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Münster (upm)

Nachwuchsförderung: Ein internationaler Auftrag

Die Unterstützung akademischer Talente ist eine Herausforderung für Universitäten – drei Gastbeiträge aus Basel, Zürich und Wien
Agnes Hess<address>© Universität Basel</address>
Agnes Hess
© Universität Basel

„Exzellente Infrastruktur ist die Basis“

Zum Grundauftrag der Universität gehört die Sicherung des akademischen Nachwuchses. Die Zielrichtung ist eine doppelte: Zum einen geht es um die Aus- und Weiterbildung, welche junge Akademiker befähigen soll, verantwortungsvolle berufliche Aufgaben in Wirtschaft und Gesellschaft zu übernehmen. Die fundierte Ausbildung des akademischen Nachwuchses wird erreicht durch die Etappierung und Strukturierung von Ausbildungsgängen (Bachelor, Master) sowie durch attraktive Doktorandenprogramme.

Zum zweiten geht es um die spezifische Förderung derjenigen Nachwuchsforscher, die befähigt sind, durch eigene herausragende wissenschaftliche Leistungen in Forschung und Lehre im Rahmen eines internationalen Umfeldes einen innovativen Beitrag zu leisten. Aus diesem Grund legt die Universität Basel größten Wert auf die Qualität in der Lehre (Hochschuldidaktik und Lehrpreise wie die Teaching Excellence Awards) und Forschung – letzteres ermöglicht durch exzellente Forschungsinfrastruktur als Basis einer starken, international ausgerichteten Forschungsuniversität mit einem hohen Anteil an eingeworbenen Forschungsgeldern.

Das wesentliche Forschungs-Know-how erhält der wissenschaftliche Nachwuchs in den Forschungsgruppen. Zur weiteren Karriereförderung gehören Mobilitätsprogramme für junge PostDocs, die ihr wissenschaftliches Profil an ausländischen Top-Institutionen schärfen und ihr Netzwerk erweitern wollen, karriererelevante universitäre Stellen wie Assistenzprofessuren mit und ohne Tenure-Track-Option sowie spezifische nationale und internationale Förderprogramme für hochqualifizierte Forscher, die ihre wissenschaftliche Eigenständigkeit im Hinblick auf eine permanente Professur unter Beweis stellen wollen.

Begleitend unterstützt werden Nachwuchsforscher auf dem Weg in die wissenschaftliche Unabhängigkeit durch ergänzende Förderbeiträge wie Forschungsfonds, durch einen finanziellen Beitrag bei der Teilnahme an internationalen Kongressen, durch Entlastungsbeiträge für Eltern sowie durch spezielle Mentoringprogramme für Frauen. Denn nach wie vor bleibt die Erhöhung des Anteils von Frauen in führenden Positionen ein großes Anliegen.

Agnes Hess ist Leiterin der Nachwuchsförderung an der Universität Basel.

 

„Ein Code of Practice sorgt für Transparenz“

Dr. Lucas Zinner<address>© privat</address>
Dr. Lucas Zinner
© privat
Die Universität Wien denkt Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gemeinsam. Seit Jahren sind beide Agenden in einem Ressort im Rektorat und werden von einer zentralen Dienstleistungseinrichtung gebündelt. In mehreren Reformschritten wurde die Doktorandenausbildung weiterentwickelt. Der letzte große Schritt steht nun bevor. Drei Ziele leiten das Vorhaben: strukturelle Einbettung, umfassende Betreuung und finanzielle Absicherung.

Die strukturelle Einbettung fördert die wissenschaftliche Sozialisation, die immer im Fach stattfindet. Die Curricula geben den stundenrechtlichen Rahmen vor, unterstreichen den Projektcharakter durch Meilensteine und jährliche Berichte. Die Doktorandenprogramme bestimmen autonom über die Inhalte und das Lehrprogramm.

Betreuung durch die Wissenschaftler bleibt essenziell. Ein Code of Practice sorgt für Transparenz und klärt Erwartungen. Komplimentiert wird die Betreuung durch Trainingsangebote zur fachübergreifenden Kompetenzentwicklung.

Mit der finanziellen Absicherung steigt die Wahrscheinlichkeit, die Promotion abzuschließen, um das Drei- bis Vierfache. Angepeiltes Ziel der nächsten Jahre ist daher, dass zumindest 50 Prozent aller aktiven Promovierenden eine Anstellung an der Universität Wien haben, um sich so voll auf die Erwerbung ihres Doktortitels konzentrieren zu können. Dazu werden Drittmitteleinwerbungen zur Finanzierung von Promovierenden durch Universitätsmittel erhöht und die Mittel für die Programme somit insgesamt verdoppelt. Auf diese Weise sollen für die Doktorandengehälter zukünftig etwa 60 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen.

Die PostDocs sind als Zielgruppe schwieriger zu greifen. Wenig Strukturen, unklare Aufgabenstellungen und vor allem das unklare Ziel am Ende der PostDoc-Zeit stellen Herausforderungen bei der Entwicklung von Maßnahmen dar. Aktuell sind wir dabei eine Strategie zu entwickeln und können künftig vielleicht mehr dazu berichten.

Bei Weitem nicht allen Nachwuchswissenschaftlern kann die Universität Wien eine akademische Karriereperspektive bieten, sehr wohl aber einen ehrlichen Umgang mit ihnen, damit diese auf eine inspirierende, wenn auch fordernde Lebensphase mit guten Erfahrungen zurückblicken können.

Dr. Lucas Zinner ist Leiter der Dienstleistungseinrichtung „Forschungsservice und Nachwuchsförderung“ der Universität Wien.

 

„Überfachliche Kompetenzen fördern“

Dr. Claudine Leysinger<address>© privat</address>
Dr. Claudine Leysinger
© privat
Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist für die Universität Zürich (UZH) ein strategischer Fokus. Über die vergangenen Jahre wurden Doktorandenprogramme und Graduiertenschulen geschaffen, mehr Stipendien zur Verfügung gestellt und der Graduate Campus (GRC) als gesamtuniversitärer Dienstleister aufgebaut. Die Aktivitäten des GRC für Doktoranden und Postdoktoranden werden stark genutzt und haben große Strahlkraft. Gute Erfahrung haben wir mit einer vielschichtigen Förderung gemacht.

Durch Kursprogramme und die Vergabe von Fördermitteln stärkt der GRC die überfachlichen Kompetenzen und die Eigeninitiative von Nachwuchsforschenden. Das Kursangebot passen wir kontinuierlich an: seit 2018 mit Improvisation, einer konstruktiven Art mit dem Scheitern in der wissenschaftlichen Arbeit umzugehen, Design Thinking, der Entwicklung neuer Ideen, sowie Storytelling und Storyboarding, um die Wissenschaftskommunikation zu professionalisieren.

Der GRC setzt sich für eine kontinuierliche und transparente Qualitätssicherung der Promotion ein. Mit einem Best-Practice-Leitfaden für den Weg zum Doktortitel wollen wir den Kulturwandel in der Betreuung von Doktoranden positiv mitgestalten. Unsere Jahresveranstaltung im November 2019 widmen wir daher dem Thema Betreuung und Mentoring.

Außerdem bieten wir den Nachwuchsforschern sorgfältig kuratierte Informationen und vernetzen sie untereinander. Wir unterstützen sie aber auch im Dialog mit der Öffentlichkeit, zum Beispiel im Rahmen der Ausstellung „100 Ways of Thinking. Universität Zürich in der Kunsthalle“. Durch die Verschränkung von Ausstellung und Wissenschaftsfestival in einer renommierten Institution für zeitgenössische Kunst in Zürich gelang es 2018, über 100 Tage in den Austausch mit der Öffentlichkeit zu treten. Die Ausstellung, organisiert vom GRC, zog mehr als 14.000 Besucherinnen und Besucher an.

Wir freuen uns darauf, uns mit Kollegen anderer Hochschulen auszutauschen. Sie finden uns über unsere Webseite www.grc.uzh.ch oder über die sozialen Medien (Twitter: @GraduateCampus, Facebook: @grc.uzh).

Dr. Claudine Leysinger ist Geschäftsführerin des Graduate Campus‘ der Universität Zürich.

 

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung „wissen|leben“ Nr. 4, 5. Juni 2019.

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