Ein Berufsleben für den Hochschulsport
Der Job, den die Sport- und Gymnastiklehrerin Nani Tubbesing im Jahr 1979 beim Hochschulsport (HSP) Münster übernahm, war nach Überzeugung ihres damaligen Chefs allenfalls für einen überschaubaren Zeitraum gedacht. „Nur bis du weißt, was du mit deiner Ausbildung machen willst und etwas Neues gefunden hast“, empfahl er ihr. Nani Tubbesing hielt sich nicht an diesen Rat. Im Gegenteil. Kurz vor Weihnachten 2025 und damit satte 46 Jahre später verabschiedete sich die gebürtige Gütersloherin aus den HSP-Hallen in den Ruhestand – nachdem sie ihr gesamtes Berufsleben beim Hochschulsport verbracht hatte. Sie begann als Übungsleiterin für Gymnastikkurse und übernahm im Laufe der Zeit immer mehr Verwaltungsaufgaben. Ihre letzten 15 Berufsjahre arbeitete sie im Büro. Ihre Aufgaben waren vielfältig: Planung des Kursprogramms, das mittlerweile rund 1000 Kurse im Breiten-, Gesundheits- und Leistungssport umfasst; Koordinierung der Übungsleiterinnen und -leiter; Verträge und Abrechnungen; Kontakte zum Sportamt, denn der HSP benötigt auch städtische Hallen, um alle Kurse unterzubringen; Schlüsselvergabe; ein offenes Ohr für die Kursteilnehmer und Obleute haben. Als wäre diese Redewendung für sie erfunden worden: Nani Tubbesing war im besten Sinne ein „Mädchen für Alles“. Nani Tubbesing, die eigentlich Christiane heißt, aber förmlich erschrickt, wenn jemand sie so anspricht, hat in fast fünf Jahrzehnten beim Hochschulsport vieles erlebt. Im Gespräch mit ihr wird allerdings schnell deutlich, dass es oft die kleinen, unscheinbaren Dinge waren, die im Kopf bleiben. Einige Anekdoten aus ihren 46 HSP-Jahren:
Technik – im Laufe der Zeit:
Als ich beim Hochschulsport anfing, hatten wir noch keine eigenen Drucker. Es gab einen Zentraldrucker im Rechenzentrum. Wir überlegten uns also gut, was wir drucken wollten. Außerdem benutzen wir noch Lochkarten zum Eingeben von Daten in den Computer. Apropos: Die Bildschirme waren damals entweder grün oder bernsteinfarben. Meiner war grün – wenn ich dann abends aus dem Büro kam, sah ich alles, was weiß war, für einige Stunden rosa. Und wenn ich an die Programmplanung denke! Meine damalige Chefin schrieb die Kursprogramme noch von Hand, hat all die Einträge hin- und herjongliert – sie schrieb und radierte, strich durch, schrieb neu. Ich brachte am Ende am Computer alles ins Reine, damit wir eine übersichtliche, druck- und lesbare Übersicht hatten. Zwar gab es damals noch nicht so viele Kurse wie heute, eine Heidenarbeit war es dennoch.
Sportarten – gestern und heute:
Es gibt im Hochschulsport viele Dauerbrenner. Zum Beispiel haben wir seit Beginn an Volleyball angeboten. Ohnehin sind Mannschaftssportarten ein wichtiger Bestandteil. Aber immer wieder gibt es sportliche Trends, und natürlich wollen wir am Puls der Zeit sein. Aber ich gebe zu, dass ich mich schon sehr gewundert habe, als plötzlich Quidditch ins Programm kam. Ob sich das wohl hält, habe ich mich gefragt. Der Hype um Harry Potter hat tatsächlich dazu geführt, dass Quidditch eine Zeitlang im Programm blieb. Mittlerweile ist das aber kein Renner mehr, also haben wir es gestrichen. Anders sieht das bei Lacrosse oder Floorball aus – zwei Hockeysportarten, die seit vielen Jahren sehr beliebt sind. Das hätte ich nicht erwartet, aber das war eben auch eine Erkenntnis aus über vier Jahrzehnten im Hochschulsport. Man hat ein gutes Gespür dafür entwickelt, was ankommt und was nicht. Überraschungen gab es dennoch immer wieder. Zum Beispiel, dass sich „Schnüffelspiele“ seit mehreren Jahrzehnten in unserem Programm halten. Witzig finde ich auch, dass manche Dinge einfach einen neuen, möglichst hippen Namen bekommen und damit offensichtlich nicht mehr als altbacken gelten. Zum Beispiel Body Pump, was früher einfach nur Gymnastik hieß.
Europäischer Austausch:
Ein berufliches Highlight war für mich das Forum des europäischen Hochschulsports – eine Zusammenkunft von Menschen, die in Europa an Hochschulen im Hochschulsport arbeiten. Diese Form des Austauschs hat mir immer Spaß gemacht, und es war spannend zu sehen, wie es in anderen Ländern läuft. Mir ist immer wieder aufgefallen, wie gut wir es haben hinsichtlich der Nachfrage. Sowohl die Studierende als auch die Beschäftigte haben uns die Bude eingerannt. Im Volleyball hatten wir kürzlich 1600 Personen auf der Warteliste. Das sieht in anderen Ländern anders aus. Andererseits haben beispielsweise die Hochschulsportler im norwegischen Trondheim extrem gute Bedingungen – danach lecken wir uns die Finger. Dort wird jede Ecke ausgenutzt, um Sport anzubieten. Die Hallen haben die höchsten Standards, dort gibt es alles, was man sich nur wünschen kann. Trotzdem muss man die Leute dort viel mehr animieren, um diese Angebote zu nutzen. Das gilt gerade für die Beschäftigten. Wir haben das umgekehrte Problem: Wir haben eine riesige Nachfrage, aber nicht genügend Hallen und Sportflächen. So herum war es mir aber immer noch lieber.
Wenn nicht immer alles glatt läuft…
Ich erinnere mich an eine Triathlon-Veranstaltung, die wir ausgerichtet haben. Vorweg: Unser Fehler war es nicht, aber an einer bestimmten Stelle sind die Führenden von der Strecke abgekommen, sie hatten einfach die Schilder übersehen. Die waren natürlich stinkig, weil das ihre Zeiten beeinflusst und den Rhythmus durcheinandergebracht hat. Zweites Beispiel: Beim Nikolausturnier mussten wir eine englische Mannschaft ausladen, weil die sich ein Jahr zuvor bei der Party so derartig betrunken und danebenbenommen hatten, dass wir kein zweites Mal riskieren wollten. Im Alltag passierten immer wieder Dinge, über die ich mich nur wundern konnte: Eine Gruppe, die einen Kurs mit Musik beginnen wollte, kam geschlossen zu uns runter. Angeblich war die Musikanlage defekt. Schließlich stellte sich heraus, dass sie schlicht und einfach den Power-Knopf nicht gedrückt hatten. So etwas kam öfter vor, als man meinen würde. Genauso wie telefonische Anfragen von Leuten, die einigermaßen verzweifelt wissen wollten, was man in den Kursen anziehen sollte...