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Münster (upm/ch).
Prof. Dr. Robert Hein steht rechts im Bild, dem Betrachter zugewandt (seitlich, zur Kamera gedreht). Er steht in einem nach hinten verlaufenden Flur mit Türen rechts und links; die Tür im Bildhintergrund vor Kopf des Flures ist geöffnet. Im Inneren des Raumes ist unscharf ein Besprechungstisch zu sehen, hinter dem Tisch sind Fenster.<address>© Uni MS - Linus Peikenkamp</address>
Prof. Dr. Robert Hein forscht an der Schnittstelle zwischen supramolekularer Chemie und Elektrochemie.
© Uni MS - Linus Peikenkamp

Neugierig und grenzenlos kreativ

Robert Hein ist Juniorprofessor am Organisch-Chemischen Institut

Als ein Schulfreund Robert Hein in der 12. Klasse fragte, ob er mitkäme zum Tag der offenen Tür an der Jacobs University Bremen, sagte er spontan zu. Und da ihn die Universität, von der er zuvor noch nichts gehört hatte, begeisterte, entschied er sich kurzerhand für ein Chemiestudium dort. An der Jacobs University lag der Fokus auf der Forschung, alle Lehrveranstaltungen waren auf Englisch. Das gefiel dem Studenten Robert Hein. Während des Studiums nutzte er die Chancen, ein Praktikum an der Universität Cambridge in Großbritannien und ein Austauschsemester an der Cornell-Universität in den USA zu absolvieren. Mittlerweile ist er Hochschullehrer – seit 2024 lehrt und forscht er als Juniorprofessor am Organisch-Chemischen Institut der Universität Münster.

An der Grenze zu Polen in einem kleinen, ländlich gelegenen Ort in Brandenburg aufgewachsen, landete Robert Hein auf verschlungenen Wegen in Münster. Die Dissertation führte den Chemiker zunächst nach Oxford. Dort ergab sich die Möglichkeit, ein Postdoktorat anzuhängen. Inhaltlich ging es darum, neue, selektiv interagierende Moleküle zu entwickeln, die als Schadstoff-Sensoren fungieren können, wenn sie auf geeignete Oberflächen aufgebracht werden. Robert Heins Forschungsgebiet lag damals an der Schnittstelle zwischen supramolekularer Chemie und Elektrochemie – diesen Bogen spannt er noch heute. „Das ist für mich eine Challenge. Ich mag es, verschiedene Fachdisziplinen zu vernetzen“, verrät er.

Während seiner nächsten Karrierestation an der Universität Groningen in den Niederlanden fasste Robert Hein den Entschluss, für seine Habilitation nach Deutschland zurückzukehren. Zunächst mit einem Liebig-Stipendium des „Fonds der Chemischen Industrie“, kurz darauf auch mit einer Förderung aus dem NRW-Rückkehrer-Programm, wechselte er vor zwei Jahren an die Universität Münster. Münster sei ein herausragender Chemie-Forschungsstandort mit vielen starken Verbundprojekten, schwärmt er.

Entsprechend lang ist die Liste seiner Kollaborationen. Robert Hein, den die Hector Fellow Academy kürzlich mit dem „Research Career Development Award“ auszeichnete, ist beispielsweise Forscher am Center for Soft Nanoscience der Universität Münster. Er gehört dem Sonderforschungsbereich „Intelligente Materie“ an, außerdem dem internationalen Graduiertenkolleg „Funktionelle π-Systeme“ (einem gemeinsamen Projekt mit der japanischen Universität Nagoya) sowie der internationalen Batterieforschungsschule „BACCARA“.

Dem 31-Jährigen gefällt an seiner Arbeit besonders, dass der Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind. „Es fasziniert mich, Moleküle und Materialien herzustellen, die es vorher nicht gab“, unterstreicht er. Seine Arbeitsgruppe erforscht unter anderem, wie man Moleküle schalten kann, sodass sich Materialeigenschaften wie Farbe, Geometrie oder Fluoreszenz ändern. Ziel ist es, reversibel schaltbare Systeme zu entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür sei „intelligentes“ Glas, das sich bei Sonneneinstrahlung tönt. „Effekte wie diesen wollen wir durch elektrisch schaltbare Moleküle erreichen – eine Änderung der Materialeigenschaften quasi auf Knopfdruck. Wie können wir diese Materialien entwickeln? Wie verhalten sich die molekularen Schalter im Material? Und wie häufig können wir Strom fließen lassen, ohne dass es zur Materialermüdung kommt und die Effekte nicht mehr funktionieren? Auf diese und weitere Fragen suchen wir die Antworten.“ Die Chemie ist für ihn einer der Schlüssel für eine umweltfreundlichere Zukunft. „Viele assoziieren den Begriff Chemie immer noch mit Verschmutzung und Problemen“, sagt er. „Dabei ist Chemie längst viel mehr als das. Es geht darum, Lösungen zu finden, um Umweltbelastungen zu verringern.“

Robert Hein, der seine englische Partnerin während seiner Zeit in Oxford kennenlernte, lebt und denkt über Landesgrenzen hinaus. Dabei stellt er automatisch Vergleiche an. Deutschland biete in verschiedener Hinsicht sehr gute Voraussetzungen für eine akademische Karriere in der Chemie, beispielsweise im Hinblick auf mögliche Forschungsförderungen. Aber in anderer Hinsicht könne man sich hierzulande eine Scheibe von den Nachbarn abschneiden. „Nach meinen Erfahrungen ist es in den Niederlanden und in Großbritannien möglich, mit einem Projekt anzufangen, ohne vorher alle Eventualitäten im Detail besprechen zu müssen. Erst wenn Probleme auftauchen, sucht man nach Lösungen.“ Das sei eine pragmatische und unbürokratische Herangehensweise. Dass in der Forschung nicht alles glatt läuft und manche Ansätze nicht zielführend sind, nimmt er locker. „Wenn nichts schiefgehen würde, könnten wir mit der Arbeit aufhören. Denn das wäre ein Zeichen dafür, dass schon alles erforscht und bekannt ist.“

Forscherdrang und Experimentierfreunde machen sich bei Robert Hein auch privat bemerkbar – beim Kochen. „Ich bin ein Foodie“, verrät er, also jemand, der sich für ausgewählte Zutaten und Köstlichkeiten aus aller Welt interessiert. „Kochen ist mein Hobby, außerdem reise ich gerne und probiere dabei lokale Spezialitäten.“ Eine Eigenschaft zeichne ihn besonders aus, egal ob es um ausgefallene Gerichte, Wohnorte oder Forschungsfragen geht: Er sei offen für Neues und flexibel. „Damit bin ich bislang sehr gut gefahren.“

Autorin: Christina Hoppenbrock

 

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 3, 6. Mai 2026.

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