Fachbereich Biologie lädt zur Rensch-Vorlesung ein
Neue Gene, die einem Lebewesen neue Eigenschaften verleihen, entstehen im Laufe der Evolution manchmal wie aus dem Nichts. Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass diese neuen Gene wesentlich zur Entstehung der biologischen Vielfalt beigetragen haben. Welche Bedeutung neu entstehende Gene für die evolutionäre Anpassung haben, erklärt der Evolutionsbiologe Prof. Dr. Diethard Tautz am Dienstag, 13. Juni, bei der Bernhard-Rensch-Vorlesung des Fachbereichs Biologie. Zu dem Vortrag "Gene aus dem Nichts - wie in Zufallssequenzen genetische Information entsteht" sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Beginn ist um 11.15 Uhr in der Aula im Schloss, Schlossplatz 2. Die Vortragssprache ist Deutsch.
Zum Hintergrund: Seit mehr als 100 Jahren diskutieren Wissenschaftler die Frage, wie die Evolution neue Merkmale hervorbringt. Zwar vermuteten sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, dass die Vervielfältigung von Genen und dabei entstehende "Kopierfehler" eine wesentliche Rolle bei der Evolution der Erbinformationen spielen. Damit war aber noch nicht die Frage beantwortet, wie die Gene ursprünglich entstehen. Mit der Entschlüsselung von Genomsequenzen scheint nun klar: Der Ursprung von mindestens der Hälfte der Gene im Erbgut eines jeden Individuums geht auf die erste Zelle zurück, also auf den Ursprung des Lebens. Die andere Hälfte der Gene entstand später innerhalb der einzelnen Linien des evolutionären Stammbaums.
Diethard Tautz, Jahrgang 1957, ist Evolutionsbiologe und Populationsgenetiker. Er ist Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön in Schleswig-Holstein. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Fragen, wie sich Tiere an veränderte Umweltbedingungen anpassen und inwiefern diese Anpassungen in den Genen "sichtbar" sind.
Bernhard-Rensch-Vorlesung
Die vom Fachbereich Biologie organisierte Bernhard-Rensch-Vorlesung ist eine Vortragsveranstaltung zu Ehren des 1990 verstorbenen Verhaltensforschers Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Rensch. Er war seit 1947 Direktor des Zoologischen Instituts der Universität Münster und Direktor des Landesmuseums für Naturkunde. Seit seinem 80. Geburtstag im Jahr 1980 findet einmal jährlich die nach ihm benannte Vorlesung statt, bei der führende Biologen über zentrale Fragen ihrer Disziplin berichten. Als Vortragende werden international anerkannte und ausgewiesene Persönlichkeiten eingeladen, die den weit gespannten wissenschaftlichen Interessen- und Arbeitsgebieten von Professor Rensch mit ihrem eigenen Wirkungsfeld nahe stehen.