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Münster (upm)

"Digitalisierung": Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels über den neuen Themenschwerpunkt der Pressestelle

"Eine Chance für moderne Lehrformate"
Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels<address>© WWU/Peter Wattendorff</address>
Prof. Dr. Johannes Wessels
© WWU/Peter Wattendorff

In einer von fortschreitender Digitalisierung geprägten Welt muss sich auch die Universität Münster fragen, wie sie sich daraus ergebende Chancen identifiziert und individuell nutzt. Dabei ist die Digitalisierung nicht etwa Selbstzweck, sondern eine zunehmend an Bedeutung gewinnende Möglichkeit, sich auch zukünftig als erfolgreiche und moderne Universität darzustellen. Diesem Ansatz folgend lautet einer der zu Beginn der Amtszeit vom Rektorat im Jahr 2016 aufgestellten Planungsgrundsätze: "Die WWU erkennt die Digitalisierung und die damit verbundenen Möglichkeiten in allen Kernbereichen als wichtige Chance für moderne Lehrformate und als Grundlage sowie Ermöglichung für exzellente Forschung."

Wir werden das digitale Angebot kontinuierlich und nachhaltig so weiterentwickeln, dass wir für eine Präsenzuniversität geeignete digitale Rahmenbedingungen schaffen. Eine Volluniversität wie die WWU, mit der Lehrerausbildung als einem großen Schwerpunkt, lebt vom direkten Austausch zwischen den Studierenden und Lehrenden beziehungsweise untereinander. Ein fachübergreifender Diskurs gewinnt als Keimzelle für Disziplinen übergreifende, exzellente Forschung zunehmend an Bedeutung. Digitale Elemente, wie z.B. die universitätsweite Campuscloud sciebo, sind heute und zukünftig essentielle Bestandteile, diesen Austausch an der WWU auf allen Ebenen zu fördern. Die Digitalisierung kann und wird dabei den Diskurs im direkten Austausch nicht ersetzen. Gleichzeitig ermöglicht der Einsatz digitaler Elemente, einer bezogen auf ihre Lebensumstände und Vorbildung zunehmend heterogenen Studierendenschaft gerecht zu werden. Auch für innerbetriebliche Aspekte wie Familienfreundlichkeit oder Mobilität spielt die Digitalisierung beispielsweise in Form der Telearbeit eine zunehmend bedeutendere Rolle. Nicht zuletzt betrachtet es die WWU als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Ausbildungsstätte, Studierende auf einen kompetenten Umgang mit den neuen Technologien vorzubereiten.

Wirft man einen Blick auf die WWU, stellt man fest, dass die Digitalisierung bereits heute in der Forschung, Lehre und Verwaltung fest verankert ist. Exzellente Forschung ist ohne leistungsfähige Ressourcen für wissenschaftliches Rechnen und datenintensive Anwendungen undenkbar. Ein nachhaltiges Forschungsdatenmanagement und die Bereitstellung der dafür erforderlichen Infrastruktur ist daher klarer Bestandteil der Digitalisierung an der WWU. Dazu gehört auch ein differenziertes Angebot an Service und Beratung. Deshalb wird an der Universitäts- und Landesbibliothek ein Kompetenz- und Servicezentrum für eScience eingerichtet, das gleichzeitig eine Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema "Digital Humanities" ist. Zur Dokumentation der an der WWU stattfindenden Forschungsaktivitäten hat die WWU die Forschungsdatenbank CRIS@WWU geschaffen, die unter anderem ein wichtiges Recherchetool für alle Wissenschaftler ist.

Im Bereich von Studium und Lehre schafft die WWU infrastrukturelle Voraussetzungen, um bereits etablierte Services für digitale Lehrformate wie das Learnweb oder Services für Vorlesungsaufzeichnungen auszubauen. Die WWU möchte ihre Dozenten dabei unterstützen, die darin liegenden Möglichkeiten zu nutzen und selbst neue Lehrformate und -inhalte zu entwickeln. Lehrende sollen hierzu bedarfsorientiert beraten und unterstützt werden. Für die Koordination der zentralen Beratungs- und Qualifizierungsangebote richtet die WWU am Zentrum für Hochschullehre (ZHL) eine neue Arbeitsstelle ZHLdigital ein, die gleichermaßen didaktische und technische Anforderungen bearbeiten kann. Jederzeit und von jedem beliebigen Ort aus abrufbare Lehrangebote ermöglichen individuelles Lernen und fördern die Vereinbarkeit von Familie und Studium sowie Inklusion. Für das Rektorat ist es jedoch wichtig, dass der infrastrukturelle und technische Ausbau bedarfs- und nutzerorientiert erfolgt. So werden die digitalen Angebote ein grundsätzlich auf direktem Austausch basierendes Studium auch zukünftig ergänzen und unterstützen.

Im administrativen Bereich sieht das Rektorat das Potential der Digitalisierung insbesondere darin, Verwaltungsprozesse zu modernisieren. Digitale Hochschule bedeutet für die WWU demnach auch, langfristig durchgängig digitale Prozesse zu etablieren – beispielsweise durch das "papierarme" Büro in der Verwaltung oder elektronische Prüfungen und zeitgemäße Serviceangebote für  Studierende.

Diese praktischen Erwägungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit der fortschreitenden Digitalisierung generell auch ein gesellschaftlicher Umbruch verbunden ist. Hieraus ergeben sich ausgesprochen spannende Fragestellungen für die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, die zunehmend in den Blick rücken werden und die WWU zu einem wichtigen Partner für Entscheidungsträger machen wird.

Prof. Dr. Johannes Wessels ist Rektor der Universität Münster.

 

Dieser Artikel stammt aus der Universitätszeitung "wissen|leben" Nr. 1, Januar / Februar 2018.

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