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Münster (upm/jh).
Das Bild zeigt Carl Eickmann am Pult hinter seinem Laptop. Er zeigt den Jubiläumsband zum 100-jährigen Bestehen der münsterschen Universitätsmedizin in die Kamera. Hinter ihm ist ein großer Bildschirm mit einer Präsentation und lateinischen Vokabeln zu sehen.<address>© Uni MS - Julia Harth</address>
Carl Eickmann vermittelt seinen jüngeren Kommilitoninnen und Kommilitonen als Tutor die medizinische Fachsprache. Am Jubiläumsband zum 100-jährigen Bestehen der münsterschen Universitätsmedizin ist er als Autor beteiligt.
© Uni MS - Julia Harth

Durchblick im „Medizinerlatein“

Serie „Mein Studi-Job an der Uni Münster“: Carl Eickmann ist Tutor im Terminologie-Kurs

In der Medizin ist eine präzise und einheitliche Kommunikation unverzichtbar – Missverständnisse könnten fatale Konsequenzen haben. Schließlich ist die genaue Beschreibung von Symptomen oder Verletzungen für eine korrekte Behandlung unerlässlich. Für alle Medizinstudierenden im ersten Semester heißt es deshalb: Terminologie büffeln. An der Medizinischen Fakultät übernehmen ein Dutzend studentische Tutorinnen und Tutoren die Aufgabe, ihren jüngeren Kommilitoninnen und Kommilitonen das „Medizinerlatein“ beizubringen. Einer von ihnen ist Carl Eickmann. „Als ich den Kurs besucht habe, kam mir bereits die Idee, dass ich später selbst Tutor werden könnte. Es ist toll, sein Wissen und Tipps weitergeben zu können“, betont der 23-jährige Sauerländer, der im siebten Semester studiert. Doch zuerst musste er das Physikum absolvieren – das ist Voraussetzung für den Job.

Ein Semester lang leiten die Tutorinnen und Tutoren jede Woche ein 90-minütiges Seminar mit einer Kleingruppe von etwa 15 Studierenden, bei dem es um Begriffssysteme, Arzt-Patienten-Begegnungen, Deklinationen, Wortkunde oder Wortbildung geht. Wer bereits aus der Schule das Latinum mitbringt, muss nur den ersten Teil des Kurses besuchen – die abschließende Klausur ist jedoch für alle verpflichtend. Gestellt wird sie von Dr. Hans-Georg Hofer, Professor am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, an dem die Tutorinnen und Tutoren als studentische Hilfskräfte angestellt sind.

Grundlage für den Terminologie-Kurs ist ein 120-seitiges Skript, an dem sich alle orientieren und das jede Menge medizinischer Vokabeln enthält. „Wir haben trotzdem etwas freie Hand, können unsere eigenen Materialien erstellen und uns zum Beispiel Übungen überlegen“, erläutert Carl Eickmann. Die medizinische Fachsprache habe ihre Wurzeln vor allem im Lateinischen und Altgriechischen, basiere aber auch auf englischen und französischen Begriffen. Aus eigener Erfahrung wisse er, wo es kniffelig werden kann. Sein wichtigstes Ziel: „Möglichst viele sollen die Klausur auf Anhieb bestehen. Das ist eine große Verantwortung, aber auch eine tolle Abwechslung zum Lernalltag, wenn man selbst vorne am Pult steht“.

Und als wären das Medizinstudium und die Arbeit als Tutor nicht schon genug, hat Carl Eickmann im vergangenen Semester sein Talent als Autor entdeckt. Am Institut entstand unter der Herausgeberschaft von Hans-Georg Hofer und Vina Zielonka ein 760 Seiten starker Sammelband zum 100-jährigen Bestehen der münsterschen Universitätsmedizin. Mit einer weiteren studentischen Hilfskraft las er einzelne Kapitel Korrektur, prüfte die Bildrechte und Zitierweisen, erstellte das Personenverzeichnis und kürzte Texte. Schließlich wurde er gefragt, ob er ebenfalls ein Kapitel schreiben wolle. Gesagt, getan: Er widmete sich der Baugeschichte der Medizinischen Fakultät und ihrer Kliniken. „Das Schreiben war herausfordernd, weil es etwas ganz anderes und neu für mich war. Trotzdem war es spannend, mich so intensiv mit der Geschichte der eigenen Disziplin zu befassen“, blickt er zurück. In welche Richtung er sich später spezialisieren möchte, sei hingegen offen. „Ich warte meine Praktika ab und lasse mich überraschen, was auf mich zukommt.“

Autorin: Julia Harth

In der Serie „Mein Studi-Job an der Uni Münster“ stellen wir in loser Abfolge die Arbeit von studentischen Hilfskräften vor.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 1, 4. Februar 2026.

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