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Münster (upm)

Über den Arbeitsalltag als studentische Aufsicht bei den Skulptur Projekten

Drei Studierende berichten
Caroline Huzel<address>© WWU/Jana Schiller</address>
Caroline Huzel
© WWU/Jana Schiller

Die Skulptur Projekte locken zwischen dem 10. Juni und dem 1. Oktober Besucher aus aller Welt nach Münster. 130 studentische Aufsichten betreuen und pflegen die Kunstwerke im gesamten Stadtgebiet und stehen Kunstbegeisterten für allgemeine Informationen zur Verfügung - darunter auch Studierende der WWU. Pressestellen-Volontärin Jana Schiller hat drei von ihnen gebeten, über ihre Erlebnisse zu berichten.

 

Caroline Huzel, 22, siebtes Semester Kommunikationwissenschaften

"Studieren Sie Kunst?", ist eine der Fragen, die ich als Aufsicht bei den Skulptur Projekten des Öfteren gestellt bekomme. "Nicht wirklich", antworte ich in diesen Fällen. "Ich studiere Kommunikationswissenschaft, interessiere mich aber auch für Kunst." Nach einem kurzen Schweigen wird meine Aussage halblaut kommentiert: "Ah, jetzt haben Sie kommuniziert..." Auch die Frage, ob ich selbst die Künstlerin sei, bringt mich immer wieder zum Schmunzeln.

Bevor ich mich als Aufsicht ins Getümmel der Kunst-Interessierten gestürzt habe, absolvierte ich bis Ende Mai ein dreimonatiges Praktikum im Pressebüro der Organisatoren. Ich habe dort viele Einblicke gewonnen und war somit gut vorbereitet auf meinen Job.

Als Aufsicht bin ich nun noch dichter an den Projekten dran, und es sind vor allem die Begegnungen mit den Besuchern, die meine Tätigkeit abwechslungsreich und spannend machen. Häufig sind wir für die Besucher der erste Kontakt und dürfen in die Rolle des Vermittlers schlüpfen. Besonders interessant sind die eigenen Interpretationen der Gäste und das gemeinsame Philosophieren über ein Projekt. Auf diese Weise vergeht die Zeit meist wie im Fluge.

Durch eine Schulung wurde ich zur "Expertin" für das Projekt von Pierre Huyghe in der ehemaligen Eissporthalle und bin dort öfter eingeteilt. Die Besucher nehmen oft lange Wartezeiten in Kauf. An ihren großen, staunenden Augen und den interessierten Fragen sieht man jedoch, dass der größte Teil von ihnen das Warten nicht bereut. Für jede kleine Information erhalte ich ein aufrichtiges "Dankeschön" der Besucher – eine Dame bat mich sogar darum, ein Foto von mir schießen zu dürfen, um ihren Studenten zeigen zu können, wer ihr das Kunstwerk so schön erklärt hat. Das werde ich mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis behalten und immer mal mit einem Lächeln im Gesicht an meine Zeit als Aufsicht bei den Skulptur Projekten zurückdenken.

 

Yanik Günnewich<address>© WWU/Jana Schiller</address>
Yanik Günnewich
© WWU/Jana Schiller
Yanik Günnewich, 22, sechstes Semester Skandinavistik und Geschichte

Vor dem Start der Skulptur Projekte 2017 bin ich in keiner Form mit der Ausstellung verbunden gewesen. Abgesehen von einem Bewerbungsgespräch, auf das ich mehr durch Zufall aufmerksam wurde, und einem Workshop zu "Still Untitled" von Xavier Le Roy und Scarlet Yu, an dem ich Anfang Juni teilgenommen habe, war meine Tätigkeit als Aufsicht ein Sprung ins kalte Wasser. Ich war am Konzept der Ausstellung interessiert, aber noch nicht sonderlich von der Kunst beeindruckt. Das hat sich nun deutlich geändert.

Ein Beispiel: In seiner Arbeit "Nietzsche's Rock" setzt sich Justin Matherly in skulpturaler Form mit Nietzsches Theorie der ewigen Wiederkunft auseinander – eine Theorie, die mir seit der Schulzeit wohlbekannt gewesen ist. Um den Besuchern das Ganze zusammenhängend und mit Blick auf das Werk erläutern zu können, kramte ich eigens dafür in den Untiefen meiner alten Schulmappen. Wissen, das sich zunächst als unnütz darstellte, kann ich so plötzlich nutzen.

Die Arbeit als Aufsicht hat den positiven Nebeneffekt, dass man Münster besser kennenlernt – gerade für jemanden wie mich, der für sein Studium hierhergezogen ist, ist das praktisch. Ecken der Stadt, die ich bisher nie beachtet habe, erschließen sich mir zwangsweise, da wir nicht statisch an einem Ort eingeteilt sind. Und jeden Arbeitstag erwarten mich die abwechslungsreichen Begegnungen sowohl mit Kunsttouristen als auch mit Münsteranern, die das kreative Treiben in ihrer Heimat zumeist hochgradig interessiert, teils auch mal ablehnend beobachten.

Mit Blick darauf, dass die Projekte nur noch drei Wochen andauern, kann ich versprechen: Die Besucher werden bis zum letzten Tag eine ganze Menge zu sehen bekommen.

 

Sarah Vöcking<address>© Privat</address>
Sarah Vöcking
© Privat
Sarah Vöcking, 20, viertes Semester Kunstgeschichte und Anglistik

"Erzählen Sie uns mal ein bisschen was über die Skulptur." Diesen Satz habe ich in den letzten Wochen während meiner Arbeit wahrscheinlich am häufigsten gehört. Dicht gefolgt von "Was soll das darstellen?" und "Sind Sie hier der Bewacher?", bis hin zu "Ich finde das hier ist alles Müll!".

Bei der Arbeit als Aufsicht bei den Skulptur Projekten bin ich für die Besucher der Ausstellung die erste Ansprechpartnerin, das heißt ich bekomme den Frust ab, wenn jemand eine Skulptur nicht sofort findet oder sie auf den ersten Blick unverständlich und so gar nicht ästhetisch erscheint. Doch es entstehen auch interessante Gespräche, ich bekomme Lob für meine Arbeit und ein herzliches "Vielen Dank!", was nachher doch alles wieder gut macht.

Als ich mein Kunstgeschichtsstudium vor zwei Jahren in Münster begann, hörte ich zum ersten Mal von den Skulptur Projekten. Trotzdem bewarb ich mich eher unwissend auf die Stelle als Aufsicht, ich wusste nicht so recht, was mich erwartete.

Am häufigsten bin ich bei den Werken von Nicole Eisenman, Justin Matherly, CAMP oder am Servicepoint am Hauptbahnhof eingeteilt. Zu Beginn jeder Schicht fahre ich zu der Skulptur und sorge dafür, dass die Besucher den Standort betreten können, schalte, falls nötig, die Technik an, oder zum Ende der Schicht wieder ab. Ab dann stehe ich vor Ort den Besuchern für Fragen rund um die Projekte zu Verfügung und muss zum Beispiel darauf achten, dass Werke nicht beklettert oder angefasst werden. Um 15 Uhr ist Schichtwechsel.

Die Besucher aus aller Welt und die einzigartigen Skulpturen machen diese Arbeit zu etwas ganz Besonderem. Doch vor allem ist es das unglaubliche Team, das dafür sorgt, dass die Skulptur Projekte mehr als nur ein Job, sondern ein einzigartiges Erlebnis für mich geworden sind.

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