciert eine gewisse Disziplinierung, gleichzeitig sorgen die vielen Klausuren für mehr Stress. Zum Stress trägt aber auch bei, dass die Studierenden sehr viel Zeit für die Nutzung ihrer Smartphones aufbringen beziehungsweise ihre Zeit dafür verschwenden. Man macht das, was die anderen machen.

Verhoeven: Viele Studierende kennen sich gar nicht selber – ihre Fähigkeiten, ihre Präferenzen, Stärken und Schwächen. All das ist aber wichtig, um gute Strategien an der Uni und außerhalb für sich zu finden. Als HSP wollen wir den Studierenden eine Hilfestellung geben, indem wir die pädagogische Kraft des Sports nutzen. Über Sport kann man seine Stressoren finden, seine Ventile, das passende Umfeld für Ausgleich und Erholung.

Apropos Erholung: Wie geht es bei Ihnen weiter, wenn die Arbeit an der WWU für Sie in Kürze Geschichte ist?

Prinz: Ich möchte so lange es geht weiter Tango tanzen. Außerdem möchte ich endlich schwimmen lernen, da mir ein Sportlehrer in der Schule bereits das Schwimmen mit seiner unnachgiebigen Art verleidet hat. Und ich möchte Gitarren-Unterricht nehmen. Schließlich verfolge ich ein Buchprojekt mit einem Kollegen, habe bereits jetzt drei Vorträge in diesem Jahr auf der Liste und bin zur Teilnahme am Debattierclub eingeladen. Wichtig ist mir vor allem, nur noch nach meinem eigenen Kalender zu arbeiten und zu leben.

Verhoeven: Auch ich werde weiterhin arbeiten. Meine HSP-Kollegen werde ich aber in Ruhe lassen. Ich helfe beispielsweise bei der Organisation der ,Special Olympics NRW‘, die 2024 für Menschen mit geistigen und mehrfachen Einschränkungen in Münster stattfinden. Ich werde mich häufiger auf mein Rennrad setzen, unter anderem möchte ich den Rhône-Radweg bis zum Mittelmeer entlangfahren. Dabei kann ich gleich meine Französischkenntnisse aufbessern. Ich freue mich aber auch darauf, dass der Kalender Lücken haben wird. Das bedeutet mehr Freiheit, ich muss keinen Wecker stellen.

Prinz: Viel mehr Kür als Pflicht!

Verhoeven: Genau das. Ab März mache ich nur noch das, was ich machen will.

 

Kurzbiografien

Aloys Prinz, geboren 1956 in St. Wendel/Saarland, studierte zunächst Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes und an der Universität zu Köln. Es folgte eine wissenschaftliche Mitarbeit und Assistenz sowie die Promotion und Habilitation an der Freien Universität Berlin. Von 1993 bis 2000 war Aloys Prinz Professor für Volkswirtschaftslehre insbesondere Wirtschaftspolitik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2000 ist er Professor für Volkswirtschaftslehre insbesondere Finanzwissenschaft an der WWU. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Theorie und Politik der Besteuerung, Staatsverschuldung, soziale Sicherungssysteme, Sportökonomik und Geldpolitik.

Jörg Verhoeven, geboren 1957 in Münster, studierte an der WWU Sport- und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Nach seinem Studium arbeitete er beim TuS Hiltrup und einer Krankenkasse. Seit 2001 ist er beim HSP tätig, zunächst als stellvertretender, seit 2014 als Leiter. Seit 1992 engagiert sich Jörg Verhoeven ehrenamtlich beim Stadtsportbund Münster. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Aus- und Fortbildung von Übungsleitern, Bildung im und durch Sport und Eventmanagement.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 1, 2. Februar 2023.

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