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Münster (upm)
Dominik Rudolph© privat
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Der erste Rechner der Welt: 80 Jahre Z3

WWU-Angehörige schildern, welche Bedeutung Computer in ihrem Alltag haben

Vor 80 Jahren, am 12. Mai 1941, stellte Konrad Zuse in Berlin den ersten frei programmierbaren, auf dem binären Zahlensystem (Gleitkommazahlen) und der binären Schaltungstechnik basierenden Rechner vor. Der Z3 hatte eine Speicherkapazität von 64 Wörtern und eine Taktfrequenz von 5 Hertz. Seitdem ist viel geschehen – WWU-Angehörige beschreiben, welche Bedeutung der Computer heute für sie hat und wie sich ihre Beziehung zu dem technischen Helfer verändert hat.

Dominik Rudolph, WWU IT:

Als Kind der 80er habe ich noch eine Zeit erlebt, als Computer klobige Kisten waren, die mangels schnellen Internets nur als Schreibmaschine und für pixelige Spiele geeignet waren. Dennoch haben sie mich schon damals fasziniert. Heute bin ich überall von Computern umgeben, nicht nur auf der Arbeit: der Fernseher, der meine Serien streamt, die Fitnessuhr, die meinen Puls checkt, die Stereoanlage, die meine Playlists spielt, selbst das Auto ist voller smarter Sensoren und Assistenten. Das omnipräsente Multitool, das Smartphone, wäre mir als Kind vorgekommen wie Magie: Das gesammelte Wissen der Welt passt in eine Hosentasche, Menschen und Waren aus fernen Ländern sind nur eine Handbewegung entfernt. In einigen Jahren kommt uns das vermutlich so altmodisch vor wie ein PC aus den 80ern, wenn uns vielleicht Quantencomputer heute kaum vorstellbare Dinge ermöglichen. In jedem Fall werde ich dann trotz aller Technikfaszination zur Entspannung gerne ein gedrucktes Buch lesen.

Reginald Schramm, Finanzbuchhaltung:

In der Finanzbuchhaltung sind Computer und Programme wie SAP heutzutage unersetzlich. Ich weiß allerdings vom Hörensagen, dass die neuste Technik an der WWU nicht immer selbstverständlich war. Kolleginnen und Kollegen, die es von früheren Stellen bereits gewohnt waren, am Bildschirm zu arbeiten, mussten an der WWU Buchungsbelege zunächst wieder per Hand ausfüllen. Erst Anfang der 90er Jahre wurden im Rahmen des Dezember-Fiebers PC und Drucker aufgestellt, die allerdings erst mit der Einführung der Buchungsprogramme KBS und FSV Monate später genutzt werden konnten. Mit Blick auf meinen heutigen Arbeitsplatz und die Digitalisierung der letzten Jahre erscheint diese Zeit kaum noch vorstellbar.

Viola Voß, Universitäts- und Landesbibliothek:

Meinen ersten Auftrag an einem eigenen Computer bekam ich Anfang der 1990er: Das Abtippen einer Hausarbeit meiner Mutter für ihr Kunstgeschichts-Studium an der WWU. Diverse Word-Versionen, Computergenerationen und eigene Studiengänge später habe ich diese txt-Dateien immer noch, während es kaum noch einen Lebensbereich gibt, der nicht „computerisiert“ ist: Ich unterhalte mich mit der Familie im Messenger, tausche mich mit Freunden in aller Welt und Mit-Musikern per E-Mail aus und diskutiere mit bibliothekarischen Kollegen in Videokonferenzen und Online-Foren – lediglich längere Texte lese ich lieber auf Papier. Die Ende 2019 eingeführten virtuellen Desktops für unsere Arbeitsplätze in der ULB erleichterten das „Corona-Heimbüro“ um ein Vielfaches! Den „analogen“ Austausch mit den Kollegen vor Ort können sie aber nicht ersetzen.

Prof. Dr. Jan Keupp, Center for Digital Humanities:

Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und ihre Computer sind längst ein symbiotisches Verhältnis eingegangen. Man könnte uns im alltäglichen Arbeitsprozess mit einigem Recht als hybride Handlungseinheiten von Mensch und Maschine (Bruno Latour), oder gar als Cyborgs (Donna Haraway) bezeichnen. Als Werkzeug erweitert der Rechner die Möglichkeiten unseres Forschens, ohne dabei menschliches Denken je ersetzen zu können. Denn die Welt lässt sich niemals vollständig in formalisierte Beziehungen fassen, geisteswissenschaftliches Verstehen nicht algorithmisch berechnen. Es gilt vielmehr, was Konrad Zuse selbst in einem Vorlesungsmanuskript von 1965 festhielt: „Elektronische Rechenmaschinen sind keine ‚Wundergeräte‘, die alles können, sondern setzen beim Benutzer ein grundsätzliches Verständnis für ihre Möglichkeiten und Grenzen voraus.“ So setzt die Erkenntnis, dass Computer unsere Forschung mitgestalten, unmittelbar das Nachdenken über das Wie in Gang.

Prof. Dr. Anne Remke, Institut für Informatik:

Ich war ungefähr fünf Jahre alt, als wir den ersten Computer im Haus hatten, ein IBM XT mit x86 Prozessor und Diskettenlaufwerk. Heutzutage ist meine Smartwatch circa hundertmal schneller als besagter Prozessor und das Arbeitsfeld einer Informatikerin so viel weiter, als es sich viele Leute damals vorstellen konnten. Als Wissenschaftlerin forsche ich unter anderem an der Sicherung der zuverlässigen Stromversorgung. Diese ist – wie viele andere Bereiche unseres täglichen Lebens – automatisiert und zum Teil über das Internet ferngesteuert. Daher müssen wir dafür sorgen, dass diese Kommunikation sicher ist und Hackerangriffe möglichst effektiv abgewehrt werden. Als Dozentin und Mutter einer schulpflichtigen Tochter genieße ich die vielfältigen Möglichkeiten, die die Digitalisierung uns mit Videos, Quizze und Online-Klausuren bietet, auch wenn all dies im schulischen Umfeld noch spärlich umgesetzt wird.

Pascal Geweniger, Student:

Computer kenne ich seit meiner Kindheit: zum Spielen und um hin und wieder ein Youtube-Video anzuschauen. Später, als ich erblindete, gab er mir neue Möglichkeiten. Ab der siebten Klasse benutzte ich Computer mit einer Sprachausgabe, die mir Texte vorlasen und als Texteingabeprogramm dienten. Jedes Jahr kommen mehr Optionen und Programme dazu, die mir helfen, den Alltag zu bewältigen. Neben der Sprachausgabe oder einer Software zum Scannen von Fotos besitzt heute fast jeder Rechner ein Programm, das mir dabei hilft, den Computer zu bedienen. Sogar Klausuren und Onlineseminare sind für mich hierdurch zur Normalität geworden. Ohne Computer wäre ich in der heutigen Gesellschaft aufgeschmissen.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung „wissen|leben“ Nr. 3, 19. Mai 2021.

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