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Münster (upm/ch)

Immer nur "meins"?

Psychologen zeigen: Narzissten sagen nicht häufiger "ich" als andere Menschen
Prof. Dr. Mitja Back<address>© WWU/Benedikt Weischer</address>
Prof. Dr. Mitja Back
© WWU/Benedikt Weischer

Ich, meins, mir – der gehäufte Gebrauch dieser Personalpronomen ist charakteristisch für Narzissten, so die gängige Annahme. Doch dieses verbreitete Vorurteil stimmt nicht, wie eine neue Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern der Universität Arizona (USA) zeigt. Obwohl Narzissten ein übersteigertes Selbstwertgefühl an den Tag legen und egozentrisch sind, spiegeln sich diese Eigenschaften nach den Erkenntnissen eines internationalen Forscherteams nicht in den verwendeten "Ich-Wörtern" wieder. Für die Studie, an der auch die Psychologen Prof. Dr. Mitja Back und Dr. Albrecht Küfner von der Universität Münster beteiligt sind, untersuchten die Wissenschaftler 4800 Frauen und Männer in den USA sowie in Deutschland.

Die Forscher ließen die Studienteilnehmer verschiedene Aufgaben lösen, bei denen sie über sich selbst oder über ein ausgewähltes Thema schreiben oder berichten sollten. Um narzisstische Persönlichkeitsmerkmale zu erkennen, setzten die Forscher Fragebögen ein. Die Ausprägung narzisstischer Eigenschaften wurde mit der Häufigkeit der Verwendung von Personalpronomen in der ersten Person Singular verglichen.

Das Fazit: Zwischen der Häufigkeit, mit der die Personalpronomen verwendet werden, und der Persönlichkeitseigenschaft Narzissmus fanden die Wissenschaftler keinen Zusammenhang. "Unsere Ergebnisse sind sicherlich für viele Menschen überraschend – sie widersprechen dem, was man intuitiv erwartet", sagt Persönlichkeitspsychologe Mitja Back. Weitere Auswertungen der Daten zeigten: Auch zwischen den Geschlechtern gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied, was die Verwendung der Personalpronomen angeht. Die Wissenschaftler stellten zudem keine Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern fest.

Wenn Menschen Narzissten nicht an einem besonders häufigen Gebrauch von ich, meins und Co. erkennen können – woran dann? Die Forscher wollen ihre Daten nun daraufhin durchforsten, ob es andere sprachliche Eigenheiten gibt, die typisch für Narzissten sind.

An der Studie beteiligt waren Wissenschaftler von fünf US-amerikanischen Universitäten, außerdem Forscher der Freien Universität Berlin und der Universität Münster.

 

Originalpublikation:

Angela Carey et al.: Narcissism and the Use of Personal Pronouns Revisited. Journal of Personality and Social Psychology, published online March 31, 2015; http://dx.doi.org/10.1037/pspp0000029