Abschied von einem Wegbereiter der pharmazeutischen Biologie
Die Angehörigen des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) trauern um ihren langjährigen Leiter und Kollegen, Prof. Dr. Adolf Nahrstedt, der am vergangenen Donnerstag nach längerer Krankheit in Münster verstorben ist.
Adolf Nahrstedt war von Januar 1986 bis September 2004 Geschäftsführender Direktor des Institutes für pharmazeutische Biologie an der WWU, welchem er die erweiterte Bezeichnung Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie gab. Diese Namenserweiterung ist programmatisch für das Wirken von Adolf Nahrstedt in dieser Zeit, da er bewusst pharmazeutisch-biologische Forschung von Arzneipflanzen und Naturstoffen auf Basis der chemischen Eigenschaften der Wirkstoffe betrieb.
Aus seinen Untersuchungen resultierten mehr als 250 Originalpublikationen. Über 40 erfolgreich verteidigte Dissertationen zeugen von seiner Schaffenskraft und Ausbildungstätigkeit. Adolf Nahrstedt begleitete einige Nachwuchswissenschaftler zur Habilitation und damit auf dem weiteren Karriereweg.
In der akademischen Selbstverwaltung betätigte er sich während seiner Amtszeit als Mitglied diverser Gremien und Kommissionen auf Fachbereichs- und Universitätsebene, unter anderem auch von 1988 bis 1990 als Dekan des Fachbereiches Chemie. Adolf Nahrstedt engagierte sich über die Jahre hinweg zudem stark in Fachgesellschaften.
Zum 30. September 2004 trat Adolf Nahrstedt in den Ruhestand. Sein wissenschaftliches Wirken wurde in den darauf folgenden Jahren vielfach gewürdigt und ausgezeichnet, unter anderem mit Ehrendoktortiteln der Ovidius-Universität in Constanța (Rumänien) und der University of Mahasarakham (Thailand).
Die Wissenschaft verliert mit Adolf Nahrstedt eine Kapazität, die pharmazeutische Biologie einen wichtigen Wegbereiter auf dem Weg zu rationalen Phytotherapeutika, die Pharmazie einen engagierten und erfolgreichen Lehrer für Aus- und Weiterbildung.
Lebenslauf
Adolf Nahrstedt, geboren am 9. August 1940 in Northeim (Harz), war von 1986 bis 2004 als Universitätsprofessor an der WWU tätig. Nach dem Abitur (1960) und Vorexamen (1962) studierte er von 1962 bis 1965 Pharmazie an der Universität Freiburg und – ebenfalls dort – von 1966 bis 1967 Lebensmittelchemie; 1966 erfolgte seine Approbation als Apotheker. 1971 schloss er seine Promotion an der Universität Freiburg mit "magna cum laude" ab. Nach seiner Habilitation folgte Adolf Nahrstedt 1976 einer Berufung auf eine Professur für Pharmazeutische Biologie an der Technischen Universität Braunschweig, die er bis 1986 innehatte.