Islamisch-Religionspädagogische Forschungsstelle
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Die Islamisch-Religionspädagogische Forschungsstelle an der Universität Münster ist ein wissenschaftliches Institut, das sich der Erforschung, Begleitung und Weiterentwicklung des islamischen Religionsunterrichts sowie der religiösen und interreligiösen Bildungsprozesse in pluralen Gesellschaften widmet. Sie hat im deutschsprachigen Raum mit ihrer interdisziplinären und praxisorientierten Ausrichtung ein innovatives Alleinstellungsmerkmal. 

Die Forschungsstelle verfolgt folgende zentrale Aufgaben:  

  • Empirische Erforschung und wissenschaftliche Evaluation des islamischen Religionsunterrichts in allen Schulformen und Bildungsbereichen.  
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der evangelischen, katholischen, orthodoxen und jüdischen Religionspädagogik zur Förderung eines kooperativen und interreligiösen Austauschs. Dies geschieht durch gemeinsame Forschungsprojekte, Fachtagungen sowie die Entwicklung innovativer Unterrichtsmaterialien.  
  • Publikation und Dissemination wissenschaftlicher Erkenntnisse, um Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen und damit zur Weiterentwicklung islamisch-religionspädagogischer Diskurse beizutragen.  

Die Arbeit der Forschungsstelle zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis aus. Sie reagiert flexibel und wissenschaftlich fundiert auf gesellschaftliche Herausforderungen und trägt ihre Erkenntnisse aktiv in die Zivilgesellschaft hinein – sei es durch Publikationen, Vorträge/Fortbildungen oder digitale Formate.  

Mit ihrer innovativen und forschungsbasierten Ausrichtung leistet die Islamisch-Religionspädagogische Forschungsstelle an der Universität Münster einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des islamischen Religionsunterrichts und zur Förderung interreligiöser Bildungsprozesse in Deutschland.

 

Forschungsprojekte

Tagungen

© KI generiert

Addressing Discrimination Through Education

Unsere Tagung „Addressing Discrimination Through Education“, gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, ging erfolgreich zu Ende. Spannende Vorträge, inspirierende Diskussionen und eine wunderbare Atmosphäre prägten die drei Tage.
Ein herzlicher Dank gilt Prorektor Prof. Dr. Michael Quante und Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Geschäftsführender Direktor des ZIT, für ihre einleitenden Worte zur Tagung.
Die Tagung wurde gemeinsam von Prof.in Dr. Anja Ballis (LMU München) und Prof.in Dr. Fahimah Ulfat (ZIT, Uni Münster) organisiert.
Ein besonderer Moment war die Keynote der Holocaust-Überlebenden Dr. Agnes Kaposi.
Die Beiträge werden in der Fachzeitschrift RISTAL veröffentlicht: https://reference-global.com/journal/RISTAL 

© AK der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg & Landeselternbeirat Baden-Württemberg

Studientag „Religion in der Schule der Zukunft“

5. April 2025 │ Ludwig-Raiser-Haus, Wilhelmstraße 8, 70372 Stuttgart

Am 5.4.2025 findet der Studientag „Religion in der Schule der Zukunft“ vom Landeselternbeirat und Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg statt.

In diesem Rahmen wird Erkan Binici zum Thema „Islamischer Religionsunterricht – Herausforderungen aus der aktuellen Diskussion“ referieren.

Fachtagung: Umgang mit Ambiguität als religionspädagogische Herausforderung

9.–11. Oktober 2024 │ Loccum

Vom 9. bis 11. Oktober 2024 findet die Fachtagung „Umgang mit Ambiguität als religionspädagogische Herausforderung“ in Loccum statt, die sich dem grundlegenden Thema der Ambiguität in der religionspädagogischen Forschung widmet.

In religiösen Traditionen findet sich zweierlei: die Strategie, Eindeutigkeit in dogmatischen, sozialen oder spirituellen Fragen herzustellen, und die Strategie, gerade der Unlösbarkeit vieler Fragen sowie bleibender Offenheit Gewicht zu geben. Nicht zuletzt beim Gottesverständnis kann beides ineinandergreifen. Der Umgang mit Ambiguität kann so als klassische Aufgabe theologischen Denkens gleichermaßen in jüdischer, islamischer und christlicher Theologie verstanden werden.

Nicht nur die Theologie, sondern praktisch alle Formen menschlichen Beisammenseins verbinden sich mit der Notwendigkeit, Ambiguität und Eindeutigkeit ins Verhältnis zu setzen. Es kann daher von der Notwendigkeit zum ‚Ambiguitätsmanagement‘ gesprochen werden. Dies gilt umso mehr, als gerade im sozialen Bereich Vereindeutigungen zu erheblichen Problemen, genauer: zu Missständen führen können, die u.a. in verzerrenden Vorurteilen ihren Niederschlag finden.

Die Religionspädagogik ist in beide Felder involviert: in die klassische Theologie wie in das Feld sozialer Fragen, zu denen sich weitere pädagogische Konstellationen gesellen. Sie greift auf eine Vielfalt von Ressourcen und Erkenntnissen aus unterschiedlichen Disziplinen zurück. Dabei besteht die Aufgabe darin, für und mit Schüler*innen Pfade zu entwickeln, mit vorfindlicher bzw. konstruierter Ambiguität für alle Seiten hilfreich umzugehen.

Was hier Ziele sind, worauf dabei theologisch, wie historisch aufgebaut wird, welche vorhandenen Erfahrungen im Hintergrund stehen und wie sinnvolle Forschungswege aussehen können, darum wird es auf dieser Konferenz gehen. Um das Feld zunächst weiter abzustecken, werden Forscher*innen aus dem Gebiet der Systematischen Theologie (K. Wörn) und historischer Forschung (B. Scheller) referieren. Von B. Grümme und O. Reis werden unterschiedliche Richtungen religionspädagogischer Herangehensweisen vorgestellt. Aktuelle Projekte präsentieren M. Payer-Rink und H. Siemon. Am Ende werden Ideen für die weitere Forschung diskutiert.

Die Veranstaltung ist offen für alle, die zu diesem grundlegenden Baustein religionspädagogischer Forschung mitdiskutieren wollen.

Den Veranstaltungsflyer finden Sie hier.

Tagungsleitung:
Prof. Dr. Karlo Meyer
Prof. Dr. Stefanie Lorenzen
Prof. Dr. Susanne Schwarz
Prof. Dr. Helena Stockinger
Prof. Dr. Fahimah Ulfat
Prof. Dr. Silke Leonhard

Sexualität, Gender und Religion in gegenwärtigen Diskursen – Theologie, Gesellschaft und Bildung

Am 27./28.09.19 fand die Fachtagung „Sexualität, Gender und Religion in gegenwärtigen Diskursen – Theologie, Gesellschaft und Bildung“ an der Eberhard Karls Universität Tübingen statt. Elf Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen setzten sich mit der Thematik aus ihren jeweiligen Fachperspektiven auseinander. Die interdisziplinäre Ausrichtung hat bei den rund 80 Teilnehmer*innen ein äußerst positives Echo hervorgerufen.

Dipl.-Soz.päd. Meral Renz gab einen Einblick in die sexualpädagogische Arbeit mit muslimischen Jugendlichen, zeigte kritische Problemfelder auf und erklärte, wie derartige Situationen mit einer adäquaten Haltung begegnet werden können.

Dr. Alexandra Wörn befasste sich mit dem Thema Frauen und Macht im Protestantismus und ging der Frage nach, welche Gründe es für männlich kodierte Machstrukturen in der Kirche gab und gibt, wie beispielsweise nicht-theologische Faktoren.

Jun.-Prof. Dr. Fahimah Ulfat stellte aktuelle empirische Studien zu den Einstellungen von muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor, arbeitete auf dieser Grundlage die Herausforderungen für die Islamische Religionspädagogik heraus und formulierte schließlich Anregungen für die religionspädagogische Arbeit.

Leyla Jagiella lenkte den Blick auf historische und gegenwärtige Beispiele für den Umgang mit nicht binären Geschlechtsidentitäten in muslimischen Kontexten und zeigte auf, wie u.a. durch den Kolonialismus Zweigeschlechtlichkeit Einzug in das muslimische Denken erhielt. Zudem ging sie auf unterschiedliche Herausforderungen für Muslim*innen in Iran, Pakistan und Deutschland ein.

Odette Yilmaz und Frederike Güler stellten die Arbeit und die Haltung des Liberal-Islamischen Bundes e.V. insbesondere in Bezug auf Homosexualität vor, machten auf bestehende Problematiken in der muslimischen Community deutlich und verwiesen auf zahlreiche Initiativen, die sich aus einer muslimischen Perspektive für die Rechte von LGBTQI* einsetzen.

Saboura Naqshband lenkte den Fokus auf Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen für queere Musliminnen oder für Musliminnen of Colour, die sie aus der intersektionalen Perspektive beleuchtete. Sie gab Einblicke in ihre Arbeit als Empowerment-Trainerin.

Jun.-Prof. Dr. Ursula Offenberger befasste sich aus einer soziologische Perspektive mit der Zweigeschlechtlichkeit als Institution, die durch Religion naturalisiert wurde. Sie zeigte auf, mit wie forschungsmethodisch das biographische Wissen über Geschlecht in religiösen Vergemeinschaftungen in religiös formatierten Gelegenheiten untersucht werden kann.

Dr. Ali Ghandour verdeutlichte wie ausgeprägt sexuelle und erotische Motive etwa in der muslimischen Dichtung waren und machte so deutlich, dass Sexualität historisch betrachtet in muslimischen Kontexten kein Tabuthema waren, wie heutzutage oft angenommen wird. In seinem Vortrag ging es auch um die Transformationen, die in den letzten Jahrhunderten in den muslimisch geprägten Gesellschaften stattfanden.

Prof. Dr. Michael Schüssler erläuterte eindrücklich das katholische Sexualitätsdispositiv, das sich in einer theologischen Sexualmoral niederschlägt, die heute an der Lebenswirklichkeit der Menschen scheitert.

Dr. Mithu M. Sanyal behandelte zum Schluss dann nochmal die Folgen des Kolonialismus und ihre Auswirkung auf konkrete Sexualitätsvorstellungen. Insbesondere ging sie auf Prozesse und Vorstellungen in Indien und im Hinduismus ein.

Die Tagung stieß auf großes Interesse bei den ca. 80 Teilnehmer*innen. Die Wichtigkeit des Themas zeigte sich auch in der Vielfalt unter den Gästen. Lehrer*innen, Professor*innen, Sozialpädagog*innen und zahlreiche Studierende aus den verschiedenen Fächern besuchten die Tagung und bereicherten sie mit ihren Fragen und Diskussionen.

Wir danken den Referent*innen, die uns mit ihren Beiträgen zu der Fachtagung bereichert haben. Wir danken den Teilnehmer*innen, die uns mit ihren Impulsen und Fragen neue Denkanstöße gegeben haben. Wir danken unserem Team, Erkan Binici, Dunja Mdakka und Yahya Lange, ohne deren exzellente Organisation die Planung und Durchführung der Tagungen nicht möglich gewesen wäre. Und wir danken der Fritz-Thyssen-Stiftung, der Tübingen School of Education und dem Universitätsbund, die die Tagung gefördert haben. Ein Tagungsband mit den Beiträgen der Referet*innen ist in Vorbereitung und soll voraussichtlich 2020 erscheinen.

Organisiert wurde die Fachtagung von Prof. Dr. Fahimah Ulfat, Universität Tübingen, und Dr. Ali Ghandour, Universität Münster.

Den Flyer zur Tagung finden Sie hier und die Videoaufzeichnung  hier.