Kultur für alle
Vorhang auf für das Festival „Neue Wände“! Vom 8. bis zum 10. Mai, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht, ist auf den großen und kleinen Bühnen des Theaters Münster die Bandbreite der Hochschulkultur zu sehen. Die Idee dahinter: Studierende richten sich in ihren vier Wänden ein – im übertragenen Sinne gehören auch Musik, Theater, Tanz und Kunst dazu. Das Programm, ob klassisch, modern oder von übermorgen, bestimmen diejenigen, die es gestalten. So werden in dieser sechsten Auflage des Festivals zum Beispiel eine Kammermusikgruppe der Musikhochschule und die „English Drama Group“ auf eine Akrobatikgruppe vom Hochschulsport treffen und das Stück „Partytime“ von Harold Pinter aufführen. Junge Bands und Newcomer stellen eigene Stücke vor, bei Jam Sessions stehen der Austausch und Experimente im Mittelpunkt.
Rund 600 musik-, theater-, tanz- und kunstbegeisterte Studierende füllen die vier Bühnen in 50 Auftritten mit Leben, unterstützt von Dozentinnen und Dozenten, Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sowie Alumni. Der Förderverein Hochschulkultur und das Kulturamt der Stadt Münster sind die beiden Veranstalter. Das Vereinsengagement ist ehrenamtlich.
Das Programm
Was auf der Bühne zu sehen ist, das ist diesmal bei einem „Speed-Dating“ interessierter Kulturgruppen entstanden. Zum ersten Mal werden auch junge Ensembles aus Münsters europäischen Partnerstädten mitmachen, mit 43 Studierenden aus Enschede, York, Kristiansand, Lublin und Winnyzja. Der Akademische Chor „Leontovich-Kapela“ aus dem ukrainischen Winnyzja stellte bei der Online-Bewerbung einen Rekord auf: Mit 24 Videoclips flutete die Gruppe das Vereinspostfach, darunter beispielsweise eine energiegeladene A-cappella-Version des Queen-Klassikers „Bohemian Rhapsody“.
Die Spielstätte
Das Große Haus feiert dieses Jahr 70-jähriges Bestehen – und wie das Konzept hinter „Neue Wände“ war das Gebäude ebenfalls experimentell für seine Zeit. Es steht für eine Kombination aus Tradition (zu sehen etwa an den Ruinen des Vorgängerbaus) und Moderne. Mit einer variablen Raumsituation lädt das Haus zu zeitgenössischen, neuen Theaterformen ein. Eine weitere Parallele: Hinter beidem, dem mutigen Nachkriegs-Neubau und dem ungewöhnlichen Festival, steht viel bürgerschaftliches Engagement und eine rege Spendentätigkeit.
Das Publikum
Im Großen Haus gibt es rund 1.000 Sitzplätze, im Kleinen Haus 280. Jedes der bislang fünf „Neue Wände“-Festivals zählte rund 5.500 Besucherinnen und Besucher. Darunter sind – wie auf der Bühne – viele junge Menschen, die zu dieser Gelegenheit das Gebäude an der Neubrückenstraße zum ersten Mal besuchen. Als die Coronapandemie überall zu Absagen führte, entwickelten die Studierenden digitale Alternativen für ihre Auftritte, den „PLAN B“. Das Publikum verfolgte den Livestream dieser Online-Ausgabe im Jahr 2020 vom heimischen Bildschirm aus.
Die Vorbereitung
Die Vorbereitung für das nächste Festival beginnt, sobald sich der Vorhang des aktuellen senkt und das Saallicht wieder angeht ... In diesem Fall war das Kick-Off-Meeting der Startschuss für die aktuelle „Neue Wände“-Auflage. Bis zum Einsendeschluss Ende November 2025 hatten sich mehr als 50 Projekte für die Teilnahme am Festival beworben.
Die Preise und Auszeichnungen
2010: Erste Auflage des Festivals. Auszeichnung als „National Hero“ im offiziellen Teil der Kulturhauptstadt Ruhr 2010
2012: Das Festival ist Bestandteil der erfolgreichen Bewerbung Münsters als „Stadt der Wissenschaft“.
2013: Teil der „Stadt der Wissenschaft 2013“, einer Auszeichnung des Stifterverbands, seitdem Plattform des Finales der Deutschen Meisterschaft im Science Slam
2015: Die Bürgerstiftung Münster zeichnet den Förderverein Hochschulkultur Münster e. V. mit dem Bürgerpreis aus.
2017: Das „Neue Wände“-Plakat wird als eines der 100 besten Plakaten im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet.
2023: Die Vorbereitungen zur ersten Ausgabe nach der Coronapandemie beginnen erst spät. Trotzdem stehen fast 600 Künstlerinnen und Künstler in über 40 Acts auf der Bühne im jeweils ausverkauften Großen und Kleinen Haus des Theaters.
2026: Erste europäische Ausgabe des Festivals und erste Förderung der „Neuen Wände“ als „Leuchtturmprojekt“ der Universitätsgesellschaft
Die Tickets
Der Vorverkauf beginnt am 1. April. Tickets für 3 bis 15 Euro gibt es online oder an der Theaterkasse (Tel. 0251 / 5909-100). Besonders die Abschlussgala „Tapetenwechsel“ am Sonntag ist oft schnell ausgebucht. Mit dem Kultursemesterticket erhalten Studierende für alle Vorstellungen der „Neuen Wände“ kostenlose Restkarten, falls vorhanden (ab eine Stunde vor Beginn). Tipp: Für die Veranstaltungen an den Vormittagen ist es meist leichter, spontan eine Eintrittskarte zu bekommen.
Autorin: Brigitte Heeke
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 2, 1. April 2026.