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Münster (upm/tz).
Das Bild zeigt zwei Frauen und einen Mann, die in der Ausstellung im Stadtmuseum stehen und in die Kamera schauen. Links an der Wand sind Statistik-Zahlen erkennbar, im Hintergrund eine Beamer-Präsentation mit Forschungsergebnissen.<address>© Uni MS - Julia Harth</address>
Im Themenraum präsentieren Dr. Barbara Rommé (l.), Prof. Dr. Sarah Albiez-Wieck und Dr. Johannes Jansen unter anderem Umfrageergebnisse und kolonial geprägte Druckwaren.
© Uni MS - Julia Harth

Auf den Spuren der Kolonialzeit

Ausstellung nimmt Kolonialismus und seine Folgen in den Blick – Studierende bieten Führungen an

„Themenraum Kolonialismus“ – unter diesem Titel zeigt das Stadtmuseum Münster derzeit eine Ausstellung, die unter Mitwirkung der Universität entstanden ist. Vorrangig geht es um die Zeit von 1884 bis 1918, in der das deutsche Kaiserreich Kolonien in Afrika, China und dem pazifischen Raum besaß, und um die Frage, wie sich die Kolonialzeit bis heute auf die Gesellschaft auswirkt – insbesondere in Münster.

„Die Wahrnehmung von Kolonialismus hat sich über die Zeit verändert“, betont Prof. Dr. Sarah Albiez-Wieck vom Historischen Seminar der Universität Münster. „Während das Thema in den frühen Jahren der Bundesrepublik oft unter den Tisch fiel, rückte es infolge der Friedensbewegungen der Siebziger- und Achtzigerjahre in den Mittelpunkt.“ Insgesamt fünfzehn Kultur- und Bildungseinrichtungen präsentieren sich in der Ausstellung. Dazu zählen beispielsweise der Verein „Afrikanische Perspektiven“, das „Eine Welt Netz NRW“ und der westfälische Kunstverein.

Im Ausstellungsraum kann unter anderem eine digitale Präsentation mit kolonial geprägten Massendruckwaren begutachtet werden, die im Historischen Seminar entstanden ist. „Wir haben im August 2022 die ersten gemeinsamen Ideen für die Ausstellung entwickelt“, erzählt Dr. Barbara Rommé, die Direktorin des Stadtmuseums. Bereits im Wintersemester des gleichen Jahres begannen die Studierenden, Dokumente zu recherchieren, in denen sich koloniale Stereotype wiederfinden.

Um neben der historischen auch die gegenwärtige Sicht auf das Thema abbilden zu können, führte Dr. Johannes Jansen vom Institut für Didaktik der Geschichte eine repräsentative Umfrage mit mehreren Tausend Menschen in Deutschland durch, deren Ergebnisse in der Ausstellung zu sehen sind. Was wissen die Bürgerinnen und Bürger über die deutsche Kolonialzeit? Und wie denken sie heute darüber? Auch die Universität Münster mit ihrem Kulturfonds und die Universitätsgesellschaft Münster unterstützen die Ausstellung finanziell. Die Förderung fließt unter anderem in die Honorare der Studierenden, die Führungen anbieten. Die Ausstellung kann noch bis zum 15. Februar 2026 besucht werden.

Autor: Tim Zemlicka

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 7, 5. November 2025.

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