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Übersetzungen des Korans ins Deutsche − sowie sie in der Vergangenheit etwa von Rudi Paret, Hans Zirker, Muhammad Asad, Hartmut Bobzin oder Milad Karimi vorgelegt wurden – finden sowohl im akademischen Feld der Islamwissenschaft und Arabistik als auch im vergleichsweisen jungen Feld der deutschsprachigen Islamischen Theologie rege Verwendung. Jenseits akademischer Beschäftigungen werden die diversen deutschen Übersetzungen des Korans bis heute von neugierigen und an der Religion des Islams interessierten Leser*innen bemüht, und dies nicht zuletzt um sich einen Zugang zum Koran und seiner Botschaft zu verschaffen. Für die akademische wie außerakademische Beschäftigung mit dem Koran sind deutsche Übersetzungen unverzichtbar, und in Anbetracht der andauernden gesellschaftlichen Diskurse rundum das Themenfeld Islam ist davon auszugehen, dass sich dies auch in Zukunft nicht signifikant ändern wird.

Vor diesen Hintergründen, vor allem aber auch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten und Aushandlungsprozesse rundum das Thema Gendern und gerechte Sprache im deutschsprachigen Raum, möchte das Projekt Die Übersetzung des Korans in gerechter Sprache verortet und verstanden werden: Übergeordneter Anspruch des Projektes ist es, das Spektrum der etablierten und viel bemühten deutschen Koranübersetzungen gezielt und zeitgemäß zu erweitern. Langfristiges Ziel des Projektes ist die Vorstellung einer Koranübersetzung, die Sprachsensibilität als zeitgenössische Errungenschaft versteht und deshalb umfassend berücksichtigt. Konkret bedeutet dies etwa, dass – im Gegensatz zu den einschlägigen Übersetzungen aus dem Arabischen – bei der Übersetzung ins Deutsche nicht nur ein Geschlecht – nämlich das männliche – berücksichtigt und sprachlich inkludiert wird , und dass von heute als überholt, abwertend oder diskriminierend geltenden Begrifflichkeiten in der Übersetzung konsequent abgesehen wird. So könnte die Sure al-Fātiḥa in etwa wie folgt übersetzt werden:1

 

  1.  Im Namen GOTTES, Allbarmherzig, Allerbarmend,
  2. Lobpreis sei GOTT; Gott der Welten,  
  3. Allbarmherzig, Allerbarmend,
  4. Herrschend am Tage des Gerichts!
  5. Dir dienen wir und dich bitten wir um Hilfe.
  6. Leite uns den rechten Weg,
  7. den Weg aller Menschen,  denen du gnädig bist,
  8. nicht derer, denen gezürnt wird oder die irre gehen!

 

Das Projekt Die Übersetzung des Korans in gerechter Sprache ist mit seiner grundsätzlichen Ausrichtung von der erstmals 2006 von Ulrike Bail, Frank Crüsemann, Marlene Crüsemann, Erhard Domay, Jürgen Ebach, Claudia Janssen, Hanne Köhler, Helga Kuhlmann, Martin Leutzsch, Luise Schottroff herausgegebenen Bibel in gerechter Sprache (BigS) inspiriert und kann durchaus als muslimisches Pendant verstanden werden.

 

Begleitend zu diesem Projekt gibt es im Wintersemester 2023/2024 ein 14-tägliches Kolloquium, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 

 

 

1 Es handelt sich hierbei um einen ersten Entwurf auf der Grundlage der Übersetzung von Hartmut Bobzin: Der Koran. München 2016.

 

Aktuelles


Erste Ergebnisse des Projekts „Die Übersetzung des Korans in gerechter Sprache“

Mit dem Projekt Die Übersetzung des Korans in gerechter Sprache verfolgt die AITG das Ziel, das Spektrum deutscher Koranübersetzungen zeitgemäß zu erweitern und Fragen nach Geschlechtersensibilität in der theologischen Arbeit sichtbar zu machen. Aufbauend auf bisherigen Übersetzungen wird der Versuch unternommen, den Koran so ins Deutsche zu übertragen, dass keine diskriminierenden, ausschließenden oder veralteten Begriffe fortgeschrieben werden und alle Geschlechter sprachlich berücksichtigt sind.

Nun liegen erste Ergebnisse des Projekts Die Übersetzung des Korans in gerechter Sprache vor. Es handelt sich dabei um die Übersetzung der Sure Al-Fātiḥa sowie des dreißigsten Teils des Korans. Diese bieten spannende Einblicke in die bisherigen hermeneutischen Überlegungen und methodischen Ansätze des Projekts. Die Ergebnisse sind in der folgenden Publikation zusammengefasst und können hier als PDF eingesehen werden.