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Münster (upm/ch).
Dr. Ahana Fernandez bei der Arbeit im tropischen Regenwald.<address>© Michael Stifter</address>
Dr. Ahana Fernandez liebt die Arbeit im tropischen Regenwald in Panama. Dort erforscht sie die akustische Kommunikation von Fledermäusen.
© Michael Stifter

Zweite Heimat im Regenwald

Ahana Fernandez leitet eine Emmy-Noether-Gruppe in der Abteilung für Verhaltensbiologie

Noch bevor die Sonne in Panama aufgeht, beginnt für Dr. Ahana Aurora Fernandez der Arbeitstag. Wenn sie für ihre Forschung im Regenwald ist, in der Regel einmal im Jahr für einige Monate, macht sich die Verhaltensbiologin früh morgens auf den Weg zum Tagesquartier „ihrer“ Fledermauskolonie. Kommen die Tiere mit Sonnenaufgang heim, hört sie zu, wie die Fledermausmännchen zu singen beginnen und die Mütter sich mit ihren Jungen „unterhalten“. Ahana Fernandez lauscht dem munteren Treiben nicht nur mit ihren Ohren. Sie nutzt zudem spezielle Mikrofone, denn die Tiere kommunizieren auch viel im Ultraschallbereich, den Menschen nicht wahrnehmen. Mit anderen Worten: Die 37-Jährige, die seit September 2025 als Emmy-Noether-Gruppenleiterin am Institut für Neuro- und Verhaltensbiologie der Universität Münster arbeitet, erforscht die akustische Kommunikation von Fledermäusen.

Die Große Sackflügelfledermaus in Panama sucht sich beispielsweise hohle Bäume oder Außenwände von Gebäuden als Tagesquartier. Nachts sind die Tiere unterwegs. Mit dem Gesang signalisiert das revierbesitzende Männchen seinen Weibchen bei der Heimkehr, dass keine Gefahr droht. Die „Unterhaltung“ zwischen den Jungtieren und ihren Müttern weist Parallelen zur menschlichen Kommunikation auf, fand Ahana Fernandez heraus. Die Jungtiere lallen einige Wochen lang wie Babys, die Fledermausmütter nutzen wiederum eine Art Babysprache im Umgang mit ihrem Nachwuchs. Diese Interaktion ist unter anderem wichtig, damit die jungen Männchen die komplexen Gesänge richtig lernen. „Mich interessiert, wie und warum Tiere kommunizieren und wie sich vokale Systeme entwickeln, auch auf neuromolekularer Ebene“, betont Ahana Fernandez, die ihre Forschungsergebnisse unter anderem in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht hat.

Die Schweizerin ist zweisprachig mit Deutsch und Spanisch aufgewachsen; ihr Vater ist Ecuadorianer. Sie studierte in Bern Biologie, bevor sie an der Freien Universität Berlin promovierte und anschließend, von 2020 bis 2024, am Museum für Naturkunde in Berlin als Postdoktorandin arbeitete. Nach einer Station am Ernst-Strüngmann-Institut in Frankfurt am Main wechselte sie an die Universität Münster. „In der Abteilung für Verhaltensbiologie habe ich ein spannendes Umfeld, in dem ich mir neue Expertisen aneignen kann, zum Beispiel über die Rolle von Hormonen und individualisierte Strategien“, sagt sie. Erst vor wenigen Wochen erhielt sie den Forschungspreis der Deutschen Wildtierstiftung, der ein neues Forschungsprojekt zu in Deutschland heimischen Fledermäusen ermöglichen wird.

Die Arbeit im Freien mag sie besonders gern; Gamboa ist zu ihrer zweiten Heimat geworden. Die kleine Siedlung liegt im Zentrum Panamas, umgeben von tropischem Regenwald. Ahana Fernandez ist während ihrer Aufenthalte dort zu Gast am Smithsonian Tropical Research Institute (STRI), dem sie als „Research Associate“ wissenschaftlich verbunden ist. 2015 war sie das erste Mal zu einem Forschungsaufenthalt am STRI. Mittlerweile kennt sie dort den Wald und die Menschen und weiß, wo die Fledermäuse zu finden sind. Mithilfe von Markierungen kann sie die Tiere, die sie teils über Jahre hinweg beobachtet, auseinanderhalten.

Da die Interaktionen zwischen den Tieren extrem schnell sind, macht sie Filmaufnahmen, die sie in Zeitlupe und in vergrößerten Ausschnitten anschauen kann. Auf die unmittelbare Beobachtung zu verzichten und allein auf eine Auswertung der Aufnahmen zu setzen, kommt für sie aber nicht infrage. „Man muss vor der Kolonie sitzen, um das große Ganze zu verstehen. Durch meine Beobachtungen vor Ort lerne ich viel über die Tiere. Auch meine Studierenden sollen diese Erfahrungen bei der Feldarbeit machen“, unterstreicht sie. An ihrem „zweiten Standbein“, der Forschung zur Kommunikation bei Kolibris, reizt sie das Neuland. „Die Kommunikation bei Kolibris, die als Einzelgänger leben, ist kaum erforscht. Aber sie verständigen sich mit einem Repertoire an Lautäußerungen, wenn sie sich an den Futterstellen treffen.“

Herausforderungen bei der Arbeit im Regenwald gibt es viele. Heftige Niederschläge machen die Arbeit zeitweise unmöglich. Die Trockenzeiten und starken Regenfälle verstärken sich durch den Klimawandel, was den Tieren zusetzt. An Ahana Fernandez haben sich „ihre“ Tiere gewöhnt, aber Fressfeinde können die Kolonie vertreiben – dann muss sie beim nächsten Forschungsaufenthalt zunächst eine andere Kolonie finden und behutsam mit ihren Beobachtungen neu beginnen. „Eine Kolonie in einem leerstehenden Haus habe ich über Jahre beobachtet. Leider haben aggressive Treiberameisen ausgerechnet dort ihr provisorisches Nest gebaut und die Fledermäuse vertrieben“, berichtet sie.

Fragt man Ahana Fernandez, weshalb die Kommunikation der Tiere sie so begeistert, erinnert sie sich an ihre Kindheit. Damals liebte sie die Kinderbücher über die Abenteuer von Doktor Dolittle, dem Arzt, der die Sprache der Tiere versteht.

Autorin: Christina Hoppenbrock

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 1, 4. Februar 2026.

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