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Münster (upm/ch)

"Human Frontier Science Program" fördert zwei Projekte mit WWU-Beteiligung

Bioinformatiker Prof. Dr. Erich Bornberg-Bauer und Zellbiologin Prof. Dr. Karin Busch erhalten prestigeträchtige Förderpreise
Prof. Dr. Erich Bornberg-Bauer und Prof. Dr. Karin Busch<address>© WWU/Peter Grewer, Laura Grahn</address>
Prof. Dr. Erich Bornberg-Bauer und Prof. Dr. Karin Busch
© WWU/Peter Grewer, Laura Grahn

Gleich zwei Mal geht der renommierte Forschungsförderpreis "Program Grant" des internationalen "Human Frontier Science Program" (HFSP) in der Auswahlrunde 2018 an Angehörige des Fachbereichs Biologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU): Der Bioinformatiker Prof. Dr. Erich Bornberg-Bauer und die Zellbiologin Prof. Dr. Karin Busch erhalten die auf drei Jahre angelegten Förderungen jeweils für Forschungsprojekte, die sie gemeinsam mit internationalen Forscherteams bearbeiten.

Das Auswahlverfahren für HFSP-Förderungen ist hoch kompetitiv. Von ursprünglich 770 Anträgen von Forscherinnen und Forschern aus mehr als 50 Ländern werden nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren nun 31 Projekte gefördert – acht in der Förderlinie „Young Investigator Grants“ und 23 in der Linie „Program Grants“. Die „Program Grants“ werden nur für besonders innovative Projekte vergeben, die der Erforschung komplexer Mechanismen in lebenden Organismen gewidmet sind. Die Forscher in den Teams müssen unterschiedliche, einander ergänzende Expertisen mitbringen und wissenschaftliches Neuland betreten. Jedes Teammitglied erhält drei Jahre lang zwischen 110.000 und 125.0000 US-Dollar pro Jahr, das entspricht in etwa 300.000 Euro insgesamt.

Erich Bornberg-Bauer vom Institut für Evolution und Biodiversität der WWU erhält die Förderung gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Südafrika, den USA und Frankreich. Das vierköpfige Team untersucht am Beispiel von besonders langlebigen Termitenköniginnen, wie sich die Ernährung auf den Alterungsprozess auswirkt. Die Wissenschaftler werden unter anderem Darmbakterien sowie molekulare Signalwege analysieren und dabei Methoden der Genom- und Proteomanalyse einsetzen, also das gesamte Erbgut und die Gesamtheit der Proteine unter die Lupe nehmen. Genomexperte Erich Bornberg-Bauer, der bereits zum dritten Mal einen HFSP-Grant erhält, wird im Erbgut der Termiten nach den molekularen Grundlagen der Langlebigkeit der Termitenköniginnen fahnden. Seine Arbeitsgruppe hat vor einiger Zeit das erste Termiten-Genom sequenziert und analysiert. Außerdem war sie kürzlich federführend an einer Studie beteiligt, die erstmals im Detail das Erbgut von Termiten und Schaben verglich. Diese Daten werden nun die Grundlage für die weiteren Analysen sein.

Karin Busch vom Institut für Molekulare Zellbiologie untersucht mit Forschern aus Spanien, den USA und der Schweiz eine Besonderheit, die bei der sogenannten oxidativen Phosphorylierung auftritt. Dieser Prozess ist Teil des Energiestoffwechsels. Das Außergewöhnliche: Die oxidative Phosphorylierung wird von zwei Sätzen Erbgut gesteuert – neben genetischer Information aus dem Zellkern trägt auch die sogenannte mitochondriale DNA zu der Steuerung bei. Dieses Zusammenspiel wirkt sich offenbar rückwirkend auf die Expression (“Aktivität”) der Gene im Zellkern aus, wie die Forscher vermuten. Und zwar, indem statt der üblichen diploiden Gen-Expression eine haploide stattfindet, also eine Gen-Kopie stillgelegt wird. Dies ist aus evolutionsbiologischer Sicht überraschend, da eine haploide Gen-Expression das Risiko von Mutationen und Krankheiten erhöht. Ob und unter welchen Umständen es trotz dieses Risikos für Organismen nötig sein kann, eine haploide Gen-Expression zu etablieren, wollen die Wissenschaftler untersuchen. Karin Busch, Gruppenleiterin am Exzellenzcluster „Cells in Motion“ der WWU, analysiert dabei speziell die dynamischen molekularen Prozesse, die bei der oxidativen Phosphorylierung in den Mitochondrien der Zellen stattfinden.

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