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Münster (upm/nor)

"Anstrengend und gleichzeitig faszinierend"

Einen Tag lang leitete der 17-jährige Schüler Matthias Bockamp die Universität Münster
Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels gab Matthias Bockamp letzte Tipps, bevor der Schüler die Leitung der Universität übernahm.<address>© WWU - MünsterView</address>
Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels gab Matthias Bockamp letzte Tipps, bevor der Schüler die Leitung der Universität übernahm.
© WWU - MünsterView

Der Start in diesen Tag war für Matthias Bockamp ungewohnt, aber irgendwie auch cool – und vor allem komfortabel. Um Punkt acht Uhr stand Fahrer Kai Sulmann am vergangenen Donnerstag mit dem Dienstwagen des Universitätsrektors vor seiner Tür in Schermbeck, um ihn zum Schloss nach Münster zu chauffieren. Knapp eine Stunde dauerte die Tour, in der sich der 17-Jährige ein letztes Mal innerlich sammelte, bevor ab neun Uhr der Termin-Marathon einsetzte: Einen Tag lang leitete der Schüler des Dorstener Gymnasiums Petrinum in Vertretung von Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU). „Es war anstrengend und gleichzeitig faszinierend“, lautete Matthias Bockamps Bilanz, nachdem er gegen 19.30 Uhr das letzte Treffen absolviert hatte und sich wieder gen Heimat kutschieren ließ.

Mehrere Schulklassen, Schülerguppen, aber auch einzelne Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland hatten sich um die Teilnahme an der Initiative „Chef für 1 Tag“ beworben, den das Wirtschaftsmagazin „Focus Money“ und zahlreiche Partner bereits zum 12. Mal veranstalteten. Zu den teilnehmenden Firmen zählten in diesem Jahr die Versicherungsgruppe Signal Iduna, der Personaldienstleister „randstad“ und die Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer weltweit – die WWU nahm als einzige deutsche Hochschule teil.

Unter den Bewerbern war auch der Leistungskurs Sozialwissenschaften des Petrinums. Fünf Schüler reisten mit Kursleiterin Anne Oldenbürger im Oktober zum finalen Casting an, das unter den professionellen und strengen Augen der Frankfurter Personalberatungsfirma Odgers Berndtson stattfand. Die Schüler mussten unter anderem einen Intelligenztest absolvieren, ein Motivationsschreiben einreichen und einen Businessplan erstellen. Die beiden besten Schüler jeder Gruppe wurden seinerzeit schließlich zum persönlichen Interview gebeten. „Es überrascht mich nicht wirklich, dass Matthias am Ende vorne lag“, lobte Lehrerin Anne Oldenbürger den Sieger. „Er war und ist ein sehr aktiver und lebendiger Schüler, der gerne die Initiative übernimmt.“

Das spürte man auch am „Chef-Tag“ von Beginn an. Matthias Bockamp zögerte keine Sekunde, als es darum ging, die Vorbesprechung der Rektoratssitzung zu leiten und die Fragen der Dezernenten und Rektoratsmitglieder einzusammeln und zu sortieren. Kurz darauf stand ein Gespräch mit dem AStA-Vorstand an, bevor er es sich mit Johannes Wessels und dessen Referentin Katja Becken in der Mensa am Ring schmecken ließ.

Einem Pressegespräch folgte die Teilnahme an der Kuratoriumssitzung des Max-Planck-Instituts und an der Eröffnung der Bauhaus-Ausstellung im LWL-Museum. „Er hat sich bravourös geschlagen und viel Mut und Eigeninitiative bewiesen“, lobte Rektor Johannes Wessels seinen 24-Stunden-Vertreter.

Matthias Bockamp war vor allem davon beeindruckt, wie vielfältig das Aufgabengebiet eines Rektors ist. „Er muss in sehr kurzer Zeit sehr viele und sehr unterschiedliche Entscheidungen treffen, die oft erhebliche Auswirkungen haben“, staunte er. „Aber viele dieser Entscheidungen werden von kundigen Mitarbeitern und Kollegen aus der Universität vorbereitet“, ergänzte Johannes Wessels. „Das ist natürlich eine große Hilfe.“

Im kommenden Jahr wird Matthias Bockamp sein Abitur ablegen. Und so wie es aussieht, wird er danach ein herausragendes Zeugnis in Händen halten. Gerne würde er danach Medizin studieren. Seit Donnerstag steht für ihn fest: „Am liebsten an der WWU.“ Und was wird ihm von diesem Tag besonders lange in Erinnerung bleiben? Er überlegt nur kurz und lacht. „Dass ich es einfach nur großartig fand, bereits Rektor einer Universität gewesen zu sein, bevor ich überhaupt mit meinem Studium angefangen habe.“