Lehrveranstaltungen im SoSe 2026

Heinrich von Kleist (094377)

Mo. 14:00 - 16:00 (VSH 06)

"Erschrekken Sie nicht, es läßt sich lesen" – so bereitete Heinrich seine Tante Marie von Kleist auf das ihr übersandte Drama "Penthesilea" vor. Und das war wohl auch nötig: Tränen, Entsetzen, Rührung waren die ersten Reaktionen des Publikums auf dieses ungeheuerliche Drama, an deren Ende die Protagonistin den Geliebten tötet und aufisst. Aber auch aufgrund seiner Sprache und seiner dramentechnischen Mittel ist das Stück radikal und sperrig. Und es muss wohl tatsächlich 'gelesen' – nämlich: laut vorgetragen – werden, um richtig verstanden zu sein. Als Gegenpol hat Kleist sein Drama "Das Käthchen von Heilbronn" bezeichnet. Beide Texte, aber vor allem "Penthesilea", sollen im Zentrum des Seminars stehen, das vier Ziele hat: 1) eine Sprach- und Dramenanalyse vorzunehmen und mit der Tragödientheorie in Beziehung zu setzen; 2) die Stücke im Hinblick auf die zeitgenössische Ästhetik, Bühnenpraxis sowie auf Prä- und Intertexte hin zu situieren; 3) die Lesbarkeit (bzw. Hörbarkeit) insbesondere des "Penthesilea"-Dramas als wesentlichen Rezeptionsmodus und hermeneutische Grundlage ernst zu nehmen und einzubeziehen; 4) Kleists Verhältnis zur Klassik und die Geschlechtermodelle herauszuarbeiten. Zu Letzterem wird eventuell auch Kleists einziges Lustspiel, "Der zerbrochene Krug", einbezogen samt Exkursion zur aktuellen Theaterproduktion im "Thalia"-Theater Hamburg. Lesebegeisterte und engagierte Studierende sind willkommen.


Erzählen in Literatur und Hörspiel (094360)

Mo. 16:00 - 18:00 (VSH 07)

Michael Kohlhaas, "einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“, ist der Titelheld einer der bekanntesten Erzählungen von Heinrich von Kleist. Sie eröffnet das Spannungsfeld von Rechtsprechung, Gerechtigkeit, Rechthaberei und Rache, thematisiert den Umschlag von Widerstand gegen obrigkeitliche Willkür in die Willkür des Terrorismus, von Prinzipien in gnadenlosen Fanatismus, kreist um Schuld und Sühne. Kleist seziert die verschiedenen Schleifen der Eskalation, die Kohlhaas gewissermaßen in einen 'Wutbürger' verwandeln, ohne dass sein moralischer Ich-Entwurf dies als konflikthaft oder 'falsch' erlebt. Und die Lesenden?
Der Text ist vielfach in anderen Medien adaptiert wurden. Damit einher gehen narrative Transformationsprozesse, die sowohl bedeutungsverändernd sein können - etwa weil gekürzt oder umgeschrieben wird - als auch auf unterschiedliche Weise Nähe und Distanz zur Figur erzeugen.
Im Seminar soll daher zunächst eine Erzählanalyse des Kleist-Textes erfolgen. Inwiefern identifizieren sich Lesende mit Kohlhaas, gibt es Brüche und widersprüchliche Haltungen, welche 'Empörungsenergie' wird ausgelöst? Und wie macht der Text das? Damit nähern wir uns zugleich narrativen Techniken alltäglicher Emotionssteuerung.
Im Vergleich mit ein oder mehreren Hörspielfassungen sollen sodann die narrativen Transformationen und deren Effekte untersucht werden. Hierzu wird es nötig sein, auch narratologische, hörspielsemiotische und intermediale Theoriegrundlagen zu legen bzw. darauf aufzubauen.


Hör-Spiel! (094380)

Mo. 18:00 - 20:00 (VSH 18)

Einzelne Vertrer:innen verstanden 'Hörspiel' als doppelten Imperativ (Hör! Spiel!) - als ein Spiel mit dem Hören und den Hörenden. Als "akustische Gattung unbestimmten Inhalts" versuchte vor allem das Neue Hörspiel ab den 60er Jahren eine neue Hörkultur zu schaffen und zu einem "deep listening" anzuregen. Inspiriert von neuen technischen Möglichkeiten (Stereophonie, elektronischen Manipulationen), experimenteller Musik und konkreter Poesie wurden der Sprache Musik, Geräusch, Originalton-Material und Stimmenexperimente als Zeichensysteme an die Seite gestellt, aus denen die akustischen Texte und ihre Semantiken entstanden, oft mit Mitteln der Collage. Erzählstrukturen wurden so aufgebrochen, sprachliche Zusammenhänge in Frage gestellt, die fabel dem discours untergeordnet. Dabei geht es häufig um die Irritationen (allzu) geläufiger Wahrnehmungen, um Medien-, Sprach- und Gesellschaftskritik, um das Aufdecken des buchstäblich 'Unerhörten' und um Versuche, neue klangästhetische Erfahrungen zu generieren.
Das Seminar wird versuchen, sich einige dieser akustischen Texte hörspielsemiotisch zu erarbeiten und sie innerhalb der jeweiligen literarischen und gesellschaftlichen Diskurse von den sechziger Jahren bis zur Gegenwart zu kontextualisieren. In Frage kommen Arbeiten von (auch literarisch) bekannten Autoren wie Franz Mon, Gerhard Rühm, Peter Handke, Mauricio Kagel, Ferdinand Kriwet, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Wolf Wondratschek, Ludwig Harig, Paul Wühr, Andreas Ammer, Michael Lentz. Die genaue Auswahl wird zu Beginn des Seminars bekannt gegeben.
Das Seminar richtet sich an medientheoretisch interessierte und engagierte Studierende. Eine kontinuierliche Teilnahme und sorgfältige Textlektüre bzw. -audition ist - wie eigentlich auch sonst immer - Voraussetzung für gute Seminarergebnisse.


Romantik (094011)

Di. 10:00 - 12:00
Die Romantik gilt manchen als Schlüsselepoche der deutschen Literatur. Aber natürlich entstand die Romantik nicht aus dem Nichts heraus. Das Seminar erkundet die literatur- und kulturgeschichtlichen Bedingungen der Romantik, fragt nach dem Epochenbegriff, analysiert zentrale philosophische, poetologische und politische Konzepte, widmet sich der Rolle von Schriftstellerinnen und gelehrten Frauen, erkundet die sozialen Orte und Medien der Romantik und stellt natürlich auch einige zentrale literarische Werke vor.


Lehrveranstaltungen vergangener Semester

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