Archäologe Oren Tal kommt als Humboldt-Forschungspreisträger nach Münster
Sie kennen sich seit mehr als 20 Jahren, seit sieben Jahren arbeiten Prof. Dr. Oren Tal und Prof. Dr. Achim Lichtenberger zusammen. Im Laufe dieser Jahre hat sich eine gegenseitige Wertschätzung entwickelt, die man sogar während der Videokonferenz spürt, zu der die beiden Archäologen an diesem Februar-Tag aus dem fernen Israel eingeladen haben. 28 Grad zeigt das Thermometer an, als sie an einem staubigen Grabungsfeld in der Nähe der israelischen Stadt Beth She'an stehen und lebhaft beschreiben, wie gut sie sich in ihrer Arbeit ergänzen, wie viel sie verbindet.
Der Archäologe von der Universität Tel Aviv interessiert sich seit mehr als 20 Jahren für die materielle Kultur der heutigen Staaten Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie Palästina und der türkischen Provinz Hatay. Da sich in der Perserzeit von 539 bis 332 vor Christus das Judentum gründete, sind die Erkenntnisse von Oren Tal maßgeblich für die historische Einordnung der monotheistischen Religionsgeschichte.
Zudem hat sich Oren Tal auf die Fahnen geschrieben, die Ausgrabungsergebnisse anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu veröffentlichen. Seit Jahrzehnten schlummern diese Unterlagen in den Archiven. „Damit wird ein grundlegendes Problem der Archäologie sichtbar, denn Ausgraben heißt immer Kulturgut zerstören“, erklärt Achim Lichtenberger. Aktuell bleiben zu viele Ausgrabungen unpubliziert. Dadurch sind die gewonnenen Erkenntnisse für die Forschung nicht zugänglich.
Bei der Ausgrabung waren auch Studierende und Nachwuchswissenschaftler aus Münster vor Ort. Um sein Wissen über den levantinischen Raum der persischen und hellenistischen Periode weiterzugeben, hielt Oren Tal Vorträge auf dem Grabungsfeld. „Anhand von Keramik haben wir gelernt, was wir bei unserer Grabung erwarten und wie wir die Funde beurteilen können“, berichtet Doktorand Mattanja Bakker, der von Achim Lichtenberger und Oren Tal betreut wird.
Und was wird im Mittelpunkt seiner Arbeit in Münster stehen? Oren Tal hat sich vorgenommen, seine Forschung über den hellenistischen Urbanismus und die materielle Kultur vorantreiben.