Arbeitskreis: Hans Blumenbergs Theorie der Unbegrifflichkeit

Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus beginnt mit dem Satz: „Die Welt ist alles, was der Fall ist“ (Satz 1). Der Gedanke endet in dem recht bekannten Diktum: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ (Satz 7). Hans Blumenberg kommentiert dieses Diktum in seinem Buch "Schiffbruch mit Zuschauer" und erklärt es als Verbot einer Verwechslung: der zwischen Unsagbarem und Sagbarem. Blumenberg führt weiter aus: „Alles, was der Fall ist, hat einen eindeutigen Grad der sprachlichen Verfügbarkeit, deren Umfang sich allerdings nicht mit dem deckt, was erfahren werden kann“ (S. 94). Anders ausgedrückt scheint es Aspekte unserer Wirklichkeit, unserer Lebenswelt zu geben, für die es keine adäquate begriffliche Versprachlichung zu geben scheint: „Der Begriff vermag nicht alles, was die Vernunft verlangt“ (Blumenberg, Theorie der Unbegrifflichkeit, S. 11). Wie soll man aber mit dem Unsagbaren oder Unaussprechlichen, den gleichsam mystischen, heimatlosen Relikten unserer Erfahrungswelt verfahren? Welche Funktion schreibt Blumenberg in diesem Zusammenhang der Metaphorologie zu? Ist sie nur eine Art Leitfossil der Begriffsentwicklung, oder kann sie auch als Ausdruck der Unzulänglichkeiten des Begriffs angesehen werden? Welche Rolle kommt der Metapher in der Theorie der Unbegrifflichkeit zu?

Wer Lust hat, diese Fragen zu untersuchen, sich mit Grenzwerten der Sagbarkeit und Unsagbarkeit und mit einem möglichen Zusammenhang zwischen Vernunft und Begriff auseinanderzusetzen, ist herzlich zum neuen AK "Hans Blumenberg – Theorie der Unbegrifflichkeit" eingeladen.

Ziel ist, dass wir sein postum erschienenes Werk zusammen lesen und uns nach und nach seine Argumentation erschließen, sie auf ihre Stichhaltigkeit hin prüfen und im besten Fall als Stufe für einen eigenen Umgang mit Sagbarkeit oder Unsagbarkeit und deren Grenzbereichen des Denkens nutzen.

Wenn ihr genauso begeistert seid wie ich von diesem philosophischen Projekt, würde ich mich freuen, wenn ihr euch bei mir unter der E-Mail-Adresse t.quaisser@uni-muenster.de meldet. Den genauen Ort und die Zeit können wir dann absprechen.