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Münster (upm/ja)

"Computerspiele bereichern nicht nur den Religionsunterricht"

Dr. Thimo Zirpel plädiert in seiner Dissertation für eine Öffnung der Schulen für die digitale Welt
Dr. Thimo Zirpel<address>© WWU - privat</address>
Dr. Thimo Zirpel
© WWU - privat

Guter Schulunterricht sollte sich nicht nur am Lehrplan orientieren, sondern auch an den Interessen der Schüler. Dass dies auch für den Religionsunterricht gilt, zeigt Dr. Thimo Zirpel, Absolvent der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), in seiner Dissertation. Sein Thema: "Computerspiele im Religionsunterricht als Beitrag zum Dialog mit jugendlichen Lebenswelten". "Computerspiele sind – gerade für Jungen – ein sehr wichtiges Medium, über das sie sich ausdrücken können. Da gerade in aktuellen Spielen ohnehin viel Religiöses enthalten ist", meint der Religionslehrer, "kann man im Unterricht Brücken schlagen zu den Inhalten des Kernlehrplanes und generell zu den 'großen Fragen' der Religion."

Thimo Zirpel, der Computerspiele selbst einst am C64 (Commodore) kennenlernte, studierte in Münster katholische Religionslehre, Englisch und Philosophie und arbeitet seit Kurzem als Lehrer. In seiner Doktorarbeit kommt er zu dem Ergebnis, dass es nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig ist, die Schulen für Computerspiele zu öffnen: "Spielen, ob offline oder am Computer, bringt Motivation mit sich. Das digitale Medium im Unterricht schülerorientiert aufzugreifen, aktiviert die Schüler", betont der 36-Jährige. "Gerade dem Religionsunterricht und dem Fach Praktische Philosophie wird zu Recht aufgetragen, aktuelle Entwicklungen moralisch-ethisch zu beleuchten und zur Bildung eines eigenen Standpunkts anzuregen."

Thimo Zirpel sieht in der deutschen Schullandschaft noch wenig Engagement für das Online-Zeitalter. "Dass Kinder Computerspiele in ihrer Freizeit konsumieren, ist allen bekannt und wird akzeptiert - den Sprung in den Unterricht schaffen Spiele aber noch zu selten." Dabei werde Schule sogar "schlagfertiger" und für Kinder überzeugender, wenn etwa Themen aus der Kirchengeschichte mithilfe von Computerspielen in die Lebenswirklichkeit des Nachwuchses transportiert werden. In Schulen fehle es aber oft an der technischen Ausstattung. Zugleich wächst die Lehrerschaft erst langsam heran, die sich mit diesen Themen ausreichend vertraut fühlt.

Als repräsentatives Beispiel für Online-Spiele, die Themen der Religionslehre bereits implizit enthalten, nennt Thimo Zirpel "World of Warcraft". Dort hielten Mitglieder einer sogenannten Gilde einen Trauermarsch zu Ehren eines im realen Leben verstorbenen Mitspielers ab. "Das Video hierzu bietet reichlich Gesprächsstoff rund um die Themen Tod und Vergänglichkeit."

Hinweis: Die Dissertation erscheint in der Schriftenreihe der WWU und ist frei zugänglich unter der Adresse http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:6-30259618510.

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