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Münster (upm)

Alternative Karrierewege: Mit dem Doktortitel ins Wissenschaftsmanagement

"Mir war schon im Studium klar, dass ich meinen Arbeitsalltag nicht im Labor verbringen möchte"
Dr. Sarah Eligehausen<address>© privat</address>
Dr. Sarah Eligehausen
© privat

„Du bist promovierte Biologin und arbeitest nun als Studiengangskoordinatorin an der Universität Münster? Das ist ja schon schade, oder?“ Diese Frage wurde mir vor einiger Zeit gestellt und hat mich zum Nachdenken gebracht. Warum ist das schade? Meine jetzigen Aufgaben unterscheiden sich von denen, die ich mir vorgestellt habe, als ich mich für ein Biologiestudium entschied. Häufig handeln Berichte über biologische Themen von Wissenschaftlern im Labor, die bunte Flüssigkeiten in Reagenzgläser pipettieren, Zellen füttern, eine Pflanze untersuchen oder Mäuse streicheln. Die Erkenntnisse dieser Forscher tragen zu einem besseren Verständnis von Prozessen bei und geben im Idealfall Hinweise darauf, was in Zukunft besser gemacht werden kann. Das mache ich nicht, und an dieser Stelle könnte man natürlich sagen: schade.

Dennoch wurde mir schon während des Studiums klar, dass ich nicht als typische Biologin arbeiten wollte. Deswegen kann ich sagen: Für mich gilt dieses „schade“ nicht. Obwohl ich mir sicher war, dass ich meinen Arbeitsalltag nicht im Labor verbringe, war ich nach wie vor begeistert von meinem Biologiestudium. Denn die Themen waren spannend. Aber die Bearbeitung einer wissenschaftlichen Fragestellung erschien mir beispielsweise eine einsame Sache zu sein. Und im Grunde ist das meiner Erfahrung nach auch der Fall. Oftmals hat jeder sein eigenes Projekt, das eigenverantwortlich und selbstständig bearbeitet wird. Natürlich diskutiert man über Schwierigkeiten und Ergebnisse mit Kollegen und an verschiedenen Schnittstellen kooperiert man. Dennoch scheint mir das eine andere Intensität von Teamarbeit zu sein als in anderen Berufen. Ich fing daher an, mich nach weiteren Berufsfeldern für Biologen umzusehen. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass tatsächlich viele Biologen nach dem Studium nicht im Labor arbeiten, sondern in den unterschiedlichsten Bereichen einsteigen.

Während meiner Promotion nutzte ich die Möglichkeit, parallel in der Studiengangskoordination zu arbeiten, um für mich festzustellen, was mir neben dem Laboralltag noch als Tätigkeitsfeld gut gefallen könnte. Durch die dort gesammelten Erfahrungen war für mich klar, dass ich nach meiner Promotion im Wissenschaftsmanagement tätig sein möchte. Zunächst fing ich als Koordinatorin für die Internationalisierung von Studium und Lehre im Fachbereich Biologie der WWU an. In dieser Zeit vermisste ich den für mich gewohnten Alltag im Labor, sodass ich nach zwei Jahren wieder zurück in die Forschung wechselte. Am European Institute for Molecular Imaging der Universität Münster genoss ich wieder den Forschungsalltag, erlebte wissenschaftliche Diskussionen und tauschte mich mit Kollegen aus. Zurück in meiner beruflichen Heimat wurden mir aber auch schnell die Gründe wieder klar, warum ich eigentlich nicht in der akademischen Forschung tätig sein wollte.

Vor vier Jahren nahm ich schließlich das Angebot an, das Studienprogramm der Experimentellen Medizin zu betreuen. Der Studiengang baut sich seitdem langsam auf und läuft nun bald in voller Auslastung. Diesen Prozess mitzugestalten macht mir sehr viel Freude. Veranstaltungen zu etablieren, diese gemeinsam mit Studierenden und Dozenten zu optimieren und immer wieder neue Formate auszuprobieren – das ist ein wenig wie Forschung. Nur vielleicht nicht das erste Bild, was einem zum Berufsfeld Biologie in den Sinn kommt.

 

Dr. Sarah Eligehausen ist studierte und promovierte Biologin. Seit 2015 koordiniert sie den Studiengang Experimentelle Medizin an der WWU.

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