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Münster (upm/bhe).
Zu sehen ist ein Gruppenfoto auf der Bühne, mit Vertreterinnen und Vertretern der ausgezeichneten Projekte sowie der Universität und der Universitätsstiftung.<address>© Universitätsstiftung - Julian Meyer</address>
Zwei bürgerwissenschaftliche Forschungsprojekte erhielten bei einer Feier in der Studiobühne den Citizen-Science-Preis der Universitätsstiftung Münster.
© Universitätsstiftung - Julian Meyer

Universitätsstiftung zeichnet Bürgerwissenschafts-Projekte aus

Jeweils 7.500 Euro Preisgeld für Forschung zu Festmusik des 18. Jahrhunderts und Klimawandel

In einem Fall geht es um Festmusik, im zweiten um den Klimawandel: Die Universitätsstiftung hat jetzt zwei Forschungsprojekte mit dem Citizen-Science-Preis ausgezeichnet. „Mitdenken – mitmachen – mitforschen“ lautete das Motto der Festveranstaltung, bei der die Vertreter der Projekte die mit jeweils 7.500 Euro dotierten Preise entgegennahmen. Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Dr. Mathias Kleuker, nutzte die Gelegenheit, um die Gäste in der gut besuchten Studiobühne zum Mitforschen aufzurufen. Beide Seiten brächten ihre eigene Perspektive ein – so entstehe neues Wissen. „Die Bürgerwissenschaften liegen der Stiftung am Herzen“, betonte er. Prorektor Prof. Dr. Michael Quante unterstrich in seinem Festvortrag die Bedeutung des bürgerwissenschaftlichen Engagements für die Universität und die Gesellschaft. „Daten, Fakten und sauberes Argumentieren sind das einzige Gegenmittel, das wir faktenfreiem, lautem Gerede entgegensetzen können“, sagte der Philosoph. Citizen Science sei „keine Kunst am Bau“, sondern für die Demokratie unverzichtbar.

Die ausgezeichneten Projekte:

Glamour, Glanz und Gloria? Festmusik des westfälischen Adels im 18. Jahrhundert

Schlummernde Sinfonien aus dem Archiv holen und wieder erklingen lassen – darum geht es im Projekt „Glamour, Glanz und Gloria? Festmusik des westfälischen Adels im 18. Jahrhundert“. Entstanden für die prunkvollen Hofkonzerte der Grafen zu Bentheim und Steinfurt, sind die Noten dafür heute Teil einer umfangreichen Sammlung in der Universitäts- und Landesbibliothek. Etwa 1.900 Bände umfasst die „Fürst zu Bentheimsche Musikaliensammlung“. Am musikwissenschaftlichen Institut der Universität Münster werden regelmäßig historische Noten, Briefe und Dokumente daraus und aus ihrem zeitlichen Umfeld entschlüsselt. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Erforschung und Wiederaufführung von vier groß besetzten Werken, die zwischen 1776 und 1804 komponiert wurden. Das „Pro Musica Orchester“ aus Münster führt sie in mehreren Konzerten auf. Das Forschungsinteresse der Beteiligten aus der Musikwissenschaft, Bürgerinnen und Bürgern sowie Studierenden reicht über schöne Klänge weit hinaus. Anhand alter Bücher, Verträge und Briefe erschließt das Team den geschichtlichen Hintergrund der Stücke.

Mit dem Wissen der Vielen dem Klimawandel trotzen

Der Umgang mit vielen Daten, unterstreicht Geoinformatikerin Prof. Dr. Angela Schwering, sei für sie und ihr Team alltäglich. Was aus Satellitenbildern, Modellen und Tabellen nicht hervorgeht, ist die Frage, wie sich Messwerte konkret auf den Alltag der Menschen auswirken, die in den entsprechenden Gebieten leben. Genau hier setzt das Projekt ihrer ehemaligen Masterstudentin Selani Thomas und von Lugao Kasberg von der Organisation „Mangyans for Peace and sustainable Development“ an. Das Team untersucht den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Ernährungsunsicherheit und dem Handlungsspielraum junger Menschen in der Hanunoo-Mangyan-Gemeinschaft auf der philippinischen Insel Mindoro. Hilfsmittel für die sogenannte partizipative Kartierung sind großformatige Karten und Luftbilder der Region: In Workshops markieren die Bewohner jeden Alters darauf mit Stiften ihr Wissen. Das können geografische Details sein, etwa häufig genutzte Wege, aber auch Absprachen der Gemeinschaften zu ihren Ressourcen. Es geht darum, wie die Menschen Veränderungen wahrnehmen und ihren Alltag regeln.

Bürgerwissenschaften an der Universität Münster

Mit dem Citizen-Science-Wettbewerb möchten die Universitätsstiftung und die Universität Münster die Bürger an der wissenschaftlichen Arbeit beteiligen und so den Zusammenhalt von Forschung und Gesellschaft fördern. Alle Citizen‑Science‑Projekte zielen darauf ab, neue Erkenntnisse zu gewinnen, die sowohl für die Wissenschaft als auch für die Bevölkerung von Nutzen sind. Der Wettbewerb wird durch die Universitätsstiftung Münster mit 20.000 Euro gefördert.

 

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