Maskierte Gefühle
Wut ist sofort sichtbar - alle anderen Gefühle sind dagegen nicht so leicht am Gesichtsausdruck eines Gegenübers abzulesen, wenn dessen Mund- und Nasenpartie bedeckt ist. Das ergab eine aktuelle Umfrage von Master-Studierenden der Verhaltensbiologie unter etwa 120 Teilnehmern. Die Studierenden untersuchten zudem, wie sehr sich weitere Empfehlungen zur Eindämmung der Pandemie bereits durchgesetzt haben.
Beim Thema „Kommunikation“ ging es darum, ob verschiedene Emotionen im Gesicht einer Person unterschiedlich gut erkannt werden, und zwar abhängig davon, ob diese Person eine Alltagsmaske trägt. Dafür erstellten die Masterstudierenden Katharina Meyer zu Riemsloh und Lukas Maas einen Online-Fragebogen mit Porträts. Bei jedem gaben die Teilnehmer an, welche Emotion sie auf dem Bild erkennen konnten. „Das Ergebnis war deutlich“, fasst Dozentin Dr. Viktoria Krakenberg zusammen. „Alle Gefühle außer Wut wurden mit Maske schlechter erkannt.“ Die Masken seien jedoch ein wichtiger Baustein zu Eindämmung der Pandemie. „Am besten macht man sich daher bewusst, dass es zurzeit nicht immer einfach ist, die Gefühlslage anderer auf einen Blick einzuschätzen“, rät die Verhaltensbiologin. Daher sei es aktuell empfehlenswert, ab und zu deutlicher als üblich zu sagen, was man gerade fühlt. Immerhin habe ein Großteil der Versuchspersonen ein Lächeln allein an der Augenpartie erkannt – beim Thema Wut waren es dagegen 100 Prozent.
Zusätzlich zum Tragen von Alltagsmasken, der Handhygiene und dem Abstandhalten empfehlen Virologen, darauf zu achten, Mund, Nase und Augen möglichst wenig zu berühren, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Ob das klappt, untersuchten die Studierenden in einem zweiten Projekt. Dazu zählten sie in Talkshows nach, wie häufig sich die Talk-Gäste vor und seit der Corona-Pandemie bewusst oder unbewusst ins Gesicht fassten. Der statistische Vergleich der Daten war demnach ernüchternd: Ein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit des „Sich-ins-Gesicht-Fassens“ war nicht feststellbar. Dies könne jedoch auch an der künstlichen Situation einer Talkshow liegen, deren Teilnehmer vor der Kamera möglicherweise ohnehin anders gestikulieren als in ihrem Alltag.
Beide Projekte fanden als „Forschendes Lernen“ in der Abteilung für Verhaltensbiologie am Fachbereich Biologie der WWU Münster statt.