Forschungsstelle Islam und Politik
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 Forschungsprojekt „Ressentiment als affektive Grundlage von Radikalisierung“

Das Forschungsvorhaben interessiert sich für den kulturellen Boden, auf dem islamische Radikalisierung gedeihen und Resonanz finden kann. Es geht der Frage nach, welchen Anteil die Ausbildung einer kulturrelevanten Affektlage der Unterlegenheit und des Ressentiments unter Musliminnen und Muslimen an Prozessen ihrer Radikalisierung hat. ‚Ressentiment‘ bezeichnet dabei die Verfestigung eines Gefühls der Kränkung, das negative soziale Erfahrungen hypostasiert und positive Ansätze einer Verbesserung der Lage entwertet. Es drückt sich in Polarisierungen zwischen den Bevölkerungsgruppen entlang ethnischer und religiöser Grenzziehungen aus. Diese beziehen sich auf negative Erfahrungen bzw. Wahrnehmungen der Diskriminierung im Alltag, die im Ressentiment von ihrem pragmatischen Sachzusammenhang abgekoppelt werden und eine Eigendynamik gewinnen, die schließlich gegenüber den möglichen positiven Erfahrungen mehr oder weniger resistent bleiben. Um die Spezifik ressentimentgeladener Affektlagen herauszuarbeiten, sind ressentimentfreie Selbst- und Fremdwahrnehmungen in der Mehrheits-/Minderheitsfiguration für unser Vorhaben ebenfalls von Interesse. Das Projekt ist quantitativ und qualitativ angelegt. Eine repräsentative Befragung soll Ausprägungen und Verbreitung von sozial, religiös und politisch aufgeladenen Ressentiments unter in Deutschland lebenden muslimischen Einwanderern erfassen. Zum anderen ist geplant, Ziele und Organisationsstruktur islamischer Vereine und Assoziationen und dabei insbesondere die in diesen Milieus gepflegten Wahrnehmungsmuster und Einstellungen etwa zur nichtmuslimischen Umwelt zu analysieren. Diese Wahrnehmungsmuster sollen zugleich mit den Wahrnehmungsmustern in anderen muslimischen Milieus, die keinen Bezug zu den ressentimentgeladenen Gruppen haben, kontrastiert werden, um unterschiedliche Formen der Diskriminierungswahrnehmung und Differenzen in ihrer Verarbeitung herauszustellen.

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Leitung: Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Wissenschaftlicher Mitarbeiter*innen:  Dr. Evelyn Bokler-Völkel, Maryam El Ouadhane, SHK

Forschungsstelle für religiös und politisch motivierten Extremismus (FORPEX)

FORPEX setzt sich zum Ziel, Phänomene des religiös motivierten sowie politischen Extremismus wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei stehen die extremistischen Ideologien, die davon abgeleiteten politischen Systeme und Feindbilder im Fokus. Organisationen und Netzwerke aus diesen Bereichen, die innerhalb der Europäischen Union ihre Wirkmacht entfalten, sollen hierbei im Mittelpunkt der Forschung und Dokumentation dieser Forschungsstelle stehen. Die dadurch entfachte Polarisierung und somit den sozialen Zusammenhalt gefährdenden Entwicklungen sollen nicht nur dokumentiert werden. Es gilt auch Lösungsansätze zu entwickeln und zu präsentieren. Die gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen sollen auch in den universitären Lehrbetrieb einfließen und im Rahmen von Lehrveranstaltungen diskutiert werden.

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Leitung: Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

 


 

► Extremismusprävention - Herausforderung für die Kinder- und Jugendarbeit

Neben dem Salafismus gibt es noch weitere extremistisch islamistische Gruppierungen und Ideologien in Deutschland, die aktiv versuchen, junge Muslim*innen in die eigenen Reihen zu rekrutieren.
Anders als Salafisten fallen diese nicht direkt durch ihr Äußeres radikales Sprechen bzw. Handeln auf, sondern sie agieren mit weniger auffälligen Mitteln und Methoden, um vor allem Heranwachsende zu indoktrinieren.
Radikalisierungsprozesse bilden eine große Herausforderung im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch in der Schulpraxis.
Fachkräfte oder Förderer sind oft mit solchen Strukturen überfordert. Die Differenzierung zwischen Meinungsfreiheit, Integrationsförderung und möglicher Kindeswohlgefährdung zu erkennen, ist allerdings von großer Bedeutung für eine gelingende und chancengleiche Integration. Dieses Projekt soll interaktive Lösungsansätze für eine funktionierende multiethnische Gesellschaft schaffen und Multiplikator*innen und Förderinstitutionen in ihrer praktischen Arbeit, gerade mit Jugendlichen, stärken, mit dem Ziel: Einheit in der Vielfalt für unsere Gesellschaft nachhaltig zu ermöglichen.

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Leitung: Prof. Dr. Mouhanad Khorchide
                 Umut Ali Öksüz