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Münster (upm/ch)

"Tierpersönlichkeit" im Blick

Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt Verhaltensbiologen grünes Licht für weitere drei Jahre
Freuen sich über die Projektverlängerung: Prof. Dr. Norbert Sachser, Prof. Dr. Sylvia Kaiser und Dr. Lars Lewejohann (v. l.)<address>© WWU</address>
Freuen sich über die Projektverlängerung: Prof. Dr. Norbert Sachser, Prof. Dr. Sylvia Kaiser und Dr. Lars Lewejohann (v. l.)
© WWU

Welche Rolle spielt es für ein Tier, ob seine Mutter während der Schwangerschaft Stress hatte? Können Umweltbedingungen sein Verhalten nachhaltig beeinflussen? Solchen Fragen geht eine überregionale Forschergruppe nach, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Maßgeblich beteiligt sind auch Verhaltensbiologen der Universität Münster. Die Wissenschaftler haben von der DFG nun eine gute Nachricht erhalten: Die Forschergruppe wird für weitere drei Jahre unterstützt. Insgesamt gehen etwa 763.000 Euro nach Münster.

Neben der evolutionären Anpassung durch genetische Selektion über die Generationen gibt es auch kurzfristige Verhaltensanpassungen. Diese werden beispielsweise durch die Lebensumstände der Mutter während der Schwangerschaft oder durch die Umweltbedingungen in sensiblen Lebensphasen festgelegt und sind nicht genetisch bestimmt, so die Annahme der Wissenschaftler. Sie wirken sich auf die sogenannte Tierpersönlichkeit aus. Unter diesem Begriff fassen Wissenschaftler die Fülle an Verhaltensweisen zusammen, die ein Lebewesen zeigt und die für das jeweilige Tier einzigartig und charakteristisch sind. Die Forscher wollen herausfinden, wodurch die Tierpersönlichkeit geformt wird und welche Funktion sie hat.

Die Forschergruppe, die 2009 gestartet ist und die DFG-Nummer "1232" trägt, wird von Prof. Dr. Fritz Trillmich von der Universität Bielefeld koordiniert. Das Institut für Neuro- und Verhaltensbiologie der Universität Münster ist mit vier Projekten dabei. Prof. Dr. Norbert Sachser leitet ein Teilprojekt, in dem es um die Frage geht, inwieweit Erfahrungen während der Adoleszenz das Verhalten erwachsener Hausmeerschweinchen beeinflussen. Prof. Dr. Sylvia Kaiser untersucht bei Wildmeerschweinchen, welchen Einfluss die Umwelt der Mutter auf das spätere Sozialverhalten und die kognitiven Leistungen ihres Nachwuchses hat. Dr. Lars Lewejohann nimmt bei Mäusen unter die Lupe, inwieweit genetisch identische Tiere durch unterschiedliche Erfahrungen verschiedene Tierpersönlichkeiten ausbilden. In einem vierten Teilprojekt führen die münsterschen Wissenschaftler Hormonuntersuchungen im Auftrag aller beteiligten Forscher durch. Die Wissenschaftler hoffen, aus ihren Ergebnissen generelle Rückschlüsse auf die Prinzipien der Verhaltensentwicklung ziehen zu können, die auch für die Erforschung des menschlichen Verhaltens neue Erkenntnisse bringen dürften.

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