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Münster (upm/nor)
Zweifach gutes Krisenmanagement: Die Dezernentinnen Eva Mundanjohl (l.) und Katja Graßl blicken zum Jahresende auf fordernde Zeiten zurück.<address>© WWU - MünsterView</address>
Zweifach gutes Krisenmanagement: Die Dezernentinnen Eva Mundanjohl (l.) und Katja Graßl blicken zum Jahresende auf fordernde Zeiten zurück.
© WWU - MünsterView

Mit Routine und doppeltem Einsatz

Bei Eva Mundanjohl und Katja Graßl laufen in der "Corona-Zeit" die Fäden zusammen – ein Porträt über ein Duo

Es waren nur noch wenige Tage bis zum Abflug, als Katja Graßl ihre Urlaubsreise nach Portugal, zu der sie am 14. März dieses Jahres aufbrechen wollte, stornierte. Freiwillig. „Mir war mit Blick auf die Vielzahl an beunruhigenden Nachrichten mulmig zumute“, erinnert sich die Personal-Dezernentin.

Ein ähnliches Gefühl beschlich Eva Mundanjohl, als der Kanzler sie am Freitag, den 13. März, in einem Anruf bat, ihre laufenden Bewerbungsgespräche zu unterbrechen, um sofort an einer Sitzung im Schloss teilzunehmen. „Ich wusste, dass es etwas Ernstes sein muss“, betont die Dezernentin für akademische und studentische Angelegenheiten.

Zwei Umplanungen, ein Grund: Corona. Mitte März war die Pandemie an der WWU angekommen. Mit Wucht. Aber noch ahnten Katja Graßl und Eva Mundanjohl nicht, dass SARS-CoV-2 ihren Arbeitsalltag und ihr Privatleben in den folgenden Wochen und Monaten in großen Teilen auf den Kopf stellen würde. Mit der gleichen Wucht.

Nicht, dass das Virus nicht schon vorher an der Universität Münster ein Thema gewesen wäre. Ende Februar hatte das Rektorat Reisen in die chinesische Provinz Hubei als Zentrum des Pandemie-Ausbruchs untersagt, die IT-Spezialisten der WWU bereiteten sich parallel dazu auf eine größere Nachfrage nach Telefonkonferenzen vor, Anfang März ging das erste Rundschreiben mit einem Hinweis auf eine spezielle Corona-Infoseite auf der WWU-Webseite raus. Aber noch gingen alle Verantwortlichen von einem normalen Lehrbetrieb ab Anfang April aus.

Das änderte sich schlagartig an besagtem Freitag. Der Tiroler Touristenort Ischgl und der Kreis Heinsberg dominierten zu diesem Zeitpunkt bereits als „Epizentren“ die Schlagzeilen, als sich eine große Runde mit Vertretern der WWU, FH, Kunstakademie, Universitätsbibliothek, der Medizinischen Fakultät, dem Arbeitsmedizinischen Dienst und einigen anderen Institutionen im Schloss zu einer Krisensitzung versammelte. Nicht zuletzt aufgrund der Gruppengröße entwickelte sich eine lange Diskussion, an deren Ende unter anderem feststand, dass es fortan neben einem weit kleineren Krisenstab zwei Planungsstäbe geben sollte: „Betrieb“ mit Katja Graßl und „Studium und Lehre“ mit Eva Mundanjohl an der Spitze. „Dass die Wahl auf mich fiel, war dem Zufall geschuldet, dass ich nach dem abgesagten Urlaub Zeit hatte“, meint Katja Graßl. „Und ich übernahm es, obwohl ich eigentlich keine Zeit hatte“, ergänzt Eva Mundanjohl und lacht dabei – sie war qua Amt die ideale Besetzung.

Mittlerweile überlagert Corona alles. Das gilt natürlich für viele Beschäftigte. Aber bei Katja Graßl und Eva Mundanjohl kommt im wahrsten Sinne des Wortes alles zusammen. Rundschreiben, Krisensitzungen, die Formulierung von Fragen und Antworten, die Beantwortung von zig E-Mails, Absprachen mit dem Arbeitsmedizinischen Dienst, dem AStA und den 15 Fachbereichen, die Vorbereitung von unzähligen Power-Point-Präsentationen und, und, und: Nahezu nichts geht in Corona-Fragen seitdem ohne das Duo, das auch so manchen Samstag und Sonntag zumindest teilweise im Schloss verbracht hat. „In den ersten Wochen habe ich nichts anderes gemacht“, unterstreicht Katja Graßl, die seit neun Monaten wie Eva Mundanjohl auch ihre eigentlichen Dezernats-Aufgaben mal mehr und mal weniger delegiert. „Aber die Monate danach waren ebenfalls nur wenig anders.“ Eva Mundanjohl fasst den „unglaublichen Kraftaufwand“ in zwei Zahlen zusammen: 24/7. „Gedanklich bin ich jeden Tag und rund um die Uhr auch bei diesem Thema – weil das Geschehen extrem dynamisch ist und unterschiedliche Anforderungen miteinander verbunden und alles gut kommuniziert werden muss.“

Wie gut, dass die beiden nicht nur beruflich, sondern auch persönlich bestens miteinander klarkommen und sich nahezu blind vertrauen. Und dass sie die WWU aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. Die Juristin Katja Graßl arbeitete von 2001 bis 2009 im Dekanat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, im Anschluss daran als Dezernentin für akademische und studentische Angelegenheiten und seit 2012 als Leiterin des Personaldezernats. Eva Mundanjohl studierte katholische Theologie und Germanistik an der WWU, sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Dekans an der Katholisch-Theologischen Fakultät, bevor sie ins Dezernat für akademische und studentische Angelegenheiten und später ins Prüfungsamt I wechselte – seit 2014 ist sie Leiterin des genannten Dezernats. Ein pastoral-juristisch geprägtes und freundschaftlich verbundenes Duo, das viel Routine im Zusammenspiel entwickelt hat.

Davon profitiert auch die Universität als Ganzes, die nach Meinung nahezu aller Beobachter die Corona-Krise bislang gut gemeistert hat. Es gab nicht nur wenige Beschwerden, sondern sogar Lob – das Gros der Studierenden und Mitarbeiter fühlte sich umfassend, schnell und transparent informiert. Insgesamt, betonen beide, habe die WWU trotz ihrer Größe und Vielschichtigkeit während der Pandemie einen großen Zusammenhalt bewiesen. „Neben uns beiden gab und gibt es viele Beschäftigte, die über sich hinausgewachsen sind“, unterstreicht Eva Mundanjohl. Und doch gelte es, (irgendwann) Lehren aus dieser für die nächste Extremsituation zu ziehen. „Wir brauchen meiner Meinung nach für solch große und lang anhaltende Notlagen eine schnell aktivierbare Struktur“, zählt Katja Graßl ein Beispiel auf. „Damit nicht diejenigen, die über grundsätzliche Fragen wie etwa die Prüfungs-Organisation beraten, gleichzeitig Schilder basteln und E-Mails beantworten müssen.“

2020 wird als das Corona-Jahr in unser aller Gedächtnis bleiben. „Einen solchen Einschnitt habe ich noch nie erlebt“, bilanziert Katja Graßl. Eva Mundanjohl nickt – und fügt eine ganz praktische Erfahrung aus den vergangenen Monaten hinzu: „Mein Espresso-Verbrauch ist rasant gestiegen.“

Norbert Robers

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 8, 16. Dezember 2020.

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