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Münster (upm)

Weltweit größter Kongress der Sportpsychologie beginnt am 15. Juli an der WWU

Vorfreude auf den Kongress der Sportpsychologie: Dr. Dennis Dreiskämper (v.l.n.r.), Prof. Dr. Anne-Marie Elbe, Dr. Barbara Halberschmidt und Prof. Dr. Bernd Strauß<address>© WWU – Thomas Austermann</address>
Vorfreude auf den Kongress der Sportpsychologie: Dr. Dennis Dreiskämper (v.l.n.r.), Prof. Dr. Anne-Marie Elbe, Dr. Barbara Halberschmidt und Prof. Dr. Bernd Strauß
© WWU – Thomas Austermann

Vom 15. bis 20. Juli findet in Münster der 15. „European Congress of Sport and Exercise Psychology“ statt. Der weltweit größte Kongress der Sportpsychologie steht unter dem Motto „Building the Future of Sport and Exercise Psychology“. Die Gäste aus aller Welt feiern zugleich den 50. Geburtstag der Europäischen Gesellschaft für Sportpsychologie (FEPSAC). Wissenschaftler halten Vorträge und diskutieren mit den Teilnehmern. Die Veranstaltung garantiert ein exzellentes wissenschaftliches und praxisorientiertes Programm mit zahlreiche Workshops, Poster-Ausstellungen und Symposien sowie abwechslungsreiche Freizeitveranstaltungen.

Das Werbevideo kündigt eine „großartige Geburtstagsfeier“ an. Mitten in Münster, mitten im Sommer. 50 Jahre alt wird die FEPSAC (Fédération Européenne de Psychologie des Sports et des Activités Corporelles), die Europäische Gesellschaft für Sportpsychologie. Allein die Zahl der Geburtstagsgäste ist beeindruckend: Rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden für die Feier anreisen, zu der die Universität Münster mit dem Land Nordrhein-Westfalen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Stadt Münster und zahlreichen anderen Unterstützern vom 15. bis 20. Juli eingeladen hat. Wobei ebenfalls feststeht, dass die Gäste nicht nur feiern werden – rund 950 sportpsychologische Tagungsbeiträge stehen auf dem Programm.

Der 1969 im französischen Vittel gegründeten FEPSAC gehören 24 nationale Verbände an. Als Präsidentin führt Prof. Dr. Anne-Marie Elbe, seit Februar 2018 Professorin für Sportpsychologie an der Universität Leipzig, die wissenschaftliche Gesellschaft an. Immer motiviert von dem Gedanken und Wunsch, Europa näher zusammen zu bringen. „Es muss unser Bestreben sein, Ungleichgewichte in Europa abzubauen und beispielsweise Minimalkriterien für die Zertifizierung von Sportpsychologen zu formulieren und die Ausbildungsinhalte anzugleichen“, betont sie. Auch eine europaweite Datenbank sei wünschenswert, in der alle in der Angewandten Sportpsychologie Tätigen aufgeführt sind – zum Beispiel, um sich als Dienstleister gegenüber Verbänden zu positionieren.

Auch die nationale Fachgesellschaft für Sportpsychologie, die asp (Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie), deren fast 500 Mitglieder gerade Präsident Prof. Dr. Bernd Strauß zum vierten Mal in seinem Amt bis 2021 bestätigten, ist ein FEPSAC-Mitglied. Bernd Strauß leitet seit 1998 den Arbeitsbereich Sportpsychologie am Institut für Sportwissenschaften der WWU. Die asp ist übrigens auch 50 Jahre alt – gegründet wurde sie seinerzeit in Münster am Horstmarer Landweg am damaligen Institut für Leibesübungen. Somit schließt sich zur richtigen Zeit mit der Kongress-Ausrichtung ein Kreis. Doch das ist lange nicht der einzige Grund, weswegen der FEPSAC-Kongress in Münster stattfindet.

Der WWU-Arbeitsbereich Sportpsychologie gehört mit seinen über 15 Mitgliedern zu den größten in Deutschland, ist international bekannt und weltweit gut vernetzt. Die Forschung des Arbeitsbereichs umfasst die ganze Bandbreite der Sportpsychologie, etwa zur Optimierung von Leistungen im Spitzensport oder zu sozialen Einflüssen im Sport. Der Arbeitsbereich beschäftigt sich auch mit der Förderung von Kindern oder Patienten durch Bewegung. Darüber hinaus sind die Wissenschaftler intensiv im Anwendungs- und Transferbereich tätig, beispielsweise in der sportpsychologischen Beratung und Betreuung von Spitzenathleten und Vereinen.

Für die sogenannten „key notes“ erwarten die münsterschen Gastgeber prominente Redner. Prof. Dr. Brett Smith aus dem britischen Birmingham wird darüber sprechen, wie die Sportpsychologie mit empirischen Forschungsmethoden einhergehen kann. Aus Australien reist Prof. Dr. Ben Jackson (Perth) an, um über die Möglichkeiten von Bewegungsprogrammen in der Prävention von Risikofaktoren wie Übergewicht und in der Phase der Rehabilitation zu sprechen. Aus Finnland kommt Prof. Dr. Tatiana Ryba, die die Bedeutung einer kulturell sensitiven Sportpsychologie vertritt und in ihrer Forschung rund um transnationale Sportkarrieren vorantreibt. Im Zeitalter der Globalisierung richtet sie ihr Augenmerk auf ein politisches und gesellschaftlich drängendes Thema – wie der Sport bei der Integration von Migranten helfen kann.

Der Großkongress, der alle vier Jahre veranstaltet wird, bietet neben den Hauptvorträgen ein volles Programm, beispielsweise mit (Praxis-)Workshops, Vorträgen, Symposien, Panels, Poster-Ausstellungen und Nachwuchswettbewerben. Die Gäste sollen dabei von kurzen Wegen profitieren: Alle Veranstaltungen finden im Dreieck von Schloss, dem Hörsaalkomplex am Schlossplatz und dem Vom-Stein-Haus statt. Im größeren Umkreis platziert sind die außerordentlichen Events – im LWL-Museum für Kunst und Kultur steigt die Eröffnung, im Erbdrostenhof eine VIP-Veranstaltung zum 50. FEPSAC-Geburtstag, im Speicher 10 der Gala-Abend. Ein sportliches Miteinander in der freien Zeit wird auch organisiert.

Öffentliche Veranstaltung:

Die Öffentlichkeit ist zu einer speziellen Veranstaltung ebenfalls eingeladen und willkommen. Am Dienstag, 16. Juli, steigt von 19 bis 21 Uhr im Hörsaalgebäude am Schlossplatz (H1) ein Science-Slam mit Musik und Show. In diesem Wettbewerb werden vier populärwissenschaftliche Kurzvorträge innerhalb von zehn Minuten mit dem Ziel gehalten, die jeweilige Botschaft unterhaltsam verständlich zu machen. Das Publikum wird zur Abstimmung über eine Mobil-App gebeten, dieses Urteil fließt in die Jury-Entscheidung ein.

Autor: Thomas Austermann


Kurz nachgefragt

Prof. Dr. Bernd Strauß ist Leiter des Arbeitsbereichs Sportpsychologie an der WWU und Leiter des FEPSAC-Kongresses

Empfinden Sie es als eine Auszeichnung, dass ausgerechnet der Jubiläumskongress, also zum 50. Jahrestag der FEPSAC an der WWU stattfindet?

Ja, selbstverständlich. Es ist eine sehr große Ehre, aber auch herausfordernd, diesen Kongress, der alle vier Jahre stattfindet, ausrichten zu dürfen. Wir haben 2015 in einem europaweiten kompetitiven Verfahren den Zuschlag unter mehreren Bewerbungen erhalten. Der Jubiläums-Kongress wird mit etwa 1000 Teilnehmern aus allen Kontinenten und mit rund 950 Beiträgen der größte Sportpsychologie-Kongress in Europa sein.

Welche Themen stehen an den fünf Kongresstagen im Mittelpunkt?

Die gesamte Themenbreite ist vertreten. Dies betrifft den Leistungssport, von der Talentfindung bis zur individuellen Leistungssteigerung durch Mental- und Motivationstrainings. Es geht beispielsweise um die duale Karriere, um den Erhalt und die Wiederherstellung von Gesundheit, etwa bei psychischen Erkrankungen von Sportlern, aber auch um sportpsychologische Interventionen in der Schule und im Freizeit- und Gesundheitssport, wie etwa bei Schlaganfallpatienten. Weitere Themen werden die Nutzung von digitalen Medien und der Beitrag der Sportpsychologie für die Auswirkungen der Migration von Menschen sein. Schließlich werden wir uns auch dem Thema Doping widmen.

Wie schätzen Sie den Stellenwert der WWU-Sportpsychologie international ein?

Ich richte diesen Arbeitsbereich konsequent international aus. Alle der mehr als 15 Mitglieder publizieren fast ausschließlich in internationalen Journals, fast alle tragen jedes Jahr regelmäßig bei internationalen Kongressen vor, wir haben weltweit zahlreiche Kooperationspartner. Ich leite mit einem Kollegen aus Perth in Australien seit 2011 verantwortlich die weltweit erfolgreichste sportpsychologische Zeitschrift, das FEPSAC-Journal „Psychology of Sport and Exercise“. Kurzum: Die WWU-Sportpsychologie gehört mittlerweile zu den international sehr bekannten Standorten.

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