Abgeschlossene Habilitationen:
► Dr. Bettina Brandstätter (Gutachten). 2026: Diskurssensibilität. Religiöse Bildung inmitten machtvoller Differenzpraktiken
Die Habilitationsschrift von Bettina Brandstätter verortet religiöse Bildungsprozesse explizit in gesellschaftlichen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen. Ausgangspunkt ist die Diagnose, dass religiöse Bildung in pluralen, durch Migration, Globalisierung und postkoloniale Verflechtungen geprägten Gesellschaften nicht als neutraler Vermittlungsraum verstanden werden kann, sondern als diskursiv strukturierte Kontaktzone, in der Differenzen erzeugt, stabilisiert und transformiert werden.
Diese Grundannahme wird in zwei Teilen systematisch entfaltet:
Teil I entwickelt eine theoretische Grundlegung, indem religiöse Bildung im Horizont machtvoller Differenzpraktiken kontextualisiert und zentrale religionspädagogische Diskurse zu Differenz, Othering, Intersektionalität und Inklusion rekonstruiert werden. Darauf aufbauend wird eine „diskurssensible Heuristik“ ausgearbeitet, die poststrukturalistische und postkoloniale Perspektiven integriert und Kategorien wie Diskurs, Subjektbildung, Gouvernementalität, Agency und strategischen Essentialismus für die Religionspädagogik fruchtbar macht. Ein abschließender Reflexionsabschnitt thematisiert die epistemologischen und normativen Grenzen der Arbeit.
Teil II versammelt ausgewählte, bereits publizierte Beiträge der Verfasserin, in denen die theoretisch entwickelte Diskurssensibilität exemplarisch auf unterschiedliche Handlungsfelder – insbesondere Kindergarten, Religionsunterricht sowie Professionalisierung und Forschung – angewendet und weiter ausdifferenziert wird.
Insgesamt versteht sich die Arbeit als Beitrag zu einer differenzkritischen, machtbewussten und subjektorientierten Religionspädagogik, die Bildungsprozesse im Spannungsfeld von Diskurs, Differenz und Handlungsmacht neu vermisst.
Abgeschlossene Promotionen:
► Erkan Binici, 2023: Religiöse Sozialisation (muslimischer) Jugendlicher in mediatisierter Welt – Eine qualitativ-rekonstruktive Studie zum Schnittbereich von Medien und Religion
In einer zunehmend mediatisierten Welt spielen (digitale) Medien eine zentrale Rolle in der (religiösen) Sozialisation Jugendlicher. Die Dissertation untersucht, wie Jugendliche Religion in Medien wahrnehmen, wo und wie Religion in ihrer alltäglichen Mediennutzung vorkommt und wie sie mit Religion in Medien umgehen. Im Zeitraum von 2020 und 2023 wurden 12 Jugendliche, die sich selbst als muslimisch verstehen und zwischen 12 und 19 Jahren sind, zu ihrem alltäglichen Umgang mit Medien und dazu, wie darin Religion vorkommt, interviewt. Es handelt sich um einen qualitativ-rekonstruktiven Zugang, der Handlungsmuster im Umgang der Jugendlichen mit Religion in Medien rekonstruiert und damit tieferliegende Strukturen des Phänomens religiöser Sozialisation in mediatisierter Welt aufdeckt. Es wurden drei unterschiedliche Formen der Selbst- und Weltdeutung identifiziert, die sowohl das mediale als auch das religiöse Handeln der Jugendlichen prägen. Diese Befunde sind für die Forschung im Schnittbereich von Medien und Religion sowie für die Religions- und Medienpädagogik von großer Bedeutung.
► Barbara Lois Helms (externe Gutachterin), 2025: Establishing Precedents for the Royal Canadian Chaplain Service’s First Muslim Women: What Can They Learn from their Christian Sisters?
Die Dissertation ist im Rahmen eines Doctor-of-Ministry-Programms am Emmanuel College (University of Toronto) entstanden. Sie verortet sich im Feld der Praktischen Theologie.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die berufliche Situation der Autorin selbst, die am 11. Oktober 2017 als erste muslimische Militärseelsorgerin in die Canadian Armed Forces aufgenommen wurde. Helms reflektiert ihre Pionierrolle als erste muslimische Militärseelsorgerin in den Canadian Armed Forces. Sie beschreibt die doppelten Barrieren, die sie überwinden musste: innerislamische Widerstände gegenüber weiblicher religiöser Führung sowie institutionelle Hürden innerhalb eines historisch christlich geprägten Royal Canadian Chaplain Service.
Mangels zeitgenössischer muslimischer Präzedenzfälle sucht sie Orientierung sowohl in frühislamischen Modellen weiblicher Führung als auch in den Erfahrungen weiblicher christlicher Militärseelsorgerinnen. Ziel der Dissertation ist es, aus deren Herausforderungen und Strategien eine theologische Rahmung und praxisorientierte Orientierung für muslimische Frauen in der kanadischen Militärseelsorge zu entwickeln und damit eine „islamische Theologie des Dienstes“ im militärischen Kontext zu formulieren.
► Beyza Candan: Religiöse Differenz aus der Perspektive muslimischer Schüler*innen
Die Dissertation analysiert, wie muslimische Schüler:innen der Sekundarstufe I und II religiöse Differenz im schulischen Alltag wahrnehmen. Im Fokus stehen ihre Erfahrungs- und Deutungszusammenhänge in Situationen, in denen Religion als Differenzkategorie relevant gesetzt wird. Datengrundlage bilden qualitative Interviews mit muslimischen Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen. Theoretisch verortet sich die Arbeit in der islamischen Religionspädagogik und schließt an migrationspädagogische Differenzforschung an.
Laufende Promotionen:
► Berfin Dila Baltacı: Bildung für nachhaltige Entwicklung im islamischen Religionsunterricht - Eine qualitative Untersuchung nachhaltigkeitsbezogener Lernprozesse von Schüler*innen in Nordrhein-Westfalen
► Canan Balaban: Zusammenhang zwischen religiöser und politischer Bildung im Kontext des Engagement muslimischer Jugendlicher – eine partizipative Studie
► Muhammed Akten: Islambasierte Gegennarrative in der Deradikalisierungsarbeit – Ablehnungs- und Akzeptanzhaltungen extremistischer Personen
► Rabia Yüksel: Perspektiven religiöser Bildung in muslimischen Kindertageseinrichtungen – Eine Studie zu den professionellen Kompetenzen von Erzieher*innen
Muslimische Kindertageseinrichtungen spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der frühkindlichen Bildung in Deutschland. Diese Dissertation untersucht die religionspädagogische Praxis in Einrichtungen muslimischer Trägerschaft und beleuchtet die professionellen Kompetenzen von Erzieher:innen in diesem Bereich. Die Studie analysiert, wie religiöse Bildung in den pädagogischen Alltag integriert wird und inwieweit kulturelle und religiöse Hintergründe berücksichtigt werden. Durch ethnographische Methoden wie teilnehmende Beobachtungen und Expert:innen-Interviews wird die Praxis in zwei ausgewählten Kindertageseinrichtungen erforscht. Ziel der Untersuchung ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Weiterentwicklung religionspädagogischer Konzepte in der frühkindlichen Bildung zu gewinnen.