Lehre

Lehrveranstaltungen im WiSe 2019/2020


3. Münsteraner Poetikdozentur: Milo Rau - Die Rückeroberung der Zukunft. Eine Anleitung zur Revolte (098398)
(verantwortet von Britta Herrmann und Martina Wagner-Egelhaaf)
(VSH 219 Aula des vom-Stein-Hauses - Schlossplatz 34)

Die Münsteraner Poetikdozentur findet zum 3. Mal statt, nun mit Milo Rau, einem der bekanntesten und provokativsten Theatermacher und Essayisten unsrerer Zeit. Er bietet folgendes Programm an:

Die globale Marktwirtschaft und die grenzübergreifenden Informations- und Flüchtlingsströme sehen sich einer Menschheit gegenüber, die nicht darauf vorbereitet ist. Während sich die globalen Eliten die letzten Ressourcen sichern, beschäftigen sie die Massen mit dem identitätspolitischem Blödsinn des vergangenen Jahrhunderts. Melancholie, Wut und Zynismus machen sich breit. Die Komfortzonen, falls noch vorhanden, werden militärisch geschützt, die internationale Solidarität zerfällt. Jeder gegen jeden, jede für sich selbst. Möglich, dass die Menschheit den Klimakollaps überlebt. Aber wäre diese Welt noch lebenswert?
„Die Zeit, in der das Bestehende bloss kritisiert wurde, ist vorbei”, schreibt Milo Rau, „es ist Zeit, für reale politische Alternativen.” Der Film- und Theatermachern rief mitten im kongolesischen Bürgerkrieg einen Weltwirtschaftsgerichtshof ins Leben, der die grossen Minenkonzerne anklagte und den Landvertriebenen ihr Recht verschaffte. In Moskau inszenierte er mit Pussy Riot einen Prozess gegen Putin, in Berlin gründete er ein Weltparlament für den „globalen dritten Stand”, in Italien versucht er mit dem Dreh eines neuen Jesus-Film zeitweilig die von der Mafia kontrollierte Tomatenernte zu stoppen. Als Theaterintendant schuf er das erste komplett internationale Ensemble und inszeniert Stücke auf besetzten brasilianischen Monokulturen oder in der vom IS befreiten irakischen Grossstadt Mossul.
Wie funktioniert Selbstermächtigung praktisch? Wie lernt man aus der Geschichte, ohne in ihr zu versinken? Wie können wir wieder in utopische Bewegung kommen? Entlang seiner Erfahrungen als Regisseur und Aktivist zeigt Milo Rau auf, wie ausserhalb der feudalen Herrschaftsinstitutionen neue künstlerische Solidaritäten entstehen können und macht sich auf die Suche nach neuen Formen des Denkens, Fühlens und kollektiven Handelns. Eine Anleitung zur Revolte, ein Aufruf für eine solidarische Welt.

Es gibt drei Vorlesungen, eine Lesung, einen Künsterlabend und einen Workshop mit Milo Rau. Die einzelnenn Termine finden Sie unter folgendem Link. Hier geht es auch zur Anmeldung zum Workshop und zu den Vorlesungen.

Literatur:
Für den Workshop sollten folgende Bücher von Milo Rau gelesen sein: 1) Wiederholung und Ekstase (Diaphanes 2017); 2) Das geschichtliche Gefühl (Alexander Verlag 2019).

Bemerkungen:
Die Vorlesung, der Workshop, der Künstlerabend und die Lesung werden von Milo Rau angeboten. Studierende, die sich zum Workshop anmelden und die Leistung verbucht haben möchten, sollen in jedem Fall auch die Vorlesungen besuchen, nach Möglichkeit auch den Künstlerabend und die Lesung.

Weitere wichtige Informationen finden Sie hier.


Seminar: Master - und Forschungskolloquium (098388)
Mo. 10:00 Uhr - 12:00 Uhr (VSH 18 vom-Stein-Haus - Schlossplatz 34)

Dieses Kolloquium bietet die Gelegenheit, über eigene Arbeiten zu sprechen (Vortrags- und Diskussionssitzungen zur Konzeptklärung) oder auch theoretische Texte zu diskutieren, an die man sich alleine nicht heranwagt.

Bemerkungen:
Die Anmeldung erfolgt persönlich bei der Dozentin bzw. über Frau Segeler (Lehrstuhlsekretariat) unter csege_01@uni-muenster.de.


Seminar: Heinrich von Kleist (098383)
Mo. 16:00 Uhr - 18:00 Uhr (VSH 18 vom-Stein-Haus - Schlossplatz 34)

"Erschrekken Sie nicht, es läßt sich lesen" – so bereitete Heinrich seine Tante Marie von Kleist auf das ihr übersandte Drama "Penthesilea" vor. Und das war wohl auch nötig: Tränen, Entsetzen, Rührung waren die ersten Reaktionen des Publikums auf dieses ungeheuerliche Drama, an deren Ende die Protagonistin den Geliebten tötet und aufisst. Aber auch aufgrund seiner Sprache und seiner dramentechnischen Mittel ist das Stück radikal und sperrig. Und es muss wohl tatsächlich 'gelesen' – nämlich: laut vorgetragen – werden, um richtig verstanden zu sein. Als Gegenpol hat Kleist sein Drama "Das Käthchen von Heilbronn" bezeichnet. Beide Texte, aber vor allem "Penthesilea", sollen im Zentrum des Seminars stehen, das drei Ziele hat: 1) eine Sprach- und Dramenanalyse vorzunehmen und mit der Tragödientheorie in Beziehung zu setzen; 2) die Stücke im Hinblick auf die zeitgenössische Ästhetik, Bühnenpraxis sowie auf Prä- und Intertexte hin zu situieren; 3) die Lesbarkeit (bzw. Hörbarkeit) insbesondere des "Penthesilea"-Dramas als wesentlichen Rezeptionsmodus und hermeneutische Grundlage ernst zu nehmen und einzubeziehen.

Literatur:
In den Semesterferien sollte das Stück gelesen werden sowie möglichst auch Goethes "Iphigenie", Euripides' "Die Bakchen" und Kleists "Käthchen von Heilbronn".
Zur Anschaffung empfohlen: Sinnvoll sind immer gute Gesamtausgaben (s. für Kleist die entsprechenden Angaben im Kommentar zu meiner Vorlesung "Heinrich von Kleist", deren paralleler Besuch empfohlen sei). Ansonsten geht Reclam (für "Penthesilea" beachten: Studienausgabe 2012!)


Vorlesung: Heinrich von Kleist (098006)
Di. 10:00 Uhr - 12:00 Uhr (VSH 219 Aula des vom-Stein-Hauses - Schlossplatz 34)

1803 erschien Kleists erstes Drama, und ein neuer Dichter schickte sich an, die literarische Szene zu erobern. Niemand Geringeres als der große Weimarer 'Literaturpapst' Chr. M. Wieland befand, "Kleist sei dazu geboren, die große Lücke in unserer dermaligen Literatur auszufüllen, die […] selbst von Göthe und Schiller noch nicht ausgefüllt worden ist". Eine große Perspektive. Es kam anders. Kleist – ein Mann, "aus unsäglichen Sonderbarkeiten zusammengesetzt", wie seine Tante an den preußischen König schrieb, immer knapp bei Kasse, umstritten in seiner exzentrischen Art und aufgrund seiner oftmals extremen Werke, weder in den klassischen noch in den romantischen Literaturzirkeln Fuß fassend – ging unglücklich zugrunde und wurde erst spät für die Bühne und von der Literaturwissenschaft entdeckt. Zu sperrig schien lange Zeit Kleists sprachliche Radikalität, die immer wieder mit kühnen Metaphern und atemberaubenden Satzkonstruktionen aufwartet, zu unergründlich sein Witz, zu extrem die Darstellung menschlicher Abgründe und absurder Fatalitäten, zu uneindeutig seine Epochenzugehörigkeit. Inzwischen aber ist er tatsächlich so kanonisch wie Goethe und Schiller. Die Vorlesung gibt einen Überblick über Kleists Leben, Werk und Wirkung, inklusive exemplarischer medialer Transformationen. Da das Oeuvre nicht groß ist, wird die Kenntnis desselben vorausgesetzt.

Literatur:
Zur Anschaffung empfohlen: 1) Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. Münchner Ausgabe. Auf der Grundlage der Brandenburger Ausgabe hrsg. von Roland Reuß und Peter Staengle. 3 Bde. München: dtv 2011 (leider ca. 50 Euro, ist aber editorisch auf dem neusten Stand und daher 'langlebig'). 2) Alternativ: Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe: Zweibändige Ausgabe in einem Band. Hrsg. von Hemut Sembdner. München: dtv 2001 (neu 19,90 Euro, gebraucht günstiger).


Seminar: Hate Radio (098393)
Di. 12:00 Uhr - 14:00 Uhr (VSH 18 vom-Stein-Haus - Schlossplatz 34)

Milo Rau nimmt im WS 2019/20 die seit 2015 existierende Münsteraner Poetikdozentur wahr. Er ist der zur Zeit wohl provokanteste und umstrittenste Theaterautor, Regisseur und Essayist. Zu seinen bekanntesten Produktionen gehört u.a. Hate Radio (2011), zunächst ein Theaterstück, dann ein Hörspiel, das 2014 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet wurde. Hate Radio zeichnet die Rolle des Radios beim Genozid in Ruanda 1994 nach.

Seither gibt es einerseits neue Medien, in denen Rhetoriken der Verletzung verbreitet und mit denen durch eine Sprache der Gewalt affektive Gemeinschaften erzeugt werden. Andererseits spielte das Radio schon im Deutschland der 30er und 40er Jahre eine zentrale Rolle bei der Erzeugung faschistischen Denkens durch Hate Speech. Das Seminar hat daher zwei Ziele: 1) Die Analyse von Hate Radio vor dem Hintergrund hörspiel- und dramentheoretischer Konzepte; 2) die Analyse des Konnexes von Hate Speech, Medium und Ästhetik in diachroner Sicht.

Literatur:
Milo Rau: Hate Radio. Berlin 2014; Judith Butler: Hass spricht. Zur Politik des Performativen [1998]. Frankfurt a.M. 2014; Aurel Kolnai: »Versuch über den Haß«, in: ders., Ekel, Hochmut, Haß. Frankfurt a.M. 2007, S. 100-142.


Seminar:  Science-Fiction-Soundscape Münster, Teil I (098392), zusammen mit Vera Mütherig M.A.
Di. 16:00 Uhr - 18:00 Uhr (VSH 18 vom-Stein-Haus - Schlossplatz 34)

Wie könnte das Münster der Zukunft klingen? In „Soundscape Münster 2084“ werden Studierende ein kleines urbanes Klanghörspiel in Form einer Soundscape und Audiomap entwickeln und so ihre Version als Science Fiction zu Gehör bringen. Dazu werden zunächst typische Sounds der Stadt eingefangen, 'futurisiert' und gesampelt. Die Klänge werden dann auf einer digitalen Karte mit der gegenwärtigen Topographie von Münster verknüpft. So entsteht eine Klanglandschaft oder Soundscape, die per Audiomap in einem virtuellen Klangspaziergang erkundet werden kann. Kleinere Texte eröffnen zusätzlich mögliche Geschichten: Fragmente eines akustischen Entwurfs für ein vielleicht nur imaginäres Zeitalter.

Dazu werden in diesem Seminarteil die theoretischen Überlegungen zu Science-Fiction, Klang und Soundscapes im öffentlichen Raum bzw. im Hörspiel näher beleuchtet und die Internetplattform erstellt, auf der die im zweiten Seminar erstellten Audio-Aufnahmen präsentiert werden sollen.

Das Studierendenprojekt teilt sich auf 2 Seminare mit insgesamt 4 SWS auf. Bedingung für die Teilnahme an diesem Seminar ist deshalb der gleichzeitige Besuch des Blockseminars „Science-Fiction-Soundscape Münster, Teil II“ (Veranstaltungs-Nr. 098277)

Literatur:
Georg Orwell: 1984.
Werner Zillig: Mein Sonntag in Münster. Science-Fiction Erzählungen 1978-2014.
R. Murray Schafer: Die Ordnung der Klänge. Eine Kulturgeschichte des Hörens.



Lehrveranstaltungen im SoSe 2019


Lehrveranstaltungen im WiSe 2018/2019


Lehrveranstaltungen im WiSe 2017/2018

Lehrveranstaltungen im SoSe2017


Lehrveranstaltungen im WiSe 2016/2017


Lehrveranstaltungen im SoSe 2016


Lehrveranstaltungen im WiSe 2015/2016


Lehrveranstaltungen im SoSe 2015


Lehrveranstaltungen im WiSe 2014/2015


Lehrveranstaltungen im SoSe 2014:


Lehrveranstaltungen im WiSe 2013/2014: