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Münster (upm/vvm)

International geschätzter Kenner des Mittelalters

Prof. Dr. Gerd Althoff feiert seinen 70. Geburtstag
Prof. Dr. Gerd Althoff<address>© WWU - Peter Grewer</address>
Prof. Dr. Gerd Althoff
© WWU - Peter Grewer

Der international renommierte Mittelalter-Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) begeht am Dienstag, 9. Juli, seinen 70. Geburtstag. Der langjährige Sprecher des WWU-Exzellenzclusters "Religion und Politik" hat richtungweisende Arbeiten in der Mittelalterforschung vorgelegt, insbesondere zu den Funktionsweisen mittelalterlicher Staatlichkeit und zu den Formen öffentlicher Kommunikation im Mittelalter. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören auch die damaligen Gruppenbindungen sowie die Konfliktführung und -beilegung.

Der Mediävist hat eine umfangreiche Zahl viel beachteter Monografien verfasst, zuletzt das Buch "Selig sind, die Verfolgung ausüben" über Papsttum und Gewalt im Mittelalter sowie "Ironie im Mittelalter", das er gemeinsam mit der Philologin Prof. Dr. Christel Meier-Staubach verfasst hat. Als Standardwerke gelten Gerd Althoffs Arbeiten über die Ottonen- und Salierzeit sowie Bücher wie "Verwandte, Freunde und Getreue", "Spielregeln der Politik im Mittelalter" und "Die Macht der Rituale". 2004 erhielt der Historiker den mit 30.000 Euro dotierten Forschungspreis der Universität Münster.

Am Exzellenzcluster ist Gerd Althoff Vorstandsmitglied, er leitet das Projekt "Das Papsttum und die Gewalt im Hochmittelalter. Zur Begründung neuer päpstlicher Autoritätsansprüche". Von 2007 bis 2012 war er Sprecher des Forschungsverbundes, dem 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 Fachrichtungen angehören. Er hat wesentlich zum Aufbau und Gelingen der interdisziplinären Zusammenarbeit am Exzellenzcluster beigetragen, dessen Förderdauer 2012 um fünf Jahre verlängert wurde. Gerd Althoff war zudem federführend an den Ausstellungen "Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen" in Münster und "Spektakel der Macht" in Magdeburg beteiligt.

Neben seinem Sprecheramt am Exzellenzcluster war der Historiker Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie Projektleiter des Sonderforschungsbereichs (SFB) "Pragmatische Schriftlichkeit" und Mitinitiator und Sprecher des SFB "Symbolische Kommunikation" in Münster. An drei Graduiertenkollegs war er als Betreuer beteiligt, eines in Gießen, zwei an der Universität Münster.

Der 1943 in Hamburg geborene Gerd Althoff wuchs in Ibbenbüren im Münsterland auf. Nach dem Studium in Heidelberg und Münster, wo er auch promoviert wurde, habilitierte er sich in Freiburg, wurde 1986 nach Münster berufen und wechselte 1990 nach Gießen. Nach einer Professur in Bonn kehrte er 1997 nach Münster als Lehrstuhlinhaber für mittelalterliche Geschichte zurück. Am 4. Juli 2011 wurde Gerd Althoff emeritiert. Gastprofessuren in Berkeley in Kalifornien, Paris und in Moskau belegen seine internationale Anerkennung.