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Münster (upm/kk)
Das Portfolio der Professional School umfasst 15 berufsbegleitende Masterstudiengänge, 17 Zertifikatskurse sowie zahlreiche Seminare.<address>© Julian Meyer / Christopher Steinweg</address>
Das Portfolio der Professional School umfasst 15 berufsbegleitende Masterstudiengänge, 17 Zertifikatskurse sowie zahlreiche Seminare.
© Julian Meyer / Christopher Steinweg

„Weiterbildung ist ein Profilmerkmal“

Kristin Große-Bölting über die Rolle der Professional School und lebenslanges Lernen

Die Professional School feiert ihr 20-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass spricht Geschäftsführerin Dr. Kristin Große-Bölting mit Kathrin Kottke über Entwicklungen, Perspektiven und die wachsende Bedeutung wissenschaftlicher Weiterbildung.

 

Was treibt Menschen dazu, neben Job und Familie noch einmal ein Studium zu beginnen?

Viele unserer Studierenden haben ein klares Ziel vor Augen. Sie möchten sich gezielt weiterentwickeln, den nächsten Karriereschritt gehen oder sich beruflich neu orientieren. Diese Motivation ist oft stark, weil sie aus konkreten Erfahrungen im Berufsalltag entsteht. Entsprechend hoch ist ihr Engagement. Unsere Studierenden sind fokussiert und wissen genau, warum sie studieren. Sie ,brennen‘ für das, was sie tun, und bringen eine hohe Verbindlichkeit mit.

Sie begleiten die Professional School seit vielen Jahren. Wie hat sich die Einrichtung entwickelt?

Sie wurde gegründet, um die Weiterbildungsangebote der Universität zu bündeln und strategisch auszubauen. Als ich anfing, waren wir ein kleines Team von vier Personen und boten drei Lehrgänge mit jeweils 15 bis 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Jahr an. Heute ist daraus ein umfangreiches Portfolio mit 15 berufsbegleitenden Masterstudiengängen, 17 Zertifikatskursen und zahlreichen Seminaren geworden. Aktuell zählen wir über 1.000 Master- und rund 170 Zertifikatsstudierende sowie etwa 750 Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer pro Jahr.

War diese Entwicklung von Anfang an so angelegt?
Einen ausgearbeiteten Masterplan gab es nicht. Aber es war klar, dass Weiterbildung eine zentrale Aufgabe der Universität ist – so steht es auch im Hochschulgesetz. Unser Ansatz war von Beginn an interdisziplinär: Angebote bündeln und über Fachgrenzen hinweg denken, um die Breite einer Volluniversität abzubilden.

Dr. Kristin Große-Bölting<address>© Julian Meyer</address>
Dr. Kristin Große-Bölting
© Julian Meyer
Welche Rolle nimmt die Professional School heute innerhalb der Universität ein?

Weiterbildung ist ein wichtiges Profilmerkmal der Universität Münster. Sie ist die Hochschule mit den meisten berufsbegleitenden Studiengängen in Deutschland. In vielen Köpfen ist die Universität oft noch gleichbedeutend mit einem grundständigen Studium, also Bachelor oder Master. Dass sie auch für Weiterbildung steht, ist weniger präsent.

Was macht die Programme aus Ihrer Sicht besonders attraktiv?

Viele schätzen die gemischten Lehrteams. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten mit erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern zusammen. So entsteht ein Transfer von theoretischer Tiefe und konkreter Anwendung.

Gab es auf dem Weg prägende Wendepunkte oder Entwicklungen?
Ein wichtiger Schritt war der Umzug in den Heereman’schen Hof, der unsere Sichtbarkeit deutlich erhöht hat. Gleichzeitig hat die Digitalisierung – insbesondere durch die Pandemie – einen großen Schub bekommen.

Hat sich das Lernen dadurch nachhaltig verändert?
Digitale Formate sind heute selbstverständlich und bieten viele Vorteile. Gleichzeitig haben wir gesehen, wie wichtig Präsenz ist. Der Austausch und das gemeinsame Lernen lassen sich digital nur begrenzt ersetzen. Deshalb setzen wir auf eine Kombination.

Welche Bedeutung hat lebenslanges Lernen?

Wissen veraltet schneller als früher. Entscheidend ist daher nicht nur, was man weiß, sondern wie man mit Wissen umgeht. Universitäten vermitteln genau diese Kompetenzen, etwa analytisches Denken, Problemlösung und Reflexionsfähigkeit.

Zeigt sich das auch langfristig bei Ihren Absolventinnen und Absolventen?
Bei Alumni-Treffen berichten viele, dass sie noch Jahre später auf Methoden aus dem Studium zurückgreifen. Genau das ist unser Anspruch: nicht nur Wissen, sondern auch Denkweisen zu vermitteln.

Wie wird sich das Studienangebot weiterentwickeln?

Die berufsbegleitenden Master bleiben zentral. Gleichzeitig gewinnen kürzere Formate wie Zertifikatskurse, Seminare oder ‚Masterclasses‘ an Bedeutung, weil viele sich gezielt und flexibel weiterbilden möchten.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Unsere monatlichen Masterclasses sind kompakte, kostenfreie und digitale Formate zur Mittagszeit mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie bieten einen niedrigschwelligen Einstieg in aktuelle Themen und erhöhen zugleich unsere Sichtbarkeit.

Welche Themen stehen derzeit besonders im Fokus?

Vor allem Management-Themen, Innovation und künstliche Intelligenz. Bei diesen Themen ist der Bedarf in Unternehmen besonders groß.

Welche Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit der Region?

Eine sehr wichtige. Wir arbeiten eng mit Unternehmen und Institutionen im Münsterland zusammen, um den Bedarf frühzeitig zu erkennen und passende Angebote zu entwickeln.

Wo sehen Sie die Professional School zukünftig?

Ich bin davon überzeugt, dass die Bedeutung der Weiterbildung kontinuierlich wächst. Für uns bedeutet das, unsere Rolle zu stärken, Kooperationen auszubauen und noch sichtbarer zu werden.

Sie machen den Job seit 15 Jahren. Was motiviert Sie?

Vor allem die Studierenden und die Abschlussfeiern. Zu sehen, was viele parallel leisten, ist beeindruckend: Sie arbeiten, tragen Verantwortung im Job, kümmern sich um ihre Familie und studieren gleichzeitig. Wenn sie dann ihre Urkunde in den Händen halten, wird sichtbar, wie viel Einsatz dahintersteckt.

Gibt es unter den Absolventinnen und Absolventen auch ‚Wiederholungstäter‘?
Ja, gar nicht so selten. Viele fragen nach kurzer Zeit: ‚Was kann ich als Nächstes machen?‘ Ein gutes Zeichen dafür, dass Lernen nie aufhört.

 

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 3, 6. Mai 2026.

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