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Münster (upm)
Mit Steinen eingefasste und mit Kies gefüllte Rechtecke, die mit Matten oder Palmblättern ausgelegt waren, dienten als Schlafplätze in der Bayuda-Wüste im Sudan. Die hohe Anzahl an Punkten zeigt das häufige Vorkommen dieser Betten.<address>© WWU/W.A.D.I.; Screenshot</address>
Mit Steinen eingefasste und mit Kies gefüllte Rechtecke, die mit Matten oder Palmblättern ausgelegt waren, dienten als Schlafplätze in der Bayuda-Wüste im Sudan. Die hohe Anzahl an Punkten zeigt das häufige Vorkommen dieser Betten.
© WWU/W.A.D.I.; Screenshot

WWU-Archäologen stellen Forschungsdaten aus dem Sudan online zur Verfügung

Durch ein Geoinformationssystem können Interessierte Befunde einsehen

Gräber, kleine Hütten oder in Steinen eingefasste Schlafplätze aus der Antike und dem Mittelalter: Das am Institut für Ägyptologie und Koptologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) angesiedelte archäologische Projekt "Wadi Abu Dom Itinerary" stellt seine von 2009 bis 2016 bei einer Feldforschung im Sudan erhobenen Daten jetzt online zur Verfügung. Durch ein browserbasiertes Geoinformationssystem (WebGIS) können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die interessierte Öffentlichkeit die Befunde einsehen.

"Wir möchten durch den freien Zugang nicht nur heutigen Anforderungen an die Transparenz von Forschung Genüge tun. Wir erhoffen uns auch einen schnellen und unkomplizierten Datenaustausch", erläutert Projektleiterin Prof. Dr. Angelika Lohwasser vom Institut für Ägyptologie und Koptologie. Das WebGIS wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geoinformatik entwickelt. Derzeit setzen es WWU-Archäologen auch bei Ausgrabungen von Doliche der Forschungsstelle Asia Minor in der heutigen Türkei ein.

Im Rahmen des Forschungsprojekts "Wadi Abu Dom Itinerary" wurde eine umfassende Geländebegehung und Fernerkundung der Uferzonen des ausgetrockneten, nur noch sporadisch Wasser führenden Flusssystems "Wadi Abu Dom" in der Bayuda-Wüste im Sudan durchgeführt. Dabei kartierte das bis zu zwölfköpfige Team alle kulturhistorisch relevanten, an der Geländeoberfläche sichtbaren Strukturen. Alle archäologischen Befunde werden als raumbezogene Punkt- und Flächendaten im WebGIS dargestellt und nach Kategorien geordnet. Darüber hinaus können Nutzer für jeden Befund weitere Informationen und oft auch Fotos abrufen.

Bereits während der Feldforschungen spielten digitale Arbeitsmethoden eine wichtige Rolle. Das Projektteam erfasste die archäologischen Daten mittels Kleincomputer und eines mobilen GIS direkt im Gelände. Dies beschleunigte nicht nur den Arbeitsprozess, sondern erleichtert auch die wissenschaftlichen Auswertungen.

Interessierte können sich unter anderem Bilder von Felsformationen anschauen, die – wie auf diesem Foto zu sehen – Rinder darstellen.<address>© WWU/W.A.D.I.; Screenshot</address>
Interessierte können sich unter anderem Bilder von Felsformationen anschauen, die – wie auf diesem Foto zu sehen – Rinder darstellen.
© WWU/W.A.D.I.; Screenshot
Wissenschaftler, aber auch interessierte Laien können eigene Daten temporär in die Anwendung laden und mit den Daten des "Wadi Abu Dom Itinerary"-Projekts vergleichen. So kann schnell und unkompliziert festgestellt werden, ob und in welcher Form die entsprechenden archäologischen Befunde durch die münstersche Forschungsgruppe bereits erfasst worden sind. "Neben einer einfachen Organisation mit Forschungsprojekten im In- und Ausland erhoffen wir uns auch eine Beteiligung der Öffentlichkeit: Interessierte aus aller Welt, die im Sudan touristisch unterwegs waren oder aber mithilfe von Programmen wie Google Earth diese entlegenen Gebiete durchstöbern, können gefundene, eventuell archäologisch relevante Strukturen mit den Ergebnissen der ‚Profis‘ vergleichen", betont Angelika Lohwasser. "Im Zweifelsfall können sie mit uns Kontakt aufnehmen, um so im besten Sinne einer ‚Bürgerwissenschaft‘ unser Bild von der Kulturgeschichte des Sudan zu vervollständigen."

Gefördert wurde das Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Qatar Museums Authorities (Qatar-Sudan Archaeological Project).

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