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Münster (upm/kn).
Auf Vorschlag von Achim Lichtenberger (l.) erhält der israelische Archäologe Oren Tal den Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.<address>© Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie</address>
Auf Vorschlag von Achim Lichtenberger (l.) erhält der israelische Archäologe Oren Tal den Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.
© Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie

Archäologe Oren Tal kommt als Humboldt-Forschungspreisträger nach Münster

Archäologe Oren Tal ist als Humboldt-Forschungspreisträger zu Gast in Münster

Sie kennen sich seit mehr als 20 Jahren, seit sieben Jahren arbeiten Prof. Dr. Oren Tal und Prof. Dr. Achim Lichtenberger zusammen. Im Laufe dieser Jahre hat sich eine gegenseitige Wertschätzung entwickelt, die man sogar während der Videokonferenz spürt, zu der die beiden Archäologen an diesem Februar-Tag aus dem fernen Israel eingeladen haben. 28 Grad zeigt das Thermometer an, als sie an einem staubigen Grabungsfeld in der Nähe der israelischen Stadt Beth She'an stehen und lebhaft beschreiben, wie gut sie sich in ihrer Arbeit ergänzen, wie viel sie verbindet.

Die beiden Forscher arbeiten seit sieben Jahren zusammen – zuletzt bei einer Grabung in der Nähe der israelischen Stadt Beth She'an.<address>© Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie</address>
Die beiden Forscher arbeiten seit sieben Jahren zusammen – zuletzt bei einer Grabung in der Nähe der israelischen Stadt Beth She'an.
© Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie
Dieses produktive Miteinander wollen die beiden Hochschullehrer stetig ausbauen: Auch deswegen hat Achim Lichtenberger, der den Lehrstuhl für Klassische Archäologie an der Universität Münster innehat, Oren Tal mit Erfolg für den mit 80.000 Euro dotierten Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung vorgeschlagen – der Experte für die Verbindungslinien der hellenistischen Epoche in der südlichen Levante und der vorangegangenen Perserzeit wird im Sommersemester 2026 an der Universität Münster lehren und forschen. „Oren Tal zählt zu den führenden klassischen Archäologen Israels“, betont Achim Lichtenberger. „Uns verbindet das gleiche Forschungsinteresse. Unsere Expertisen ergänzen sich sehr gut“, lobt Oren Tal.

Der Archäologe von der Universität Tel Aviv interessiert sich seit mehr als 20 Jahren für die materielle Kultur der heutigen Staaten Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie Palästina und der türkischen Provinz Hatay. Da sich in der Perserzeit von 539 bis 332 vor Christus das Judentum gründete, sind die Erkenntnisse von Oren Tal maßgeblich für die historische Einordnung der monotheistischen Religionsgeschichte.

Zudem hat sich Oren Tal auf die Fahnen geschrieben, die Ausgrabungsergebnisse anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu veröffentlichen. Seit Jahrzehnten schlummern diese Unterlagen in den Archiven. „Damit wird ein grundlegendes Problem der Archäologie sichtbar, denn Ausgraben heißt immer Kulturgut zerstören“, erklärt Achim Lichtenberger. Aktuell bleiben zu viele Ausgrabungen unpubliziert. Dadurch sind die gewonnenen Erkenntnisse für die Forschung nicht zugänglich.

Bei der Ausgrabung waren auch Studierende und Nachwuchswissenschaftler aus Münster vor Ort.<address>© Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie</address>
Bei der Ausgrabung waren auch Studierende und Nachwuchswissenschaftler aus Münster vor Ort.
© Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie
Die Grabung im Februar südlich des See Genezareth Teil des Projekts „Tell Iztabba (Nysa-Skythopolis) – eine seleukidische Gründung im Nahen Osten“. Die Gründung der hellenistischen Siedlung auf dem Tell Iẓṭabba durch die Seleukiden geht auf die erste Hälfte des zweiten Jahrhunderts vor Christus zurück. Nur 50 Jahre später zerstörte die jüdische Dynastie der Hasmonäer die Stadt. Die hellenistische Zeit im Allgemeinen und das Reich der Seleukiden im Besonderen sind in dieser Region der Welt nicht gut erforscht. Die seleukidischen Ursprünge sind jedoch entscheidend für das Verständnis der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region.

Bei der Ausgrabung waren auch Studierende und Nachwuchswissenschaftler aus Münster vor Ort. Um sein Wissen über den levantinischen Raum der persischen und hellenistischen Periode weiterzugeben, hielt Oren Tal Vorträge auf dem Grabungsfeld. „Anhand von Keramik haben wir gelernt, was wir bei unserer Grabung erwarten und wie wir die Funde beurteilen können“, berichtet Doktorand Mattanja Bakker, der von Achim Lichtenberger und Oren Tal betreut wird.

Und was wird im Mittelpunkt seiner Arbeit in Münster stehen? Oren Tal hat sich vorgenommen, seine Forschung über den hellenistischen Urbanismus und die materielle Kultur vorantreiben.

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