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Münster (upm/ch)

WWU vergibt Sybille-Hahne-Gründerpreis

32.000 Euro für Biotechnologie-Unternehmen "EVORION" und Unterstützer an der WWU / Nachwuchs-Preis für Geoinformatik-Projekt
V.l.: Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels und Prof. Dr. Bruno Moerschbacher mit den Gründern Hans Kleine-Brüggeney, Robert Weingarten und Dr. Sebastian Bühren sowie den Stiftungsvertretern Thomas Dinklage und Hartmut F. Salle<address>© AFO/Andreas Wessendorf</address>
V.l.: Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels und Prof. Dr. Bruno Moerschbacher mit den Gründern Hans Kleine-Brüggeney, Robert Weingarten und Dr. Sebastian Bühren sowie den Stiftungsvertretern Thomas Dinklage und Hartmut F. Salle
© AFO/Andreas Wessendorf

Für eine besonders vielversprechende Unternehmensgründung aus der Hochschule hinaus hat die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) den Sybille-Hahne-Gründerpreis in Höhe von insgesamt 32.000 Euro verliehen. Der Preis ging an das Gründerteam des münsterschen Biotechnologie-Start-ups "EVORION Biotechnologies" – Hans Kleine-Brüggeney, Robert Weingarten und Dr. Sebastian Bühren – sowie an Prof. Dr. Bruno Moerschbacher vom Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen der WWU. Die drei Unternehmensgründer entwickelten neuartige automatisierte Zellkultur-Systeme zur Analyse seltener Zellen. Für dieses Projekt erhielten die ehemaligen WWU-Studenten 20.000 Euro Preisgeld. Pflanzen-Biotechnologe Bruno Moerschbacher unterstützte die Geschäftsidee - er erhielt ein Preisgeld über 12.000 Euro.

Prof. Dr. Johannes Wessels, Rektor der WWU, sprach bei der Feierstunde am 18. Oktober im Schloss allen Beteiligten seine Anerkennung aus. Er betonte den Stellenwert der Auszeichnung, welche erfolgreiche Transferleistungen aus der Hochschule hinaus würdigt. "Die WWU ist dem klassischen Transfergedanken verpflichtet", unterstrich er. "Darüber hinaus wollen wir den Dialog mit der Öffentlichkeit, aber auch den Dialog innerhalb der WWU, unter den Begriff Forschungstransfer fassen." Die besondere Bedeutung des Transfergedankens zeige sich darin, dass das Thema beim Rektoratswechsel im vergangenen Jahr eigens im neuen Prorektorat für "Internationales und Transfer" verankert worden sei.

Für die beste Gründungsidee des unternehmerischen Nachwuchses gab es zusätzlich einen Nachwuchs-Gründerpreis in Höhe von 1500 Euro. Über dessen Vergabe stimmte das Publikum per Applaus ab. Die Gäste kürten das Projekt "eduSense" aus dem Institut für Geoinformatik (ifgi). Das Projektteam von Dr. Thomas Bartoschek, Jan Wirwahn, Umut Tas und David Fehrenbach entwickelt Konzepte zur Digitalisierung der Schulen inklusive begleitender Lehr- und Lernmaterialien. Das Gründungsvorhaben beruht auf etwa zehnjähriger Projekt- und Fortbildungserfahrung mit Schülern und Lehrern sowie einem am ifgi entwickelten "Do-it-yourself"-Bausatz für stationäre und mobile Sensoren: der "senseBox". Für den Nachwuchs-Gründerpreis nominiert waren zudem zwei Teams aus den Wirtschaftswissenschaften: "Sellplify GbR“, welches sich der Prozessoptimierung im Außendienst widmet, sowie "HelloButler", welches einen virtuellen, sprachgesteuerten "Concierge" für Hotelzimmer entwickelt.

Die WWU lobt den Preis für herausragende Gründungsvorhaben mit Unterstützung der Sybille-Hahne-Stiftung alle zwei Jahre aus. Damit sollen nicht nur die erfolgreichen Gründungsteams für ihre innovativen und forschungsbasierten Projekte honoriert werden, sondern auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der WWU, die die Gründungen unterstützen.

Informationen zu den Preisträgern

"EVORION Biotechnologies"

"EVORION Biotechnologies" entwickelt seit 2014 Zellkultur- und Analyse-Systeme für die biomedizinische Forschung, Entwicklung und Diagnostik – insbesondere im Bereich der Krebsforschung. Beispielsweise können mit der Technologie auf miniaturisierten Zellkultur-Chips bestimmte Immunzellen (sogenannte zytotoxische T-Zellen) schnell, günstig und detailliert analysiert werden. Diese T-Zellen können Krebszellen erkennen und abtöten. Sie sollen in der Krebstherapie als ein auf den Patienten passgenau zugeschnittenes Therapeutikum eingesetzt werden.

Die von dem münsterschen Team entwickelte Technologie ermöglicht es, eine Gruppe von Zellen zu untersuchen und gleichzeitig zu jeder einzelnen Zelle Parameter wie Wachstum und Zellbewegung zu erfassen. Diese Daten können mit genetischen Informationen sowie mit Erkenntnissen zu den in den Zellen produzierten Proteinen verknüpft werden. Somit soll es möglich werden, den Beitrag einzelner Zellen zur Krebsentstehung beziehungsweise zur Krebsbekämpfung zu untersuchen. Ein Prototyp soll Anfang 2018 auf den Markt kommen.

Das Projekt wurde gefördert durch ein "EXIST"-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie durch das Programm "START-UP Hochschulausgründungen" des Landes Nordrhein-Westfalen.

Prof. Dr. Bruno Moerschbacher, Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen

Die Arbeitsgruppe von Bruno Moerschbacher erforscht Grundlagen und Anwendungen sogenannter funktioneller Biopolymere, vor allem von Chitosanen. Diese komplexen Zuckerpolymere können aus Chitin hergestellt werden, einem praktisch unerschöpflich nachwachsenden Rohstoff, der zum Beispiel in Krabbenschalen und Pilz-Zellwänden vorkommt. Chitosane haben vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, unter anderem für eine narbenfreie Wundheilung, als Nanopartikel für die gezielte Dosierung von Medikamenten und als umwelt- und verbraucherfreundliche Pflanzenstärkungsmittel. Diese Entwicklung neuer Konzepte zur Nutzung natürlicher Ressourcen lässt sich unter dem Begriff "wissensbasierte Bioökonomie" zusammenfassen.

Gründungsvorgeschichte und Zusammenarbeit mit der WWU

Hans Kleine-Brüggeney erlernte die technologischen Grundlagen, als er seine Masterarbeit an der Universität Cambridge, England, in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Florian Hollfelder durchführte. Er, Robert Weingarten und Dr. Sebastian Bühren entwickelten darauf aufbauend das Geschäftsmodell. Zunächst unterstützte der münstersche Biotechnologe Prof. Dr. Francisco Goycoolea das Vorhaben. Die WWU-Physiker Prof. Dr. Wolfram Pernice und Prof. Dr. Harald Fuchs halfen dem Gründerteam, indem sie die Infrastruktur zur Herstellung der Chips zur Verfügung stellten – für das Gründungsvorhaben war die Ausstattung im münsterschen Zentrum für Nanotechnologie (CeNTech) von großer Bedeutung.

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