Dissertationsprojekte

Muhammad Usman Ali: Role of Organized Sufi Movements in Diaspora Communities: A Case Study of Dawat-e Islami in Germany
Shaheela Baig: Das Erreichen der Unsterblichkeit durch Selbst-Entwicklung
Asmaa El Maaroufi-Ulzheimer: Grundlinien der Tierethik im Islam
Zülkif Gencer: Islamischer Staat? Zur Konstruktion religiös legitimierter Politik in der Moderne
Alia Hübsch-Chaudhry: Gotteserfahrungen - Gibt es Parallelen zwischen wissenschaftlichen und spirituellen Gesetzmäßigkeiten?
Daniel Roters: Der Umgang mit dem Leid im Islam – von der Theodizee zu einer Theoanthropodizee

© privat

Muhammad Usman Ali, M.A.

Title: Role of Organized Sufi Movements in Diaspora Communities: A Case Study of Dawat-e Islami in Germany (Working Title)

Dawat-e Islami (Preaching of Islam) is a missionary movement of Sunni Islam whose foundation was laid in September 1981 by Muhammad Ilyas Attar Qadiri in Karachi, Pakistan. In the span of almost three and a half decades, Dawat-e Islami has shown tremendous growth and expansion worldwide, establishing its centers in 193 countries around the globe with its Headquarters in Karachi, Pakistan. Founders of Dawat-e Islami highlighted organization’s objectives in their discourses and scripts that they want to safeguard their school of thought rooted in Sufism, from the perceived influence of Wahabism which is propagated in South Asia as anti Sufism movement and from the influence of Tabligi Jama’at working since 1926 CE. In this research, the history of Dawat-e Islami, role of Sufism in its formation, their activities in Pakistan highlighting their impact around the world particularly in German society, and their future aspirations would be analyzed. This work will try to determine the past and present place of Dawat-e Islami movement in the Mystical school of thoughts and figure out whether Dawat-e Islami is following the same path of Sunni and Sufi Islam or trying to establish and preach for a new group or a sect.

© Peter Grewer

Shaheela Baig, M.A.

Titel: Das Erreichen der Unsterblichkeit durch Selbst-Entwicklung (Arbeitstitel)

Unsterblichkeit ist das ewige Leben, die unbestimmte Fortsetzung der geistigen oder physischen Existenz einzelner Menschen. In vielen philosophischen und religiösen Traditionen, ist die Unsterblichkeit als das Fortbestehen einer immateriellen Seele oder eines Geistes, jenseits des physischen Todes des Körpers gedacht. Ein Glaube an das Jenseits ist ein Grundgedanke in vielen Religionen und sogar ein Bekenntnis in Judentum, Christentum und Islam, aber das Konzept einer unsterblichen Seele ist nicht gleich. Die "Seele" hat verschiedene Bedeutungen und wird nicht in der gleichen Weise in verschiedenen Religionen und verschiedenen Konfessionen einer Religion verwendet. Allama Muhammad Iqbal spricht vom ewigen Leben, das nicht nur erreicht werden kann, sondern auch das grundlegende Ziel der Menschen ist. Für Iqbal ist das Überleben der Seele nach dem Tode nicht gleichbedeutend mit seiner Unsterblichkeit. Jeder überlebt den Tod, aber die Entscheidungen eines Menschen im gegenwärtigen, irdischen Leben bestimmen die Qualität seiner Existenz im Jenseits. Wenn Iqbal sich auf die Unsterblichkeit bezieht, spricht er nicht nur vom Überleben, sondern von der absolut vollsten Lebenserfahrung, die der Mensch mit der Gnade Gottes potentiell genießen kann. Diese Unsterblichkeit wird nicht in einem einzigen Sprung erreicht, sondern in vielen Stadien, in denen das endliche Ich, ein immer dauernderes Element in der Konstitution der Wirklichkeit wird. Für Iqbal beginnt der Weg der Selbst-Entwicklung, sobald man sich der Disziplin des göttlichen Gesetzes unterwirft.

© Peter Grewer

Asmaa El Maaroufi-Ulzheimer, M.A.

Titel: Grundlinien der Tierethik im Islam

Massentierhaltung, Tierexperimente und Genmanipulation bei Tieren führen zu vermehrt auftretenden moralisch-ethischen Fragestellung der Gesellschaft und dem Wunsch nach Lösungsansätzen hierbei. Dies deutet zugleich von der Notwendigkeit einer theologischen Auseinandersetzung mit der Frage nach der ethisch-moralischen Verantwortung des Menschen gegenüber dem Tier: Diese Dissertation widmet sich daher der Fragestellung welche Grundlinien einer Tierethik aus den (Primär-) Quellen des Islam abgeleitet werden können. Dabei nimmt sie sich insbesondere der Aufgabe an, grundsätzliche Vergleichbarkeiten als auch Differenzen von Mensch und Tier zu benennen und ethische Grundprinzipien im Umgang mit diesen zu formulieren. Auf diese Weise soll ein Beitrag zu einer theologischen, verantwortungsbewussten islamischen Ethik im Lichte der modernen Herausforderungen geleistet werden.

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Zülkif Gencer, M.A.

Titel: Islamischer Staat? Zur Konstruktion religiös legitimierter Politik in der Moderne (Arbeitstitel)

Die Umwälzungen in der islamischen Welt mit dem Aufbruch der Moderne lassen eine Tendenz erkennen: Die Religion übt bei der Neuformierung muslimischer Gesellschaften weiterhin einen erheblichen Einfluss aus und wirkt auf verschiedene Weise auf die politischen Systeme der Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit ein. Unter anderem entstehen im 20. Jahrhundert in Tunesien mit an-Nahda, in Pakistan mit Jamaat-e-Islami, in Ägypten mit al-Iḫwān al-Muslimūn oder in der Türkei mit Millî Görüş - aus der die AKP hervorgeht­, religiös motivierte Gruppen, die die Politik maßgeblich prägen. Muslimische Denker liefern den theoretischen Nährboden für die religiöse Legitimation eines islamischen Ordnungswesens. Ein wichtiger Akteur, der in diesem Kontext wirkt, ist unter anderem Muhammad lqbal, der in der islamischen Welt einen hohen Bekanntheitsgrad genießt und erheblichen Einfluss auf Muslime und politisch motivierte islamische Strömungen weltweit hat. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Schriften der Gelehrten, die im 20. Jahrhundert den Staat aus islamischen Quellen zu begründen versuchen, ist der Gegenstand der Forschung. Untersucht wird, wie politisch-soziale Ordnungsvorstellungen legitimiert werden, indem analytisch-kritisch das dem Normengefüge zugrunde liegende Geflecht an Zusammenhängen, Wechselwirkungen und Schlussfolgerungen aufgezeigt wird.

© privat

Alia Hübsch-Chaudhry, M.A.

Titel: Gotteserfahrungen - Gibt es Parallelen zwischen wissenschaftlichen und spirituellen Gesetzmäßigkeiten? (Arbeitstitel)

Es gibt bis dato keine Forschungsarbeit, die eine Synthese von Theorien zur Gotteserfahrungen in der deutschen Philosophie der Neuzeit sowie in der Islamischen Theologie (Frühislam, Mittelalter und
Neuzeit) und einer empirischen Untersuchung von Gotteserfahrungen, beispielsweise in Form von Erzählungen und Erlebnisberichten gläubiger Muslime und Christen, bildet. Im ersten Teil der Dissertation soll daher eine Begegnung deutscher Philosophen (Schaeffler, Hoye, Jüngel, Doering, Schoener) mit muslimischen Denkern und Gelehrten (wie der Prophet des Islams – Muḥammad, Abū Naṣr ʿAbd Allāh as-Sarrāǧ aṭ-Ṭūsī, Abū l-Qāsim ʿAbd al-Karīm ibn Hawāzin al-Qušairī, Muḥammad Iqbāl, Mirzā Ġulām Aḥmad) ermöglicht werden, da diese sich auf der theoretischen Ebene mit dem Thema Gotteserfahrungen auseinandersetzen. Relevante Kriterien zur Untersuchung ihrer Theorien bildet die Aufgliederung ihrer Thesen in Definitionen, Bedingungen, Logik und Überzeugungskraft von Gotteserfahrungen. Zudem soll die artikulierte Differenz zwischen Gotteserfahrungen konkret und Erfahrungen allgemein mitberücksichtigt werden.

© Pakize Altinbas

Daniel Roters, M.A.

Titel: Der Umgang mit dem Leid im Islam – von der Theodizee zu einer Theoanthropodizee (Arbeitstitel)

Die Dissertation verfolgt das Ziel einer theologischen Auseinandersetzung mit der Frage der Theodizee aus islamischer Perspektive. War die Frage der Theodizee, nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts von Leid und Übel auf der Welt, in der islamischen Tradition bisweilen eine Randthematik oder bestenfalls ein gern genutztes Argument im alten Streit um die Frage der Determination bzw. Willensfreiheit des Menschen im Angesichte Gottes, sollte nun das Ziel verfolgt werden, das Gespräch über Leid und Übel in der Welt in einer Weise zu führen, die weder Gott zur Disposition stellt, noch den Menschen aus der ihm verliehenen verantwortlichen Rolle zu verbannen. Über Ungehörigkeit oder Statthaftigkeit der Theodizee-Frage wurde bereits in Judentum und Christentum diskutiert. Religionsphilosophisch und theologisch sind dabei insbesondere in der Debatte um eine Theologie nach dem Holocaust verschiedene Standpunkte vertreten worden, doch auch Muslime erfahren und haben Leid erfahren: Welche Möglichkeiten des Umgangs mit dem Leid bietet sich Muslimen? Welchen Stellenwert und welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Begriffe wie Leid und Mitleid, Zweifel und Verzweiflung, Geduld und Standhaftigkeit, Prüfung, Versuchung und Herausforderung, Gottvertrauen und Zuversicht? Stellte oder stellt sich für die islamische Theologie die Frage der nach einer Theodizee oder wird diese Frage, die bei Büchner zum „Fels des Atheismus“ wird, im Islam nicht vielmehr auf den Menschen zurückgeworfen im Sinne einer Theoanthropodizee, der Frage nach der Rechtfertigung des Menschen selbst angesichts Gottes und führt die Frage nach Gott damit nicht vielmehr zur Frage an den Menschen und wird damit am Ende gar zur Vergewisserung über die eigene Geschöpflichkeit und Verantwortlichkeit?