Professoren und Studierende des Philosophischen Seminars geben Auskunft zu Inhalt und Aufbau eines Philosophiestudiums in Münster sowie zu den beruflichen Perspektiven für Absolventinnen und Absolventen. 

1. Portrait des Fachs
2. Anforderungsprofil an Studieninteressierte
3. Berufs- und Tätigkeitsfelder
4. Weitere Informationen

1. Portrait des Fachs

1.1 Geschichte und Methoden

Die europäische Philosophie hat eine sehr lange Tradition, die mit der griechischen Antike beginnt und über vielfältige historische Epochen bis in die Gegenwart grundsätzliche Fragen nach den Grundbedingungen und Prinzipien des Menschseins, des Denkens, Wissens und Erkennens, des Handelns, des Hoffens oder der Lebensgestaltung reflektiert. Sie umfasst viele verschiedene Disziplinen, in denen systematische Dimensionen durch die Epochen hindurch reflektiert werden, und vielfältige philosophische Methoden, die in den unterschiedlichen Disziplinen eine Rolle spielen. Ein wesentliches Merkmal der Philosophie ist, dass nicht nur die Bestimmung ihrer Themen und Probleme, sondern bereits die Bestimmung ihres Begriffs selbst eine philosophische Frage und Gegenstand des Philosophierens ist. Seit ihren Anfängen wurden zu ihren Themen und Problemen sowie zur Bestimmung ihres Begriffs selbst kontroverse Positionen formuliert, und die fachwissenschaftliche Diskussion darüber ist bis heute eine wesentlicher Pfeiler ihrer Auseinandersetzung. Grundsätzlich lässt sich aber als Gemeinsamkeit festhalten: Das Philosophieren beginnt, ausgehend von Problemen des individuellen und gesellschaftlichen Leben, mit dem Infragestellen vermeintlicher Gewissheiten, mit dem Zweifel und mit der Reflexion grundsätzlicher Fragen, die über konkrete gesellschaftliche und einzelwissenschaftliche Fragen hinausgehen. Sie bezieht dabei die Fragestellungen, Methoden und Theorien der philosophischen Tradition zur kritischen Problemerörterung heran. Philosophie prüft die Gültigkeit und Plausibilität von Geltungsansprüchen wie den Anspruch auf Wahrheit von Erkenntnissen oder den Anspruch auf Richtigkeit moralischer Prinzipien, setzt sich mit konkurrierenden Denkmodellen und Konzeptionen (z.B. der Ethik und Ästhetik, der Anthropologie, Erkenntnistheorie oder Metaphysik) auseinander und reflektiert so persönliche Auffassungen über die Wirklichkeit und die je eigene Lebenswelt. Das Wesentliche der Philosophie ist das Philosophieren, die Tätigkeit des philosophischen Denkens, die philosophische Problemreflexion. Diese Reflexionsfähigkeit ermöglicht die kompetente Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen aus Politik und Gesellschaft, aber auch aus anderen einzelwissenschaftlicher Disziplinen.

1.2 Lehr- und Forschungsschwerpunkte

Das Philosophische Seminar in Münster ist aufgrund seiner Größe und der Ausrichtung seiner Mitglieder in Forschung und Lehre in der Lage, das Fach Philosophie in seiner ganzen Breite, in vielfältigen historischen und systematischen Dimensionen sowie zusätzlich durch eine Reihe von Schwerpunktbildungen zu vertreten. Neben den seit Jahrzehnten bestehenden fachlichen Kompetenzen in verschiedenen Epochen der Philosophiegeschichte (antike Philosophie, Philosophie der frühen Neuzeit, Zeitalter der Aufklärung, Deutscher Idealismus) und zentralen Teildisziplinen der Philosophie (Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ethik, Ästhetik) sind in den letzten Jahren Schwerpunkte aus dem Bereich der analytischen Philosophie, insbesondere der Philosophie des Geistes, der Erkenntnistheorie, der Sprachphilosophie sowie der Wissenschaftstheorie und der Fachdidaktik Philosophie hinzugekommen. Zudem gehört das Philosophische Seminar seit vielen Jahren zu den führenden deutschen Instituten auf dem Gebiet der biomedizinischen Ethik. Folgende Forschungseinrichtungen, die vom Philosophischen Seminar, z. T. in Kooperation mit anderen Einrichtungen, getragen werden, dokumentieren einige Forschungsschwerpunkte: das neu gegründete Zentrum für Wissenschaftstheorie, die Arbeitsstelle für Aufklärungsforschung und die Leibniz-Forschungsstelle. Eine enge Kooperation gibt es mit dem Centrum für Bioethik.

1.3 Studiensituation in Münster

Als grundständiger Studiengang wird nur noch der neue Bachelor-Studiengang (BA) angeboten. Er tritt in zwei Varianten auf, als BA mit zwei Fächern (anstelle des alten Magister-Studiengangs sowie anstelle der alten Lehramtsstudiengänge für das Gymnasium und die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschule) oder als BA mit Ausrichtung auf fachübergreifende Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen (anstelle des Lehramts Praktische Philosophie für Grund , Haupt , Real und Gesamtschule bis Klasse 10). Die neuen BA-Studiengänge sind die Grundlage für die darauf folgenden Master-Studiengänge. Wer den BA mit zwei Fächern studiert hat, kann anschließend den Master Philosophie oder den Master of Education des Lehramt Philosophie/Praktische Philosophie studieren. Wer den BA mit Ausrichtung auf fachübergreifende Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen studiert hat, kann anschließend den Master of Ecucation des Lehramt Praktische Philosophie studieren. Das Philosophische Seminar ist der Philosophischen Fakultät zugeordnet, der größten Einheit innerhalb der Westfälischen Wilhelms-Universität. Am Philosophischen Seminar gibt es acht Professuren, eine akademische Oberratstelle, einen Studienrat im Hochschuldienst, eine unbefristete wissenschaftliche Mitarbeiterstelle sowie vier Stellen für wissenschaftliche Assistenten und zwei befristete wissenschaftliche Mitarbeiterstellen aus. Entsprechend breit ist das inhaltliche Angebot und Themenspektrum des Seminars, das in die verschiedenen Module der BA-Studiengänge einfließen kann.

2. Anforderungen an Studieninteressierte

Studierende des Faches Philosophie sollten zunächst einmal eine grundsätzliche intellektuelle Neugier besitzen und ein waches und kritisches Auge auf gesellschaftliche Ereignisse haben. Sie müssen eine große Lesebereitschaft mitbringen, denn sie müssen viel lesen, nicht nur anspruchsvolle philosophische Texte und Bücher, sondern sie sollten auch die Politik und das Tagesgeschehen verfolgen und entsprechend die überregionale Presse verfolgen. Sie benötigen vor allem Energie und Ausdauer zur Arbeit an Texten und müssen Lust haben, schwierige Texte zu knacken. Wer nicht bereit ist, für jede Seminarsitzung mindestens so viel Zeit zum Lesen von Texten zu investieren wie die Sitzung selbst dauert, ist falsch im Fach Philosophie. Unabdingbar ist auch eine grundlegende Argumentationsbereitschaft. Studierende des Faches Philosophie müssen offen sein in Diskussionen, müssen Argumente zur Diskussion stellen, ihre Argumente kritisieren lassen und selbst Kritik konstruktiv üben und aufnehmen können. Nicht zuletzt sollten sich die Studierenden das Philosophieren zueigen zu machen; sie müssen die Anstrengung auf sich nehmen, selber zu denken. Das erfordert auch, die Verantwortung für den Lernprozess im Studium selbst zu übernehmen und durch Eigenverantwortlichkeit für den eigenen Lernprozess die Chancen aufgreifen, die das Studium ihnen anbietet. Am Ende des Studium sollen die Studierenden sich Kenntnisse und Kompetenzen aneignen, die es ihnen ermöglichen, selbständig und kritisch zu denken, ihre Gedanken argumentativ zu vertreten sowie philosophische Konzeptionen und Positionen zu analysieren und zu beurteilen. Sie müssen grundlegende Fragen und Probleme, mit denen sich die Philosophie beschäftigt, darlegen und erörtern sowie ihre Methoden kennen und mit ihnen arbeiten. Sie müssen einen Überblick geben können über wichtige Abschnitte der Geschichte des philosophischen Denkens, über paradigmatische Konzeptionen und über Richtungen und Kontroversen der Gegenwartsphilosophie. Sie müssen die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit und ihre eigenen philosophischen Ideen und Gedanken präsentieren und vermitteln können, philosophische Gespräche moderieren und das eigene Handeln reflektieren können.

3. Berufs- und Tätigkeitsfelder

Die genannten, vor allem die analytischen, hermeneutischen und diskursiven Kompetenzen befähigen Absolventen des Faches Philosophie zu Tätigkeiten in ganz verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, in denen eben diese Kompetenzen eine zentrale Rolle spielen. Schreibende Berufe werden von Absolventen/innen der Philosophie ähnlich wie von anderen Geisteswissenschaftlern/innen am häufigsten ausgeübt. Dabei kommen zur Arbeit bei Zeitungen oder Verlagen zunehmend auch die Werbung und der große Bereich der Öffentlichkeitsarbeit als Berufsfelder hinzu. Zunehmend zeigt sich auch der Erfolg von Absolventen/innen der Philosophie in Bereichen wie Beratung und Mitarbeit in Projekten. Als Mitarbeiter in Sekretariaten der Politikberatung, als Mitarbeiter bei Stiftungen und Institutionen oder bei Kultur- und Bildungseinrichtungen haben in der jüngeren Vergangenheit mehr und mehr Philosophen/innen ihren Berufsweg gefunden.

4. Weitere Informationen

  • Sie können sich auf den Seiten des Philosophischen Seminars umfassend informieren. Beachten Sie insbesondere unsere Seite für Erstsemester und die Studiengangsseiten.
  • Das Philosophische Seminar ist bemüht, die Studierenden stets mit aktuellen Informationen zu Veranstaltungen, Studiengängen, Lehrveranstaltungen usw. auf dem Laufenden zu halten. Dies geschieht zum einen auf unseren News-Seiten (RSS) und zum anderen auf der Seite des Service-Büros. Hierzu gibt es auch die Einrichtung entsprechender Newsletter, über die Sie ggf. sofort Informationen erhalten.
  • Des weiteren finden Sie Informationsangebote bei der zentralen Studienberatung (ZSB) und dem Studienrendensekretariat.