Auf ein Stück Mohnkuchen
Er hat viel zu tun, dieser Dr. Thomas Bauer. Aktuell, weil „100 Jahre Universitätsmedizin Münster“ in diesem Sommer gefeiert werden, und überhaupt. Immerhin arbeitet er als einziger hauptamtlicher Wissenschaftskommunikator an einem der komplexesten Fachbereiche der Uni, der Medizinischen Fakultät. Heißt: Er muss rund 2.200 Forscherinnen und Forscher, über 3.200 Studierende, rund 12.000 Webseiten, diverse Veranstaltungen und derzeit 22.967 Alumni überblicken, betreuen, pflegen sowie das Universitätsklinikum als Partner berücksichtigen.
Thomas Bauer sagt zwar, dass er mit dem Alter entspannter werde. „Auf meinem Grabstein wird wohl kaum stehen: ,Er hat die beste Pressemitteilung des Jahres 2025 geschrieben‘“. Doch wer ihn kennt, weiß, dass er nicht recht der Typ für Entspannung ist. Er hat oft lange Arbeitstage, ist für das Dekanat rund um die Uhr erreichbar, streitbar und meinungsstark, er hat viele Anekdoten zu erzählen und kennt sich gut aus. Er liebt es, für etwas zu brennen.
Und auch wenn er sagt, dass er nach Studium und Familiengründung einen „Job zum Broterwerb finden“ musste, stimmt das wohl nur zur Hälfte. Aber einen Schritt zurück: Thomas Bauer studierte in Münster mit Publizistik das, was heute Kommunikationswissenschaft heißt. Er promovierte zur Geschichte der deutschen Programmzeitschriften wie der „Hörzu“ – mit Erfolg. Die Arbeit mit Auszeichnung und 15 Rezensionen gilt noch heute als Standardwerk. „Wenn ich mitbekomme, dass mich jemand zitiert, freut mich das sehr“, sagt er mit einem Lachen. Alles war vorbereitet, Wissenschaftler zu bleiben. Doch sein Mentor, der Institutsdirektor, verstarb plötzlich. Und so musste Thomas Bauer, inzwischen Familienvater, umdisponieren und den zitierten Broterwerb sicherstellen.
Er verließ die Uni, arbeitete lange in einer Landeseinrichtung für nachhaltiges Bauen und Energieeffizienz, zuletzt als Vize-Chef. Doch damit war er der Zeit voraus, in den 1990ern waren Energie und Klima nicht die vorrangigen Themen der Politik, er verlor nach Kürzungen den Job. Diesen Rückschlag wusste Thomas Bauer aber zu nutzen. 2007 kehrte er an „seine“ Uni zurück und wurde Wissenschaftskommunikator in der Medizin. „Auch wenn sich der Traum, Professor zu werden, nicht verwirklichen ließ, so arbeite ich doch wieder an der Uni und trage dazu bei, Wissen weiterzugeben“, erklärt der „bekennende Ostwestfale“, der dennoch in Münster, der „besten Stadt Deutschlands“, kleben geblieben ist.
Umgeben von originalen Tour-Plakaten von The Cure, Iggy Pop und den Toten Hosen sorgt Thomas Bauer also seit beinahe 20 Jahren dafür, dass nicht nur die Fakultät und Universität gut informiert sind, was in der Medizin passiert. Auch der Öffentlichkeit bringt er Durchbrüche in der Forschung, Erfolge in der Lehre und Entwicklungen auf dem Campus nahe. Den Kontakt zu den Menschen, auch zu den nachfolgenden Generationen wie seinen studentischen Hilfskräften, schätzt er sehr. „Ich höre aber auch heute noch, dass ich nicht für den diplomatischen Dienst geeignet sei“, betont Thomas Bauer und nimmt es mit Humor und Gelassenheit, wenn man „sich auch mal fetzt“. Wichtig sei, dass man sich nach einer Meinungsverschiedenheit wieder in die Augen gucken könne – dabei helfe, dass an der Uni vor allem das bessere Argument zählt.
Allzu lange bleibt Thomas Bauer der Uni nicht mehr erhalten. Der Ruhestand rückt näher – was er sehr bedauert. Ab und zu denkt der Pressereferent an seine Abschiedsrede und ob er sie mit den Worten beginnen wird: „Ich habe für sechs Dekane gearbeitet, für vier Ärztliche Direktoren, für zwei Geschäftsführungen ...“ Bis dahin informiert er über die universitätsmedizinische Forschung und Lehre, freut sich über die „Zusammenarbeit mit angenehmen Menschen“ sowie „After-Work-Partys“ am Fachbereich und genießt trotz oder wegen der Arbeit auch sonst das Leben als Teilzeithedonist und Vollzeitpunk. Wie letzteres gemeint ist? „Punk ist ja keine Musikrichtung, sondern vor allem eine Lebenseinstellung. Ich bin froh, dass ich die bislang im Großen und Ganzen umgesetzt habe.“
Autor: André Bednarz
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 5, 16. Juli 2025.
Mit einem Stück Mohnkuchen im Gepäck besuchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit für jede Ausgabe Universitätsbeschäftigte, um mit ihnen über Besonderheiten ihres Arbeitsplatzes zu sprechen.