Renaissance der Religion
„Religion begegnet uns heute in einer großen Vielfalt - im eigenen Land und weltweit. Auch das evangelische Christentum ist eine vielfältige und bunte Wirklichkeit, vor allem, wenn man auf die wachsenden Kirchen in der südlichen Hemisphäre schaut", meint Prof. Dr. Hans-Peter Großhans. Er ist neu an der Westfälischen Wilhelms-Universität als Professor für Systematische Theologie und Direktor des Instituts für Ökumenische Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät.
Prof. Großhans kommt aus Genf nach Münster. In der Schweiz war der 50-jährige die letzten anderthalb Jahre Referent für Theologie und
Kirche beim Lutherischen Weltbund. Seine akademische Heimat ist die
Universität Tübingen. Darüber hinaus hat er auch an den Universitäten in Hamburg,
München und Zürich unterrichtet.
Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört unter anderem die Religionsphilosophie, aber auch die
Ekklesiologie, die christliche Lehre von der Kirche. Dabei hat er sich in
den letzten Jahren intensiv mit den orthodoxen Kirchen Osteuropas befasst und
deren Unterschiede zu den evangelischen Kirchen und der katholischen Kirche
analysiert: „Seit fast zwanzig Jahren gibt es nun gute Möglichkeiten der
Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit der Theologie der osteuropäischen
orthodoxen Kirchen, die noch zu wenig genutzt werden". Ein weiteres Augenmerk
von Prof. Großhans gilt den vielen evangelischen Kirchen in der südlichen Hemisphäre
und deren theologischer Entwicklung, mit der er in seiner Genfer Tätigkeit
intensiv befasst war. „In der südlichen Hemisphäre gibt es derzeit theologische
und kirchliche Entwicklungen, deren wir uns in Europa oft kaum bewusst sind".
Die Religionsphilosophie, zu der
Großhans einiges publiziert hat, ist - wie überhaupt
die Philosophie - nach seiner Auffassung wichtig für die evangelische Theologie. Er ist im Vorstand
sowohl der Deutschen als auch der Europäischen Gesellschaft für
Religionsphilosophie. Derzeit bestehe nach seiner Beobachtung eine hohe
Aufmerksamkeit für Fragen der Religion in Europa. „Aus verschiedenen Gründen
erleben wir derzeit in der EU eine Renaissance im Blick auf die öffentliche
Wahrnehmung von Religion", erläutert er die Aktualität seiner Arbeit.
In
seiner religionsphilosophischen Forschung versucht er, alle Phänomene des
Religiösen aus der Perspektive der Vernunft zu verstehen und scheut sich auch
nicht, sich mit der Frage nach der Wahrheit in der Religion zu befassen.
Wichtig ist ihm an den vielen verschiedenen Formen von Religion, ob sie zum Freiheitsgewinn
für die einzelnen Menschen und für eine Gesellschaft führen. „Einige Religionen
werden derzeit immer mehr zu Global Players", erläutert er, doch man müsse
genau deren Einfluß auf das spirituelle, kulturelle und gesellschaftliche Leben
analysieren. Selbstverständlich ist für ihn dabei eine gute Zusammenarbeit mit
Theologinnen und Theologen, die anderen Konfessionen und auch anderen
Religionen angehören.
An der Arbeit in Münster
reizt ihn das Profil der Stelle als Mischung aus evangelischer Dogmatik, Religionsphilosophie
und Ökumene, das ideal seine bisherigen Arbeitsschwerpunkte zusammenfasst.
Gereizt hat ihn auch die Arbeit mit Studierenden und Doktoranden an einer der
großen Fakultäten für Evangelische Theologie in Deutschland. In seiner Arbeit
möchte er nicht nur zu einer soliden Ausbildung der Studierenden beitragen und
begabte Studierende an Fragestellungen der theologischen Forschung heranführen,
sondern auch erreichen, dass die evangelische Theologie noch internationaler
wird als sie es bereits ist.
„Die vielen Studierenden machen Münster zu einer jungen, vitalen und ganz attraktiven Stadt", so fasst Prof. Großhans seine ersten Eindrücke von Stadt und Universität zusammen. Die Universität hat er bisher als selbstbewusst und leistungsbereit wahrgenommen. Die Stadt Münster gefällt ihm auch als ein westfälisches Pendant zu Tübingen, schon allein wegen der vielen Fahrräder. In seiner Freizeit fährt Hans-Peter Großhans gelegentlich Rennruderboot, im Winter auch Ski. Gerne schaut er Basketballspielen zu, liest mit Begeisterung Krimis und hört mit Vorliebe Jazz- und Bluesmusik.