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Münster (upm/kk)
Maika Haimann, Sachverständige für Artenschutz und zertifizierte Baumkontrolleurin vom Grünen Zweig, kontrolliert eine rund 35 Meter hohe Kastanie im Schlossgarten.© WWU - MünsterView
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Verkehrssicherheit und Artenschutz im Einklang

Jährlich werden die Bäume auf dem WWU-Gelände inspiziert – zum Schutz des Menschen und der Tiere

Sie stehen in der Innenstadt, im Schlossgarten und auf dem naturwissenschaftlichen Campus rund um das Coesfelder Kreuz. Mehr als 4.000 Bäume befinden sich auf den Außen- und Gartenanlagen der WWU. Viele dieser Bäume weisen wertvolle Besonderheiten auf: zum Beispiel Höhlen, Risse, Spalten und Rindentaschen sowie Astausbrüche. Diese einzigartigen Strukturen sind wichtige und immer seltener werdende Lebensräume für viele Tierarten.

Doch einige dieser Besonderheiten machen die Bäume anfällig und können zu einer Gefahr für den Menschen werden. Daher müssen die Bäume jährlich auf ihre Verkehrssicherheit geprüft werden. Die Gärtnerinnen und Gärtner der WWU sowie das Baumpflege-Unternehmen „Grüner Zweig“ haben den Zustand der Bäume stets im Blick, insbesondere die Stand- und Bruchsicherheit der Krone sowie des Stamms und Wurzelbereichs. „Sowohl die Überprüfung der Verkehrssicherheit als auch die Beachtung der artenschutzrechtlichen Vorgaben sind gesetzlich gefordert“, erläutert Sebastian Siebrecht, Leiter der Abteilung Außen- und Gartenanlagen des Dezernats für Gebäudemanagement der WWU. Der Universität sei es ein wichtiges Anliegen, Tiere und deren Lebensstätten an und in Bäumen zu schützen und zu bewahren. Dadurch unterstütze sie die nachhaltige Entwicklung und Erhaltung strukturreicher Bäume, ist sich Sebastian Siebrecht sicher.

Besonders schützenswert sind die Baumdenkmäler der WWU die unter Naturschutz stehen; wie etwa der rund 20 Meter hohe Urweltmammutbaum vorm Fürstenberghaus in der Innenstadt oder die fast 200-jährige Platane hinter dem Schloss. Doch was wird unternommen, wenn Naturschutz und Verkehrssicherheit kollidieren? „Muss ein Baum aus Sicherheitsgründen gefällt oder eingekürzt werden, hat aber zugleich einen hohen Erhaltungswert für den Artenschutz, erarbeiten wir ein individuelles Schutzkonzept pro Baum“, erklärt Maika Haimann. Als Sachverständige für Artenschutz und zertifizierte Baumkontrolleurin vom Grünen Zweig arbeitet sie bereits viele Jahre mit der WWU zusammen.

Ein aktuelles Beispiel für ein solches Schutzkonzept ist eine rund 35 Meter hohe Kastanie im Schlossgarten. „Wir haben Fäulnishöhlen im Stamm entdeckt, die die Stabilität des Baums gefährden. Da die Höhlen zeitgleich Lebensraum für Eichhörnchen und andere Tiere darstellen, ist der Baum mit seinen Lebensstätten wildlebender Tiere und Pflanzen nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu schützen“, erklärt die Expertin weiter. Doch Sicherheit geht vor – vor allem im Schlossgarten, in dem täglich viele Besucher unterwegs sind. Die Kastanie muss rund 15 Meter eingekürzt werden, Alternativmaßnahmen zum Erhalt der vorhandenen Höhlung in der Krone scheiden hier aus. Dazu ist eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde erforderlich. Den übrig bleibenden Stamm können die Tiere weiterhin als Lebensraum nutzen.

Ein paar Meter von der Kastanie entfernt, steht eine rund 100 Jahre alte Linde – auch hier kollidieren Aspekte des Naturschutzes und der Sicherheit. Gefällt werden muss sie trotzdem nicht. „Die Baumkrone der Linde sichern die Experten mit Gurten an Nachbarbäumen. Dadurch können Tiere sie noch viele Jahre als Brut-, Nist- oder Lebensraum nutzen“, sagt Sebastian Siebrecht. Bei den diesjährigen Untersuchungen fanden die Experten viele wertvolle Habitatstrukturen vor, die geschützten Wildtierarten wie zum Beispiel Fledermäusen, Eichhörnchen und Siebenschläfern, Staren, Meisen und Kleibern, aber auch Erdkröten und Hornissen als Lebensstätte dienen können oder bereits dienten.

 

Abteilung Außen- und Gartenanlagen an der WWU

Die gut 20 Personen starke Abteilung unter der Leitung von Sebastian Siebrecht ist zuständig für die Pflege, Instandhaltung und Verkehrssicherung der Außenanlagen auf Flächen der WWU und ihren Anmietungen. Zu dem Fachpersonal gehören Gärtner, Maschinenschlosser, Maler und Maurer. Konkrete Aufgaben umfassen beispielsweise den Hecken- und Gehölzschnitt, die Reinigung und Instandhaltung der befestigten Flächen, die Umgestaltung der Vegetationsflächen sowie den Winterdienst.

 

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 6, 14. Oktober 2020.

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