Bulgarische Akademie ernennt Prof. Dr. Ralf Gleser zum Ehrenmitglied
Die Bulgarische Akademie der Wissenschaften hat Prof. Dr. Ralf Gleser, Leiter der Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie des Historischen Seminars der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), zu ihrem Ehrenmitglied ernannt. Damit würdigt die Fachgesellschaft die langjährigen Beziehungen des münsterschen Forschers zur Archäologie Bulgariens seit Mitte der 1980er Jahre und die wissenschaftlichen Verdienste bei der Auswertung der Ausgrabungen an einem kupferzeitlichen Siedlungshügel bei der Ortschaft Drama in Südbulgarien.
Bei den langjährigen Grabungen gelang Ralf Gleser und seinem Team der Nachweis, dass es während des Neolithikums und der Kupferzeit auf der südlichen Balkanhalbinsel sowohl Phasen eines Bevölkerungsanstiegs als auch längere Perioden des Bevölkerungsrückgangs und sogar der „Entvölkerung“ größerer Areale gab. Die Kupferzeit umfasst das 5. Jahrtausend und die erste Hälfte des 4. Jahrtausends vor Christus. „Insbesondere in der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends vor Christus gibt es in ganz Südbulgarien, einer für Bodenbau sehr fruchtbaren Region, nur sehr wenige Hinweise auf Besiedlung. Davor und danach gibt es aber zahlreiche Siedlungsnachweise. Dadurch werden siedlungsarchäologische Ergebnisse für andere Landschaften Mittel- und Südosteuropas bestätigt. Sie weisen darauf hin, dass wir in der Vorgeschichte nicht grundsätzlich mit einem linearen Anstieg wirtschaftlicher und sozialer Organisation rechnen können“, erläutert Ralf Gleser seine Forschungsergebnisse. „Ursachen dafür dürften unter anderem zu starker Ressourcenverbrauch, klimatische Faktoren, aber auch soziale Konflikte in den zu groß gewordenen Gesellschaften gewesen sein.“
Ralf Gleser ist seit November 2008 als Professor für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie an der WWU tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Neolithikum und die Kupferzeit in Mittel- und Südosteuropa. Außerdem forscht er zu den Kelten und den kulturellen Wandlungsvorgängen, die mit der Eroberung durch die Römer verbunden sind.