Die Heilige Schrift ist für Christen die zentrale – je nachdem sogar die einzige – Quelle der Erkenntnis des göttlichen Willens, welcher als solcher bestimmend für die Ausrichtung des jeweiligen Glaubens ist. Dementsprechend wichtig ist das Verständnis der Bibel für die Gläubigen. Da sich Gottes Wort jedoch nicht immer unmissverständlich darstellt, sind Gläubige – wie auch alle anderen, die es verstehen möchten – dazu angehalten, eine Deutungsleistung zu vollziehen, die sich von den Regeln des gewöhnlichen Textverständnisses zum Teil stark unterscheidet. In diesem Sinne schreibt Augustinus, der im Studium der Heiligen Schrift ebenfalls die Suche nach dem göttlichen Willen sieht, in "De doctrina christiana": „Es gibt gewisse Regeln, die man [demjenigen], der sich mit dem Schriftstudium befasst, nicht ohne Nutzen mitteilen kann“. Dieser Überzeugung folgend schaut sich der Arbeitskreis jene „gewisse Regeln“ an, die das Verständnis von Gottes Wort erst ermöglichen sollen.
Hierzu werden wir uns sowohl unterschiedliche Ansätze der Bibelhermeneutik als auch ihre Anwendung auf konkrete Stellen der Bibel anschauen. Dabei werden wir Ansätze vom Mittelalter bis zur Gegenwart diskutieren, die so unterschiedlich sind wie die Epochen, die sie hervorgebracht haben. Das bedeutet: Im Arbeitskreis werden beispielsweise Ansätze besprochen, die einen strengen Erhalt des christlichen Dogmas in ihrer Bibelhermeneutik beanspruchen, ebenso wie solche, die das transzendente Dogma hinter sich lassen, indem sie es pragmatisch bzw. intersubjektivistisch auslegen - bis zu dem Grad, dass der Glaube Ablösung erfährt.
Die genaue Auswahl der Texte wird im Laufe des Seminars bekannt gegeben, wir freuen uns aber auch über eigene Vorschläge. Der Arbeitskreis setzt keine Vorkenntnisse oder Vorbereitung voraus; alle Inhalte werden gemeinsam in den Sitzungen erarbeitet. Die Treffen finden während der Vorlesungszeit immer donnerstags von 18-20 h in Raum 205 statt. Bei Interesse meldet euch gerne bei Joshua Neumann unter: j.neumann6@uni-muenster.de
