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Münster (upm)

Uni-Fotograf Florian Glaubitz hat sechs Monate lang Eindrücke an der Universität gesammelt

Die Schönheit des Unperfekten / Ausstellung ab 18. Januar
Ausstellungsplakat<address>© WWU - Kustodie/Kulturbüro</address>
Ausstellungsplakat
© WWU - Kustodie/Kulturbüro

Es sind Details, die berühren: eine Hand, die sich an eine unsichtbare Wand lehnt. Der Rücken eines alten Mannes. Die unebene Struktur einer Fassade. Als Uni-Fotograf hat Florian Glaubitz sechs Monate lang Menschen und Orte an der Universität Münster in den Fokus genommen. Herausgekommen ist dabei ein neuer Blick auf das Hochschulleben, fernab der üblichen Bilder von Lehre und Forschung: detailreich, rätselhaft und unperfekt.

Florian Glaubitz lebt in Leipzig und ist Meisterschüler an der Kunsthochschule Mainz. Als Gewinner des Wettbewerbs „Uni-Fotograf“ der Zentralen Kustodie hat er im vergangenen halben Jahr viel Zeit in Münster verbracht, um einen neuen Blick auf die WWU zu bekommen. 5000 Euro plus Fahrtkosten bekommt er für seine Arbeit. Außerdem bezahlt die WWU eine Publikation mit den entstandenen Fotografien und eine Ausstellung. „Mit dem Wettbewerb wollen wir Kunst und Wissenschaft in einen Dialog bringen“, sagt Dr. Eckhard Kluth, der das Projekt als Leiter der Zentralen Kustodie betreut. Bei der Ausschreibung habe man ambitionierte Fotografen mit einem künstlerischen Ansatz gesucht – Florian Glaubitz sei genau der Richtige gewesen.

„Ich musste mich erst einmal von dem Druck freimachen, dass meine Arbeit Erwartungen erfüllen soll“, sagt der Uni-Fotograf über seine Rolle. Sein Anspruch war es nicht, vorgegebene Motive zu fotografieren. Er wollte sich dem Kosmos WWU zweckfrei nähern – ähnlich wie ein Grundlagenforscher, der die Mechanismen der Natur verstehen will, ohne einen direkten Anwendungsbezug im Kopf zu haben.

Doch wie anfangen? Und wo aufhören? Die Herausforderung lag darin, seinen Aufenthalten einerseits eine Struktur zu geben und interessante Orte zu besuchen, wie etwa die Musikhochschule. Die Klänge, aber auch die Begegnung mit den Musikern erzeugten in Florian Glaubitz eine tiefe Resonanz, die sich in seinen Fotografien von Sängern und Tänzern widerspiegeln. Andererseits wollte er offen bleiben für Momentaufnahmen – zum Beispiel Sonnenstrahlen, die in ein Gewächshaus fallen, oder Seifenblasen, die am Institut für Politikwissenschaft durch die Luft fliegen.

Den Fokus legt Florian Glaubitz in seinen Fotografien auf Details. Er sucht die Nähe zu seinen Objekten und verleiht ihnen auf den Fotos einen neuen Charakter. Eine halb verfallene Blattstruktur entwickelt so zum Beispiel eine ganz eigene Ästhetik, die an den Blick aus dem Weltraum auf einen grünen Planeten erinnert.

In der Gesamtschau zeigt sich ein immer wiederkehrendes Thema in Florian Glaubitz‘ Arbeiten: Es ist das Leben in all seinen Formen und Farben, das er an der Uni Münster abgelichtet hat. „Ich habe nach Dingen gesucht, die mich berühren“, erklärt er. Exemplarisch dafür steht die erhobene Hand, die an eine unsichtbare Wand fasst. Sie ist deshalb auch das Motiv auf den Plakaten, die die Ausstellung des Uni-Fotografen im Januar ankündigen.

Inspiration für seine Arbeit fand Uni-Fotograf Florian Glaubitz unter anderem im Botanischen Garten.<address>© WWU - Peter Leßmann</address>
Inspiration für seine Arbeit fand Uni-Fotograf Florian Glaubitz unter anderem im Botanischen Garten.
© WWU - Peter Leßmann
„Einer meiner Lieblingsorte ist der Botanische Garten, die Ruhe und Natur“, berichtet der 33-Jährige. Dort verbrachte er viele Stunden, verfolgte den Wechsel der Jahreszeiten, die Lichtverhältnisse, das Werden und Vergehen der Natur. Immer wieder traf Florian Glaubitz auf einen alten Mann, dessen Rücken er schließlich fotografieren durfte. Die Flecken auf der Haut, verursacht durch eine Hautkrankheit, die gebeugte Körperhaltung – auf dem Foto sind sie kein Makel, sondern wirken wie eine fein marmorierte Skulptur.

Florian Glaubitz‘ Werke sind keine durchkomponierten Werke, bei denen alles stimmen soll. Vielmehr spiegeln sie das Momenthafte und Unperfekte des Lebens wieder. Es erscheint fast anachronistisch, dass Florian Glaubitz für seine Arbeit eine analoge Kamera verwendet: 36 Bilder auf einem Film, den er auch noch entwickeln lassen muss. Erst einige Tage später sieht er, was er fotografiert hat – genau diese Arbeitsweise entspricht ihm und dem Charakter seiner Bilder.

Ausstellung

Wer neugierig ist: Die Arbeiten des Uni-Fotografen Florian Glaubitz sind vom 18. bis 27. Januar auf der Galerie der Universitäts- und Landesbibliothek zwischen 10 und 18 Uhr zu sehen. Die Eröffnung findet am 17. Januar um 18 Uhr statt.

Autorin: Juliette Polenz

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben, Nr. 8, 12. Dezember 2018.

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